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Authentisches Ayurveda

Kann eine 5000-7000 Jahre alte Lehre in einer modernen Zeit authentisch angewandt werden? Obwohl zu den Entstehungszeiten des Ayurveda die Menschen einen anderen Lebensstil als heute praktizierten, verstehen sich die Grundprinzipien der wahrscheinlich ältesten Gesundheitslehre als zeitlos.

Manche Reiseveranstalter von Ayurveda-Programmen definieren „authentisches Ayurveda“ zunächst durch das Vorhandensein eines qualifizierten Ayurveda-Experten, der auch in der Lage ist geeignete Kräuter zu verabreichen. Weiters stellen ein Angebot an qualifizierten Behandlungen und die Möglichkeit einer entsprechenden Ernährung ein Kriterium für eine Produktaufnahme dar.

Ayurveda Synchronmassage (c) Foto: Hotel Spa Gmachl in Bergheim

Ayurveda Synchronmassage (c) Foto: Hotel Spa Gmachl in Bergheim

Sind diese Kriterien allein genug?

Bei der Anwendung des Ayurveda im globalen Gesundheitstourismus lässt sich eine Zweiteilung vornehmen:

  • Ayurveda-Kuren
  • Ayurveda-Wohlfühlprogramme

1. Ayurveda-Kuren

Das Ziel ist hier, den Körper von unverdautem Material (Schlacken, Toxinen) zu reinigen. Um das Unbrauchbare auszuleiten, ist eine intakte Verdauungskraft notwendig, welche zunächst oftmals wiederhergestellt werden muss. Zur weiteren Mobilisierung der fettlöslichen Giftstoffe erfolgt eine innerliche (orale Einnahme von geklärter, gefilterter Butter) und äußerliche Fettung (Behandlungen mit warmen Ölen) kombiniert mit einer Schwitztherapie.

Ayurveda Diagnosegespräch (c) Foto: Hotel Spa Gmachl in Bergheim

Ayurveda Diagnosegespräch (c) Foto: Hotel Spa Gmachl in Bergheim

Die wasserlöslichen Toxine werden durch das schluckweise Trinken von abgekochtem heißem Wasser in Bewegung versetzt. Die entsprechenden Ausleitungsmaßnahmen erfolgen einerseits mittels oraler Einnahme eines natürlichen Abführmittels (z.B. Rizinusöl), sowie durch Einläufe auf Fett- und Wasserbasis.

Für europäische Wellness- und Kureinrichtungen sind ganzjährige Ayurveda-Kurangebote vielfach sehr aufwendig, da die gesamten Hotel- bzw. Klinikmitarbeiter (Service, Küche, Housekeeping) instruiert und informiert sein müssen.

2. Ayurveda-Wohlfühlprogramme

Als weniger riskant zu erachten ist die Einführung von Ayurveda-Anwendungen kombiniert mit ergänzenden Bewegungs- und Entspannungsprogrammen (z.B. Yoga), ayurvedischer Ernährung (d.h. die Verwendung vorwiegend frischer Zutaten und der korrekte Einsatz von Kräutern und Gewürzen). Bei einem dementsprechend ganzheitlichen Vorgehen seitens der Ayurveda-Ausübenden können auch Wohlfühlprogramme als authentisch deklariert werden.

Der mentale Aspekt des Ayurveda

Meditation (c) Foto: Hotel Spa Gmachl in Bergheim

Meditation (c) Foto: Hotel Spa Gmachl in Bergheim

„Der Geist ist stärker als die Materie“ lautet die Prämisse aller asiatischen Philosophien, Weltanschauungen und Heilsysteme. Ähnlich der Quantenheilung betrachtet Ayurveda Gesundheit als eine Information, welche jedes Wesen in Form einer Matrix in sich trägt. Unser Geist ist daher in der Lage unsere Zellen auf Gesundheit zu programmieren. Aus diesem Grund sprechen traditionelle Gelehrte des Ayurveda selten mit ihren Klienten über Krankheiten und Symptome. Meditative Techniken können den Gesundungsprozess auf mentaler Ebene oftmals vehement beeinflussen.

Welche Voraussetzungen sollte ein authentischer Ayurveda-Spezialist vorweisen können?

Neben den fachlichen Komponenten wie Basiskenntnisse in klassischer und ayurvedischer Anatomie, praktischen Anwendungen und Kenntnissen in  ayurvedischer Ernährungslehre und Kochen ist vor allem die Fähigkeit der Verknüpfung von östlicher und westlicher Denkweise zielführend. Soziale Kompetenzen wie Empathie, Geduld und eine positive Ausstrahlung sind außerdem ein zentraler Erfolgsfaktor.

Etablierungsmöglichkeiten in Hotels- und Gesundheitszentren

Variante 1: Errichtung einer eigenen Ayurveda-Abteilung: Um die Nutzenschwelle (Break-Even v. Umsatz-Absatz) zu erreichen ergibt dies erfahrungsgemäß nur bei einer Betriebsgröße von mindestens 200 Zimmern mit einem potentiellen Gästekreis eine Sinnhaftigkeit.

Variante 2: Integration im Rahmen eines asiatischen Gesundheitszentrums. Hier empfiehlt sich eine Schwerpunktsetzung für den Bereich Ayurveda  im Rahmen des gesamten asiatischen Themenkomplexes.

Variante 3: Implementierung im klassischen Spa- und Wellnessbereich: Prinzipiell ist dies eine Chance zur erfolgreichen Schaffung eines zusätzlichen Gästenutzen (horizontale Produktdiversifikation). Eine seriöse ganzheitliche Anwendung ist auch hier jedoch notwendig, um keinen Imageverlust dadurch zu erleiden.

Artikel zum Thema „Ayurveda in deutschen Gesundheiteinrichtungen“ im Ayurveda Journal