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Tschüss (Alt-)Last. Die Befreiung vom Sklaventum der eigenen Gedanken

Uns geht’s gut. Wir haben genug zu essen. Wir leben in Frieden. Wir haben das Recht auf Bildung, weitestgehend Zugang zu sauberem Wasser und hoher Luftqualität, etc. und wenn wir mal Lust auf Ablenkung haben, zappen wir durch die unzähligen Fernsehkanäle, surfen auf Facebook, Twitter und Co, oder wir nutzen eines der vielfältigen Angebote der Freizeit- und/oder Tourismusindustrie. Entertainment 24/7. Ja, uns geht’s gut. Aber stimmt das wirklich? Das Überangebot an (Lebens-)Ratgebern in Buchläden bis hin zum Anstieg an psychischen Erkrankungen lässt etwas anderes vermuten. Verwundern sollte dies nicht. Denn wann (?) nehmen wir uns wirklich noch Zeit (!) uns zu besinnen, also nachzudenken über uns, über unser Innenleben und alles, was dazu gehört (Emotionen, immaterielle Bedürfnisse,…) und uns zu spüren mit allen Sinnen?

Zeit für uns (c) Foto: Sandra Hartmann

Zeit für uns (c) Foto: Sandra Hartmann

Mut, Achtsamkeit, Offenheit

Die vier Grundfragen Kants – Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? – sind aktueller denn je und Schlagworte wie Spiritualität und Sinnsuche sind in aller Munde. Spiritualität, aus dem Mittellateinischem spiritualitas, bedeutet, die Geistigkeit, das innere Leben beziehungsweise das geistige Wesen (Duden, o.D.), und deutet folglich auf eine individuell vollzogene Beschäftigung mit seinem inneren Sein hin. Dem Begriff Spiritualität mutet etwas Transzendentes an, da vor allem die Beschäftigung mit seinem inneren, geistigen Wesen jenseits des greifbaren und gegenständlichen liegt. Doch braucht es Mut, sich seinem Innenleben zu stellen, braucht es Achtsamkeit, um (Alt-)Lasten zu erkennen und sich von diesen zu lösen und braucht es vor allem auch Offenheit, um den Schritt zu wagen, neue Wege zu gehen (sowohl beruflich als auch privat). Denn nur durch einen „Los-Lösungs-Prozess“ von Belastendem, Behinderndem, kann eine Weiterentwicklung garantiert werden und somit eine aktive Gestaltung der Zukunft. Für den Tourismus bedeutet dies in erster Linie einen geeigneten Rahmen zu schaffen, damit solche Prozesse gefördert werden und die Besinnung auf „das Wesentliche“ im Leben weitestgehend erleichtert wird.

Besinnung durch Reduktion

Ziel von touristischen Angeboten sollte es deshalb sein, dass den Kunden während der Reise neue Sichtweisen eröffnet werden und durch das Erleben des möglicherweise bereits in Vergessenheit geratenen „sich Spürens“, ausgelöst durch intensive körperliche Beanspruchung (z.B. durch Trekking), der Grundstock zur Impuls gebenden Ge- und Besinnung gelegt werden sollte. Reduktion sollte hierbei im Vordergrund stehen. Das heißt, nicht schneller, besser, höher, weiter, größer und mehr (mehr von was?) ist die Lösungsformel zum (inneren) Wachstum, sondern die Zuwendung auf ein einfaches Leben auf Zeit, hin zur Abwesenheit von künstlich gesetzten Reizen (Smartphone, Medien,…), also weniger und langsamer.

Besinnung auf das Wesentliche (c) Foto: Sandra Hartmann

Besinnung auf das Wesentliche (c) Foto: Sandra Hartmann

Und möglicherweise erfahren wir dadurch eine Klarheit und einen neuen Sinn für unser eigenes Dasein.

Tourismus – quo vadis?

Fakt ist, dass Sinnsehnsüchte in Zukunft vermehrt über Tourismusmärkte gesucht werden (vgl. Wenzel, 2009). Aus diesem Grund stellt sich abschließend die Frage, inwieweit die Tourismusbranche diesen wachsenden Megatrend bereits heute zu nutzen weiß und dem steigenden Kundenbedürfnis nach Spiritualität gerecht wird. Denn ein bisschen Yoga und Klangschalenmassage wird wohl meines Erachtens, auf lange Sicht zu wenig sein.

Quellen:

Duden. (o.D.). Spiritualität. Download vom 15.11.2012 von
http://www.duden.de/rechtschreibung/Spiritualitaet

Wenzel, E. (2009). Sinnmärkte – der Wertewandel in den Konsumwelten:
Schlüsseltrends für Konsum, Handel und Marketing
. Kelkheim: Zukunftsinstitut.