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Wie klingt Ihr Spa? Geräuschursachen erkennen und messen – Teil 1

Wo sind Sie gerade? Empfinden Sie die Atmosphäre als angenehm und ruhig? Gerade in Situationen der Entspannung lassen wir uns auf unsere Empfindungen und Gefühle ein. Unsere Sinne sind offen für Impulse und nehmen vieles intensiver wahr als im Alltag. Unabhängig davon, wo Sie sich gerade befinden, machen Sie bitte folgenden Selbstversuch: Schließen Sie die Augen und konzentrieren Sie sich auf das Hören.

Was hören Sie?

Alle unsere Sinneswahrnehmungen funktionieren wie Sensoren, die uns Rückmeldungen über aktuelle Umgebungsbedingungen geben. In unserem Gehirn treffen alle Sinneseindrücke aufeinander. Dabei sprechen wir unterschiedlichen Sensoren unterschiedliche Messgenauigkeiten, sowie bei der Verarbeitung der Signale, unterschiedliche Reaktionsgeschwindigkeiten zu. Dieses Geflecht unterschiedlicher Datenströme vermittelt uns ein mehr oder weniger genaues Bild der Realität. Unseren Gefühlen kommt dabei eine wichtige Schlüsselrolle zu: Ohne diese Instanz und ohne die Tatsache, dass wir uns – von Zeit zu Zeit scheinbar zufällig – auf eine Sache konzentrieren, wäre unser Gehirn überfordert. Um dies zu vermeiden, selektiert unser Gehirn unbewusst bestimmte Sinneseindrücke heraus. Dennoch haben auch unterbewusst wahrgenommene Eindrücke Ihre Auswirkungen. So können Geräusche, die wir eigentlich gar nicht aktiv wahrnehmen unser Wohlbefinden beeinflussen und Stress verursachen.

Hören nach Plan

Interessant wird es, wenn Sie bewusst einzelne Sinne abschalten, um sich mehr auf andere Bereiche Ihrer Wahrnehmung zu konzentrieren. Was hören Sie also bei geschlossenen Augen in Ihrem Spa?

Wie klingen Ihre Gäste? Hören Sie einen starken Hall? Machen Sie diesen Test auch bei unterschiedlicher Gäste-Auslastung. Hören Sie entspannte oder gestresste Stimmen? Machen Sie Notizen: In welchen Bereichen klingen Ihre Gäste klarer oder dumpfer – lauter oder leiser – halliger oder gedämpfter. Erstellen Sie einen Klangplan der Gästegeräusche Ihres Spas. Achten Sie auch auf die durch Ihre Gäste verursachten Sekundärgeräusche, wie das Scheppern von z. B. Glastüren, das Knattern von Duschköpfen, das dumpfe Schlagen eines Wasserventils, das Umblättern einer Zeitung, laute Gespräche im Ruhebereich, die Spülung der Toilette aus dem Nachbarraum, Föhngeräusche aus dem Umkleidebereich, das Schlagen von Spindtüren oder das Klappern von Plastikbechern beim Abstellen.

Im zweiten Schritt besuchen Sie Ihr eigenes Spa während keine Gäste anwesend sind, aber alle Verbraucher (Sauna, Beleuchtung, etc.) bis auf eine eventuell vorhandene Audioanlage eingeschaltet sind. Nun hören Sie wieder mit geschlossenen Augen. Welche Geräusche nehmen Sie wahr? Vielleicht das Summen eines Aufzugschachtes, das Rauschen einer Lüftung, das Klacken Ihrer Saunasteuerung, das Zirpen einer Leuchtstoffröhre, das Gluckern eines Ablaufes, das regelmäßige Aufkochen des Teekochers im Thekenbereich oder das Gluckern in Ihren Heizungskörpern.

Verwenden Sie geeignete Symbole und zeichnen Sie diese in Ihrem Grundriss ein. Markieren Sie nicht nur den Ort der Entstehung des Geräusches sondern tragen Sie auch die Frequenz (Tonhöhe) des Geräusches und die Intensität (Lautstärke) ein. Sie benötigen hierfür nicht unbedingt geeignete Messinstrumente – das subjektive Empfinden liegt oft sehr nah an den Messergebnissen, insbesondere was die Bewertung der Störintensität – die Sie zusätzlich festhalten können – angeht. Dabei gilt auch: Vier Ohren hören mehr als zwei. Lassen Sie Mitarbeitende den gleichen Test durchführen. Fertigen Sie geeignete Fragebögen für Ihre Gäste an und fragen Sie gezielt die empfundene Geräuschkulisse und – falls ein Audio-System vorhanden ist – die Zufriedenheit mit der Beschallung ab. Beachten Sie, dass in Ecken tiefe Frequenzen verstärkt werden und pulsierende Geräusche eventuell als störender empfunden werden.

Selbstverständlich lässt sich unser Gehör trainieren und sensibilisieren – insbesondere was die Lokalisierung des Geräusches angeht. Dabei gilt: Hohe Frequenzen lassen sich besser lokalisieren als tiefe.

