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Ausbildung im Gesundheitstourismus

Der Studiengang Gesundheitsmanagement im Tourismus der FH Joanneum in Bad Gleichenberg vermittelt in einem Bachelor- und Masterprogramm eine multisektoriale Grundausbildung und bildet gesundheitstouristische ManagerInnen aus. Die Studiengangsleiterin Dr. Eva Adamer-König erzählt im Interview wie Studierende auf die zukünftigen Anforderungen des Gesundeitstourismus vorbereitet werden.

Welchen Herausforderungen stehen MitarbeiterInnen im Gesundheitstourismus gegenüber?

Wir brauchen zunächst die medizinisch therapeutischen Fachkräfte, hier ist die Qualifikation eindeutig in der Ausbildungsverordnung per Gesetz festgelegt. Neben diesen fachlichen Qualifikationen der MitarbeiterInnen geht es auch darum zu verstehen, was hinter den Konzepten von zB Gesundheitstourismus, Prävention oder Medical Wellness steckt. Ein Basiswissen im gesundheitswissenschaftlichen sowie betriebswirtschaftlichen Bereich wäre natürlich ideal und könnte z.B. von dem/der SpamanagerIn in den Betrieb eingebracht werden. Vertriebs-Know-How ist unbestritten wichtig, jedoch stellt sich die Frage, ob es die Aufgabe des Therapeuten ist, zu verkaufen oder zB eine Massage durchzuführen, die so wunderbar ist, dass der Gast gerne wieder kommt und die Pflegeprodukte wie selbstverständlich kauft. D.h. mit anderen Worten, die soziale Kompetenz der MitarbeiterInnen spielt auf jeder Beschäftigungsebene eine bedeutende Rolle.

Man braucht also MitarbeiterInnen, die ein umfassendes Verständnis vom Zusammenspiel zwischen Körper, Geist und Seele sowie gesellschaftlichen Entwicklungen und den Umwelteinflüssen auf Individuen mitbringen. Basierend auf einer betriebswirtschaftlich soliden Ausbildung wird beim Blick auf das Wesentliche jedoch nie vergessen, über den Tellerrand zu schauen. Nur so können Kreativität gelebt, gesellschaftliche Dynamiken gesehen und Trends ökonomisch nutzbar gemacht werden.

Gesundheitsmanagement im Tourismus (c) Foto: FH Joanneum

Gesundheitsmanagement im Tourismus (c) Foto: FH Joanneum

Wie setzen Sie diese Anforderungen in Ihrem Studiengang „Gesundheitsmanagement im Tourismus“ um?

Im Bachelor-Studium bereiten wir unsere Studierenden durch eine multisektorale gesundheitstouristische Grundausbildung auf die komplexe Berufswelt vor. Das strategisch orientierte Master-Studium bildet Managerinnen und Manager von Morgen durch eine Kombination von Gesundheitswissenschaften, Tourismusmanagement und Leadership aus. Fundiertes Training im Bereich Social Skills ist ebenfalls integriert. Wir entwickeln in fächerübergreifenden Projektarbeiten innovative Dienstleistungen und betrachten Marktpotentiale aus gesundwissenschaftlicher sowie touristischer Sichtweise. Durch externe Lehrende, welche direkt aus der Wirtschaft und damit auch aus den entsprechenden Berufsfeldern kommen, stellen wir sicher, dass wir am Puls der Zeit lehren und forschen. Unsere Studierenden werden mit einer hands-on Mentalität auf das Berufsleben vorbereitet, um auch zuerst unlösbar erscheinende Aufgaben zu analysieren und strategisch zu bearbeiten. Es ist uns wichtig, dass unsere AbsolventInnen nicht nur Trends sehen, sondern diese auch mit- und weiterentwickeln können. Deshalb gibt es in unserem Curriculum schon lange Lehrveranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit.

Wohin wird sich Ausbildung im Gesundheitstourismus Ihres Erachtens entwickeln?

Studiengangsleiterin Eva Adamer-König (c) Foto: FH Joanneum

Studiengangsleiterin Eva Adamer-König (c) Foto: FH Joanneum

Die Erstellung eines qualitativ hochstehenden Angebotes im gesundheitstouristischen Betrieb setzt eine umfassende Bildung und Ausbildung voraus. Dies wird durch eine hochschulische Ausbildung, in der nicht nur handwerkliche Fertigkeiten, wie zB Therapiekonzepte, unterrichtet werden, sondern der Mensch als Ganzes betrachtet und auf dessen Bedürfnisse eingegangen wird, gewährleistet. In der marketingorientierten Berater-Welt werden laufend neue gesundheitstouristische Ansätze  erfunden und Wortkreationen geradezu inflationär entwickelt. Hier den Überblick zu bewahren und kompetent entscheiden zu können, was ökonomisch und werteorientiert Sinn macht, ist keine leichte Aufgabe. Mit strategischen Überlegungen, die auf langfristige Zielorientierung abzielen, kann und muss hier gegengesteuert werden. Unsere bereits gut etablierten AbsolventInnen beweisen diese Fähigkeiten tagtäglich, in dem sie Dienstleistungen neu denken und schon ganze Berufsfelder ins Leben gerufen haben.

Frau Dr. Adamer-König, ich bedanke mich vielmals für das Gespräch.