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Lohndumping in der Spa-Branche – Einsparpotential Freelancer?

Ich bestreite meinen Lebensunterhalt seit vielen Jahren als freiberuflicher Spa-Therapist und arbeite ausschließlich mit Hotel-Spas zusammen. Und davon gibt es in Berlin ziemlich viele. Gerne möchte ich in meinem Blogbeitrag meine Sicht zum Thema „Einsparpotential Freelancer“ darstellen.

Bei einem Treatmentpreis von durchschnittlich ca. 100 Euro pro Stunde in der Branche, die sich weiterhin im Wachstum befindet, geht der Gast höchstwahrscheinlich davon aus, dass alle am Treatment Beteiligten adäquat entlohnt werden.

Lohndumping in der Spabranche (c) Foto: Jennifer Ospelt

Lohndumping in der Spabranche (c) Foto: Jennifer Ospelt

Dass angestellte Therapists in der Hotellerie keine Großverdiener sind, ist hinlänglich bekannt. Freiberuflern hingegen unterstellt man per se gerne einen gewissen Wohlstand ob der höheren Stundensätze. Was dabei gerne ausgeblendet wird: Wir freiberuflichen Therapists verdienen kein Geld, wenn uns mehrere Tage niemand bucht. Wir verdienen kein Geld, wenn wir krank sind. Und wir verdienen auch kein Geld, wenn wir Urlaub machen. Aus diesem Grund sind die meisten Freiberufler, die ich kenne, sehr selten krank oder im Urlaub. Deutlich seltener auf jeden Fall als angestellte Kollegen.

„Ihr seid zu teuer.“

Dennoch hat man bei Freelancern der Spa-Branche in den vergangenen Jahren scheinbar das größte Einsparpotential entdeckt. Dass unser privater Krankenversicherungsbeitrag (im Gegensatz zu Kreativen gibt es für uns kein Pendant zur
KSK) Jahr für Jahr weiter in utopische Höhen klettert, interessiert dabei niemanden. Man vergleicht immer nur die Stundensätze. Und hier wird es problematisch.

Freiberuflern unterstellt man gerne Wohlstand. (c) Foto: Jennifer Ospelt

Freiberuflern unterstellt man gerne Wohlstand. (c) Foto: Jennifer Ospelt

Als Freiberufler ist man in der Regel prozentual am Treatmentpreis beteiligt. Leider wurde der Beteiligungsprozentsatz in Berlin in den vergangenen 2-3 Jahren um ca. 20% nach unten reguliert. Wie groß wäre der Aufschrei, wenn man Angestellten plötzlich das Gehalt in dieser Größenordnung kürzen würde? Nicht auszudenken.
Freiberufler in der Spa-Branche verdienen immer weniger bei gleichzeitig steigenden Mieten und Fixkosten. Aus diesem Grund fand ich es an der Zeit, dass mal jemand darüber spricht.

„Masseur“ und „Therapeut“ in Deutschland keine geschützten Berufsgruppen

Dummerweise sind in Deutschland weder „Masseur“, noch „Therapeut“ geschützte Begriffe. Jeder darf massieren, auch ohne fundierte Grundausbildung. Die finanzielle Schmerzgrenze ist längst passiert. In Berlin bekommt ein Freiberufler in einigen Hotel-Spas mittlerweile weniger als 15 Euro die Stunde – bei Buchung und brutto! Einige Therapists, die zu diesen Konditionen arbeiten, kommen aus Ländern, in denen man sowieso weniger Geld verdient als in Deutschland. Andere nehmen diese Jobs an, weil sie nicht mehr wissen, wie sie im kommenden Monat ihre Fixkosten decken sollen. „Besser als gar nichts“, hört man immer häufiger.

Je mehr Therapists für derart miese Konditionen arbeiten, desto schwieriger haben es ausgebildete Leute, ihre bestehenden Konditionen weiterhin zu rechtfertigen. Und so schraubt sich die Lohnspirale kontinuierlich weiter nach unten.

Spa-Behandlungen im Akkord: „Die Masse macht’s!“

Lohndumping fällt auf die Qualität und auf die Gästezufriedenheit zurück (c) Foto: Jennifer Ospelt

Lohndumping fällt auf die Qualität und auf die Gästezufriedenheit zurück (c) Foto: Jennifer Ospelt

So werden in Vorstellungsgesprächen die niedrigen Anteile des Freiberuflers gerne relativiert. Spa-Treatments im Akkord? Ein gruseliger Gedanke. Auf Kosten des Gastes. Diese Tatsache ist den Verantwortlichen im Übrigen vollkommen bewusst, aber der Profit steht vielerorts mittlerweile über der Gastzufriedenheit.

Doch auch das größte Drama birgt Potential in sich. Ich wage die Behauptung, dass es höchstwahrscheinlich nie einfacher war, innerhalb kürzester Zeit in Berlin ein Spa zur Top-Adresse der Stadt zu machen, denn die gesamte Konkurrenz spart sich gerade ausnahmslos zugrunde. Bleibt nur noch zu hoffen, dass irgendjemand zügig dieses Potential entdeckt.