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Spa und Wellness: Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Innovativ, authentisch, konstruktiv-respektvoll, kritisch: Das ist die Maßgabe für unsere Blog-Beiträge. Eine Innovation wäre es, wenn Spas Orte für Wellness wären  – das sind sie in der Regel bislang nicht. Deshalb lautet eine vorläufige Antwort auf den Titel dieses Beitrags: Nichts.

Auf der Suche nach Zusammenhängen

Ein Spa bezeichnet in der Regel eine Betriebsstätte, an der Wertschöpfung geschieht. Es handelt sich um Räume und Einrichtungen, in denen Kunden durch dafür spezialisierte Dienstleister gegen Entgelt behandelt werden. Spa ist ein Geschäft mit – bleiben wir im vertrauten englischen Branchenvokabular – treating, pampering, nourishing. Kunden geben Geld dafür aus, dass sie professionell entspannt, gepflegt, gehätschelt und getätschelt werden. Das soll man ihnen anschließend am Besten auch ansehen.

Wellness ist ein Lebensstil, eine geistige Haltung, und gründet auf menschliche Fähigkeiten zur Erlangung nachhaltiger Lebensqualität. Hierzu gehören tiefere Einsichten in den Sinn des Lebens, Erkenntnisse wie etwa aus dem Tao: Der Weg ist das Ziel. Aber auch Freiheit, selbstbestimmt zu denken und zu leben, die Lösung von Dogmen, Indoktrination, Bewusstlosigkeit und schlechten Gewohnheiten. Daneben geht es nicht minder um sämtliche Disziplinen zur Pflege und Ausbildung unserer körperlichen, geistigen und seelischen Potenziale. Das bewusste, genussvolle Auskosten dieses Reichtums begründet schließlich das Wohlbefinden, welches sich auf dem Wellness-Weg zwangsläufig einstellt.

Eine Umfrage des amerikanischen Forschungsinstituts SRI International unter Spa-Kunden, was sie mit dem Begriff „Wellness“ verbinden, kommt zu folgendem, völlig kongruentem Ergebnis:

  1. Lebensqualität
  2. Körperliche Fitness
  3. Glück

Erst danach folgen Entspannung und Ausgeglichenheit. Ich empfehle nicht nur in diesem Zusammenhang jedem Spa-Professional die Lektüre der Studie „Spas and the global wellness market“.

Wenn Wellness kein Produkt, keine Dienstleistung, keine Kur, keine Behandlung ist – also grundsätzlich nichts, was andere an mir vollbringen oder für mich ermöglichen: Was hat dann Wellness mit Spa zu tun? Dies wäre nun eine gute Gelegenheit, erst einmal nicht weiter zu lesen, sondern selbst nachzudenken. Das Ergebnis dieser Denkpause könnte später unter diesem Beitrag als Kommentar erscheinen.

Wellness als persönlicher Antrieb

Ich befasse mich seit mehr als zehn Jahren mit der Frage, wie man Wellness ins Spa bekommt. Zusammen mit einem der bedeutendsten Wellnessprotagonisten, Don Ardell, denke ich fortlaufend darüber nach und wir laden jeden Interessierten ein, sich uns anzuschließen. Eine Antwort habe ich bereits aus meiner persönlichen Lebenserfahrung und –erkenntnis gewonnen: Die Menschen, die Spas betreiben und in ihnen arbeiten, sollten sich als Erstes selbst auf den Wellnessweg begeben, bevor sie andere professionell dabei begleiten. Mein Eindruck ist, dass die Spa-Branche in dieser Hinsicht noch ganz am Anfang steht.

Epikur, einer der wichtigsten Philosophen des Wellnesskonzepts, empfiehlt denen, die das Glück suchen, sich in geistesverwandte Gesellschaft zu begeben. Schon immer in der Geschichte der Menschheit haben sich Gleichgesinnte versammelt, um den Austausch miteinander zu pflegen und die innere Stärkung durch die leibhaftige Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft zu erfahren. Don und ich haben die Vision, dass Spas einmal die bevorzugten Begegnungsorte für die Wellness Community werden könnten.

Ich werde manchmal gefragt, woher ich die Kraft und die Ausdauer nehme, seit nunmehr 22 Jahren meine Ideen, Vorstellungen und Visionen nicht aufzugeben und warum ich mich nicht endlich einer einträglichen Beschäftigung widme, für die ich Wertschätzung erfahre. Vielleicht ist es so, wie Robert Louis Stephenson 1881 schrieb:

Ihr wisst nicht, wie gesegnet ihr seid, denn hoffnungsfroh zu reisen ist schöner als anzukommen, und der wahre Erfolg liegt in der Anstrengung.

Robert Louis Stephenson