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„Wer gut zu sich selbst ist, kann besser zu anderen sein.“ © Prof. Michael Marie Jung

Selbstliebe ist eitel und egoistisch? Wem auch immer die Verbreitung dieses Glaubenssatzes einmal genützt haben mag: Er ist definitiv falsch! Denn nur Menschen, die sich selbst positiv sehen und mit all ihren Stärken und Schwächen annehmen können, sind auch in der Lage, anderen Menschen etwas zu geben – Wohlgefühl zu vermitteln. An sich selbst verzweifelnde Wesen haben sicher nicht die Kraft, für ihre Nächsten zu sorgen, bei Problemen Rat zu erteilen, Trost zu spenden. Also: Sich selbst ab und an einmal zu verwöhnen ist nichts Verwerfliches, sondern es hilft, die Batterien aufzuladen und neue Lebenskraft zu tanken.

Im Herzen selbst (c) Foto: Stephanie Helmig

Im Herzen selbst (c) Foto: Stephanie Helmig

Das Verwöhnprogramm kann, muss aber nicht unbedingt etwas mit Geld zu tun haben. Die schönsten Geschenke des Lebens sind ohnehin umsonst. Eine Stunde ohne Pflichten zum Beispiel, in der man einfach mal einen Spaziergang an der frischen Luft macht, kräftig Licht tankt, tief durchatmet – die ist mit nichts zu bezahlen.

Verwöhnprogramm mit nachhaltigem Erfolg

Das beste Verwöhnprogramm ist gleichzeitig auch das Alltäglichste. Die Rede ist vom Essen. Nichts beeinflusst unsere Befindlichkeit mehr, als das, was wir zu uns nehmen. Je natürlicher, frischer und wohlschmeckender das ist, was auf den Tisch kommt, desto besser fühlen wir uns in unserer Haut. Und je großzügiger solche Mahlzeiten mit anderen geteilt werden, desto offensichtlicher wird, dass das eigene Verwöhnprogramm auch für die Familie und für Freunde einen großen Nutzen hat …

Nicht in Ketten legen lassen (c) Foto: Stephanie Helmig

Nicht in Ketten legen lassen (c) Foto: Stephanie Helmig

Geteiltes Leid und doppelte Freud’

„Geteiltes Leid ist halbes Leid“ weiß der Volksmund und folgert im Umkehrschluss, dass geteilte Freud’ doppelte Freud’ ist. Wenn durch den Berufsalltag die nahestehendsten, liebsten Menschen regelmäßig zu kurz kommen, dann kann man sich selbst nichts Besseres tun, als Zeit mit ihnen zu verbringen. Aber „quality time“ muss es sein, wie die Engländer es ausdrücken. Also aktiv etwas miteinander unternehmen, als passiv vor dem Fernseher lümmeln. Zusammen lachen, gemeinsam etwas entdecken, vielleicht aber endlich auch mal in aller Ruhe ein Problem besprechen, das seit Langem aufgeschoben wird.

Das wäre eine Möglichkeit, sich selbst etwas Gutes zu tun. Eine andere liegt darin, sich einmal ganz auf sich selbst zu besinnen und sich Abgeschiedenheit und Stille zu gönnen. Es muss ja nicht gleich ein Wochenende im Kloster sein. Auch zu Hause kann man Telefon und Handy ausschalten und die Klingel an der Haustür abstellen. Wer sich und seiner Seele konsequent ab und an Ruhe verordnet, der bleibt in Kontakt mit sich selbst und seinen tiefsten Bedürfnissen. Nur das garantiert, dass man auf Dauer wirklich leistungsfähig bleibt.

Abendsonne genießen (c) Foto: Stephanie Helmig

Abendsonne genießen (c) Foto: Stephanie Helmig