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Wellness, Gesundheit und Tourismus – Symbiose oder Widerspruch?

Auf der einen Seite ist unsere Gesellschaft von „immer mehr und immer besser und immer schneller“ geprägt – Wir wollen auf nichts verzichten: Wir brauchen eine anerkennende Arbeitsstelle, eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung und die perfekte Familienharmonie. Auf der anderen Seite sehnen wir uns nach Entspannung und nach „zu uns selbst Finden“. Betrachtend dieser beiden Tatsachen drängen sich zwei Fragen auf:

„Was ist passiert?“ und „Wo führt das hin?“

Wenn man sich den Ursprung des Wellnessgedankens anschaut und ihn mit dem heutigen Wellnessangeboten vergleicht, dann fragt man sich: „Was ist passiert?“

Don Ardell, der Begründer des Wellnessgedankens, sah in Wellness eine ganzheitliche Verbesserung der Lebenssituation und nicht den heutigen passiven Genuss der gängigen Wellnessangebote. Nun scheint der Wellnessmarkt sich weiter zu entwickeln – und zwar in Richtung körperlicher und mentaler Gesundheit.

Wenn man dann aber den Trend hin zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden mit dem steigenden Streben nach mehr Produktivität, Wohlstand und Materialismus vergleicht, dann fragt man sich: „Wo führt das hin?“Immer mehr Touristen wollen im Urlaub etwas für ihre Gesundheit tun. Dabei sollen in zwei Urlaubswochen Symptome repariert werden, die aus der Lebensart der restlichen 50 Wochen des Jahres resultieren. Das kann nicht funktionieren. Und so ist der Gesundheitstourismus auch nicht definiert.

Vorsicht ist geboten!

Die Gefahr ist groß, dass beim Gesundheitstourismus wie beim Wellness das eigentliche Ziel verloren geht. So eine der zurzeit gängigen Definitionen:

Die Wiederherstellung oder Erhaltung des Wohlbefindens sowohl physisch als auch psychisch […] durch die Inanspruchnahme von bestimmter gesundheitsbezogener Dienstleistungen […].

Quelle: Rulle 2003, S. 226

So verkommt der Gesundheitstourismus zu einer Scheinwelt, bevor er überhaupt richtig installiert ist. Obwohl weitum bekannt ist, dass für echten Gesundheitstourismus die nachhaltige Wirkung für Zuhause hinzuzufügen wäre. Kaum ein Anbieter ist in Sicht, der den Mumm/echten Willen hat, auch für die Zeit nach dem Urlaub neue Ideen/innovative Angebote/kreative Dienstleistungen zu liefern. Und überall Gäste, die ihre Gesundheit für die Zeit im Urlaub in den Mittelpunkt stellen und beim Check-Out alles Gelernte, Verbesserte und Positive zurück lassen.

Symbiose oder Widerspruch?

Können Tourismus, Gesundheit und Wellness harmonieren oder produziert die Branche nur eine Fassade, hinter der wir für kurze Zeit den Alltag vergessen, die guten Vorsätze nur scheinbar umsetzen und dann doch wieder nur so tun als ob?

Dies ist sicherlich einfacher, als das eigene unternehmerische Angebot oder sein Leben in die Hand zu nehmen und zu ändern! Aber wollen wir das auch bzw. wollen wir, dass unsere Gäste und Kunden dies tun?