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Weg von Marketing Trends hin zu wirklich authentischer Markenführung

„Wellness“, „Bio“ und „Nachhaltigkeit“ sind der Motor der Markenkommunikation – es scheint, als ob es nicht mehr ohne Spezialisierung in benannte Richtungen geht. So ist dieses Aufrüsten auch schon lange Zeit in der Hotellerie angekommen und breitet sich rasend schnell aus. Mir jedoch stellt sich bei all dem bunten Treiben immer häufiger die Frage, ob das noch seine Richtigkeit hat. Lang schon ist in gewissen Teilen der Hotellerie die Motivation „Gutes für seine Gäste zu tun“ dem „Investitions- und Umsatzdruck“ sowie dem Wettrüsten im Gleichschritt der Masse gewichen. Investitionen werden vorwiegend in die Architektur des Hotels getätigt, also rein in den „Körper“. Wo jedoch bleiben die Investitionen in das, was man als „Geist“ und „Seele“ des Hauses bezeichnen würde?

Nachhaltigkeitsblase statt einzigartigem Mehrwert

Vor einiger Zeit war ich wieder einmal in einem sogenannten „Bio- und Wellnesshotel“ zu Gast. Dieser Aufenthalt hat mich aber zum Nachdenken animiert: die Weinkarte gut angereichert mit Weinen der „neuen“ Welt, die Menükarte beinhaltet neuerdings „Straussenfetzen“, auf dem Frühstücksbuffet findet sich Flugananas und allerlei an exotischen Früchten wieder, eine Wellness- und Saunalandschaft wird gleich über mehrere Etagen betrieben, die Mitarbeiter wirkten allesamt ausgelaugt.

Ist das denn alles noch echt und macht dieses Streben nach immer mehr Angebot eigentlich langfristig Sinn? Leben viele Häuser gar nur von der Marketingblase „Nachhaltigkeit“, anstatt sich mit den wesentlichen Kernfragen zu beschäftigen: Wie schaffe ich es, aus diesem alten Muster heraus zu kommen? Welchen Mehrwert kann ich dadurch meinen Gästen anbieten? Wie macht mich das wirklich besonders und einzigartig?

Wertebasierte Unternehmensführung (c) Foto:mmm

Wertebasierte Unternehmensführung (c) Foto:mmm

Auf der Suche nach Echtheit

Diesen Fragen zugute kommt auch der Wandel der Zeit, in dem immer mehr Gäste nach Echtheit und Authentizität suchen. Sie streben wieder nach mehr Natürlichkeit, weg von der „Wellnepp“ und inszenierten „Nachhaltigkeits-Blase“. Wie kommen wir also wieder zurück zur Echtheit? So einfach, wie das Wort auch sein mag, so leicht ist das anscheinend gar nicht mit dieser sogenannten Authentizität. Früh schon müssen wir lernen, dass unser Handeln auf Anpassung konditioniert wird, dass wir nicht aus der Reihe tanzen und dass es bequem ist, mitzulaufen, anstelle zu einer authentischen Persönlichkeit heranzuwachsen. Doch Bequemlichkeit ist auch gleich Mittelmaß.

Diejenigen, die ihr Produkt wirklich authentisch auf dem Markt positionieren möchten, standen alle erst vor der Aufgabe, alte Muster und Vorgehensweisen zu brechen. Für einen solchen Weg zur Echtheit benötigt es in erster Linie Mut. Mut dahin zu schauen, wo die Hotellerie es in den letzten Jahrzehnten verpasst hat, hinzublicken: auf die inneren Werte.

Hotellerie und Authentizität – Widerspruch oder Chance?

Ganz klar: Chance! Denn im Gegensatz zu dem ganzen bunten Treiben in der Branche gibt es sie: die Pioniere, Querdenker und Visionäre!

Die, die Nachhaltigkeit nicht nur in den Hausprospekt schreiben, sondern wirklich leben und es für die Gäste spürbar und erlebbar machen, stellen Menschlichkeit in den Vordergrund. Und erweitern nicht lediglich die Architektur Ihres Hauses konzeptlos ins Unermessliche. Small or regional is beautiful – so die Devise. Weine kommen aus der Region, das Fleisch vom Bauern im Ort, die Spa Angebote umfassen Kräuter der heimischen Wiesen. Mitarbeiter gehören zur Familie, Visionen werden entwickelt, Werte definiert, gelebt und an Mitarbeiter und Gäste kommuniziert. Die Hotels bleiben dabei nicht stehen: nein, es wird mit Sinn und Verstand eigenverantwortlich erweitert und investiert.

Wellenmodell (c) Foto:mmm

Wellenmodell (c) Foto:mmm

Man schaut auf sich selbst und seine eigene Identität, statt sich unter Druck dauernd selbst überbieten zu müssen. Was jedoch machen diese Häuser anders? Sie haben sich auf eine Reise begeben: eine Reise zurück zu Ihrer Identität und somit zu sich selbst.

Was also brauchen Sie noch, um auch einer dieser mutigen Pioniere zu werden, die unsere Branche wieder lebens- und liebenswerter gestalten?