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Das perfekte Team – Freelancer vs. Angestellte

Lasst uns heute am Valentinstag mal über diejenigen reden, die ihr besonders lieb haben solltet in eurem Spa – euer Personal. Im Spa‐Alltag sieht es in den meisten Fällen so aus, dass man das Arbeiten mit fest angestellem Personal zu bevorzugen scheint. Aber warum ist das so?

Der finanzielle Aspekt

Angestellte Therapists und Beauticians schlagen ab einer bestimmten Auslastung ohne Frage deutlich weniger zu Buche als Freelancer. Und der finanzielle Aspekt steht meiner Erfahrung nach immer an erster Stelle. (Dass sich daran langfristig nicht nur etwas ändern sollte, sondern auch ändern muss – darüber sind wir uns sicher alle einig.)

Man darf beim Arbeiten mit fest angestelltem Personal nicht vergessen, dass eben dieses auch bezahlt werden will, wenn es im Sommer auf Mallorca am Strand liegt. Außerdem sind die meisten Angestellten in Spas junge Frauen. Wenn wir über Vor- und Nachteile des Arbeitens mit Angestellten bzw. Freelancern reden, muss hier auch der Kostenfaktor der „potentiellen Schwangerschaft“ genannt werden.

Der Freelancer produziert nur Kosten, wenn man ihn bucht. Im Falle von Urlaub, Krankheit oder Schwangerschaft ist man hier fein raus.

Der energetische Aspekt

Damit der finanzielle Aspekt sich auszahlt, muss im Falle des Arbeitens mit Angestellten gewährleistet sein, dass das angestellte Personal „ordentlich“ ausgelastet ist (was leider in den seltensten Fällen auch mit einer „ordentlichen“ Bezahlung einhergeht). In der Praxis sieht das dann normalerweise so aus, dass man 8 Stunden lang täglich (unterbrochen von einer Pause) energetische Arbeit im Fließbandmodus verrichtet. Auf Kreuzfahrtschiffen findet diese energetische Fließbandarbeit sogar über 12 Stunden täglich statt (in diesem Fall gesteht man dem Angestellten allerdings ein zweites Päuschen zu).

Spa Berlin © Foto: Jennifer Ospelt

Spa Berlin © Foto: Jennifer Ospelt

Dass bei einem solchen Arbeiten ab Gast Nummer 5 oder 6 qualitativ nicht mehr viel bei rumkommt, sagt einem der gesunde Menschenverstand. Nur dem Gast, der am späten Nachmittag seine Behandlung bucht (und der genauso viel zahlt wie der Gast am Morgen) – dem sagt es niemand.

Im Spa Alltag erlebe ich immer wieder, dass angestellte Kollegen auf 30 oder 20 Wochenstunden – und folglich auch auf weniger Stunden am Tag – reduzieren, weil sie die Menge an Gästen und das Pensum an energetischer Arbeit anders nicht mehr bewältigen können.

Der Freelancer entscheidet selbst, wie viele Stunden er arbeitet und steckt sein Arbeitspensum selbständig ab.

Herausforderung Personalmanagement

Für den Spa Manager ist ein Arbeiten mit Angestellten im weisungsgebundenen Modus der einfachere Weg. Angestellte tun im Idealfall, was man ihnen sagt.

Der Freelancer ist oft weniger einfach zu handeln. Wie in allen Berufssparten gibt es auch im Bereich „Wellness & Spa“ nicht unbegrenzt qualifiziertes, kompetentes und dienstleistungsorientiertes Personal. Diejenigen, die um ihren eigenen Wert wissen, werden sich nicht unter diesem verkaufen und nur selten in schlecht bezahlten Angestelltenverhältnissen anzutreffen sein.

Ein ganzes Team aus freiberuflichen, nicht weisungsgebundenen Freelancern zu führen, ist eine echte Herausforderung für jeden Spa Manager.

Alltags-­Check

Ich stelle immer wieder fest, dass es eine Fluktuation im Angestelltenbereich gibt. Nur selten halten die angestellten Kolleginnen und Kollegen länger als ein Jahr durch. Hier sollte man sich anfangen zu fragen, warum das so läuft und den finanziellen Aspekt mal für einen Gedankengang lang beiseite schieben. Freiberufliche Kooperationen mit Hotel Spas hingegen bestehen in meinem unmittelbaren Umfeld oft über lange Jahre.

Hotel Spas © Jennifer Ospelt

Hotel Spas © Jennifer Ospelt

Gemischte Teams aus Angestellten und Freelancern werden häufig als die ultimative Lösung propagiert. In diesem Fall gibt es einen fest angestellten Stamm, der je nach Bedarf mit freiberuflichen Kollegen aufgefüllt wird.

Meine persönliche ultimative Lösung

Hört auf, Angestellte energetisch hochwertige Arbeit im Fließbandmodus verrichten zu lassen und fangt an, diese Leute adäquat zu bezahlen.

Hört auf, den Freelancer als den Inbegriff des Bösen zu sehen, weil er zu teuer und zu eigenständig ist und fangt an, zu realisieren, dass es in einer so wechselhaften Branche (bezogen auf die Buchungsauslastung) ohne ihn nicht funktioniert.

Ein bisschen mehr Achtsamkeit, Respekt und Loyalität auf beiden Seiten – egal ob man sich für das Arbeiten mit Angestellten, mit Freelancern oder für einen Mix aus beidem entscheidet – wäre ein guter Anfang.