FachBlog

Selfness, Mindness oder …? Von Wellness zur Ganzheitlichkeit im Spa

Trendforscher wie z.B. Opaschowski hatten bereits in den 80er Jahren den Übergang von Fitness zu Wellness prognostiziert. Doch welcher Wandel steht uns jetzt bevor?

Selfness, Mindness und einige andere Wortschöpfungen wurden in den letzten Jahren kreiert, um eine neue ganzheitliche Gesundheitswelle zu benennen. Die ursprünglichen Modelle von Wellness wurden in den 1970er Jahren entworfen und entsprechen stark dem Prinzip der Eigeninitiative sowie dem Aufbau von Selbstkompetenz.

Richtige Atmung (c) Foto David Batra

Richtige Atmung (c) Foto David Batra

Darin sind nicht nur rein physische Ansätze beinhaltet, sondern auch psycho-soziale, mentale, spirituelle, ökologische sowie berufliche Aspekte. Das Konzept bezieht sich daher auf eine weit reichende Lebensqualität. Von dem ganzheitlichen Grundgedanken des Wellness blieb wenig übrig. In einer Umfrage von Eberle hievten die Befragten bezüglich der Begriffsassoziation die Bereiche Körperpflege, Gesichtspflege, Duft, Reisen, Mineralwasser, Kosmetik und Haarpflege auf die ersten sieben Ränge (Vgl. Eberle (2004) S. 43)

Wie schafft man es als Spa- und Gesundheitsbetrieb, den eigentlichen Wellnessgedanken zu etablieren?

Individuelle Betreuung ist laut Expertenmeinungen und Trendforschung eine der hauptsächlichen Erfolgsfaktoren. Dies umfasst

  • einen ausreichenden Zeitrahmen für Konsultationen sowie in Sprechstunden
  • soziale Kompetenzen von Mitarbeitern wie z. B. Empathie, Freundlichkeit
  • persönlichen Gästekontakt
  • sanfte Bewegungsprogramme mit individueller Abstimmung
  • ein idealerweise auf den Gast zugeschnittenes Komplettprogramm

Diese weichen Faktoren erfordern seitens des Spa- bzw. Hotel/Klinikmanagements eine Implementierung von entsprechenden Unternehmenswerten sowie eine zielgerechte Rekrutierung von Mitarbeitern in Bezug auf fachliche und soziale Kompetenz.

Die Repräsentation einer ganzheitlichen Spa-Philosophie umfasst ein Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele. Dies bedeutet

  • im gastronomischen Konzept gesunde, vitaminreiche Produkte,
  • mentale bzw. meditative Entspannungs-Programme,
  • eine kompetente Beratung mit Orientierungshilfen für einen nachhaltig gesunden Lebensstil,
  • eine gästeorientierte Unternehmenskultur.
Sitzmassage (c) Foto: David Batra

Sitzmassage (c) Foto: David Batra

Authentizität hängt entscheidend von gelebter Herzlichkeit und fachlicher Kompetenz ab. Beispiele für Profilierungsmaßnahmen im Rahmen eines Ganzheitskonzepts sind im Bereich der Primär-und Sekundärprävention (Primärprävention = Gesundheitserhaltung, Sekundärprävention = Früherkennung) zu suchen, z. B. Stressmanagement, Burn-Out-Vorbeugung, Verjüngung,  Regeneration. Eine zunehmende Variante sind Mischformen von Prävention und Heilung wie z. B. Medical Spa, Medical Wellness, etc.

Kommunikation der Image- und Profilierungskriterien

Um sich am Markt von oberflächlichen Angeboten zu differenzieren, bedarf es einer aussagekräftigen Wortkreation. Zusatzbegriffe zum Ausdruck Wellness wie z. B. Medical Wellness, Mentale Wellness, Mind Wellness, Soul Wellness, Holistic Wellness können zur klaren Positionierung in der Gedankenwelt eines potenziellen Gastes beitragen. Der Begriff Kur wird vielfach mit langweilig, steril, krank assoziiert, und daher sind auf dem Selbstzahlermarkt Substitute wie z.B. Reinigungsprogramm, Verjüngungsprogramm, Revitalisierung vorzuziehen.

Bei einer Spezialisierung auf der ganzheitlichen Gesundheitsschiene entspricht man tendenziell dem Positionierungsmerkmal „hohe Qualität“ und ist gefordert, dies mittels entsprechender Vertriebswege und anspruchsvoller Medienprogramme zu kommunizieren. Die Hervorhebung medizinischer Wirkungen spielt bei der Kundennutzenbeschreibung oftmals eine bedeutende Rolle. Ganzheitskonzepte bedürfen einer Segmentierungsstrategie und sollten nicht im Rahmen eines Massenmarketings gehypt werden. Konkret bedeutet dies, dass bestimmte Werbemaßnahmen auf spezifische Zielgruppen ausgerichtet werden.

Rückenmassage (c) Foto: David Batra

Rückenmassage (c) Foto: David Batra

Wichtigkeiten bei der Umsetzung

Der Mehraufwand an Mitarbeiterkosten durch höhere personelle Qualifikationen und mehr zur Verfügung gestellte Zeit lässt eine detaillierte Deckungsbeitragsrechnung notwendig erscheinen. Zur Festigung von Unternehmenswerten sind Leitbilderstellungen vielfach sinnvoll. Bei den Strategieentscheidungen ist es empfehlenswert, mögliche Reaktionen von Mitbewerbern idealerweise durch die Schaffung von Alleinstellungsmerkmalen (USPs=Unique Selling Proposition) bzw. spezieller Kernkompetenzen im Sinne von natürlichen Ressourcen wie Heilquellen, spezielle Baumaterialien (z.B. Naturmaterialien, Abschirmung von Elektrosmog) vorwegzunehmen.

Um sich als Spa- und Gesundheitseinrichtung eindeutig abzuheben, bedarf es eines Konzeptes. Welche Idee sich im Einzelfall eignet, hängt von Faktoren wie z. B. der Machbarkeit entsprechender adäquater Einrichtungsgestaltung (Baulichkeit), der Gastronomie & Tradition des Hauses, der Region sowie von Management und Mitarbeitern ab.

Weitere Infos über Gesellschaftstrends und Lösungsansätze mit Ayurveda finden Sie in meinem Artikel im Ayurveda Journal