Ihr Smartphone kann mithören

Zur Messung der Umgebungslautstärke können Sie geeignete Apps verwenden. Zur Messung der Frequenz gibt es ebenso geeignete Analysewerkzeuge für Ihr Smartphone – selbstverständlich ersetzen diese nicht professionelle Messvorrichtungen, liefern aber durchaus gute Ergebnisse. Zwei nützliche Tools zum Messen der Lautstärke (dB) auf einem Android Smartphone und zum Messen der Nachhallzeit auf einem iPhone werden hier exemplarisch aufgeführt. Noch mehr nützliche Akustikhelfer zur Erzeugung von Tönen und/oder Rauschen und Messung von Frequenzspektren, Lautstärke und Nachhallzeit für Ihr Smartphone, stellen wir Ihnen auf unserer Facebookseite vor und freuen uns natürlich auf Fragen und Feedback.

Lautstärkemessung mit dem Sound Meter auf einem Android Smartphone

Lärmmessung – Sound Meter

Kosten: Gratis

Daniel Lathan ist Geschäftsführer der sonami AG. Er hat für uns sämtliche auf dem Markt vorhandene Apps im Bereich Akustik getestet. Im Hintergrund ein neues Produkt der sonami AG, das Lathan im nächsten Artikel vorstellen wird. Ein Akustikabsorber, der auch als Lichtelement eingesetzt werden kann (c) Foto: sonami AG

Daniel Lathan, Geschäftsführer sonami AG, hat  auf dem Markt vorhandene Apps im Bereich Akustik getestet (c) Foto: sonami AG

Sound Meter misst mittels Schalldruckmessung und Ihrem eingebauten Mikrofon die Lautstärke in Dezibel (dB). Dabei werden auch Vergleichswerte angezeigt, die es Ihnen ermöglichen das Messergebnis besser einzuordnen.

Die meisten Mikrofone von gängigen Smartphones sind für die menschliche Stimme (300 – 3400 Hz, 40 – 60 dB) ausgelegt. Also sind die maximalen Werte hardwareseitig begrenzt. Einige Modelle wurden mit echten Schallpegelmessern kalibriert.

Für 0,80 EUR können Sie Sound Meter Pro erwerben. Die Pro-Version verfügt über mehr Funktionen (Langzeit-Messung) und ist für weitere Smartphones kalibriert.

Nachhallzeitmessung mit dem RevMeter Pro auf einem iPhone

RevMeter Pro

Kosten: 2,69 EUR

Die Halligkeit eines Raumes ist seine auffälligste akustische Eigenschaft, sie wird gemessen in der Nachhallzeit. Beeinflusst wird die Nachhallzeit durch die Frequenzen der wiedergegebenen Töne, da Raumelemente wie Teppiche und Textilien sowie Wände, Decken und Böden aus Stein, Beton oder Holz die verschiedenen Frequenzen unterschiedlich stark beeinflussen. Für eine angenehme Raumakustik sollte die Nachhallzeit möglichst kurz sein.

Glatte Flächen, wie sich parallel gegenüberliegende Wände, Parkettboden oder eine Betondecke sind ungünstige Vorbedingungen.

Um selbst eine Messung durchführen zu können, benötigen Sie eine Knallquelle zur Anregung des Raums. Hier eignen sich Schreckschusspistolen oder Ballons. Alternativ kann der Raum auch durch weißes oder rosa Rauschen, das durch einen Lautsprecher abgestrahlt wird angeregt werden. Nachdem das Rauschsignal abrupt beendet wird beginnt die Messung der Nachhallzeit.

Ein Händeklatschen ist für das Messen keine optimale Knallquelle, da es sich nur schwer in der gleichen Lautstärke und Frequenz reproduzieren lässt. Um einen Raum ohne Messgerät zu testen oder um die ersten Erfahrungen mit der App zu machen, ist das Klatschen in die Hände geeignet.

RevMeter Pro unterstützt sowohl die Messung mit Impulsen als auch die mit Rauschen. Weil jedoch der Dynamikbereich des iPhone-Mikrofons mit 30 dB – 100 dB nicht für eine RT60 Messung ausreicht, unterstützt die App nur die Verfahren RT20 und RT30. Geeignete externe Mikrofone können dabei die Messgenauigkeit verbessern. Nach der Messung können die Messergebnisse mittels E-Mail versandt werden. Es ist auch möglich Screenshots der Auswertung im iPhoto-Album Ihres iPhones abzuspeichern.

Messergebnis mit der RevMeter Pro App für iPhone (c) Foto: SchoSoft 2013

Messergebnis mit der RevMeter Pro App für iPhone (c) Foto: SchoSoft 2013

Mehr Informationen zur Vorgehensweise und nützliche Tipps zum messen und auswerten mit RevMeter Pro erfahren Sie hier: http://www.sonami.de/akustik-lexikon/apps/iphone/

Über Geschmack lässt sich streiten – über Raumakustik nicht

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Faszinierend ist, dass viele der festen Überzeugung sind, dass ein Raum aufgrund seiner optischen Planung Ruhe ausstrahlt. Natürlich spielen Architektur und Raumausstattung eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Aber Ruhe hat – und das drückt das Wort aus – in erster Linie etwas mit dem Hören zu tun. Im gestalterischen Bereich sprechen wir zwar oft von Ruhe, meinen aber Ordnung. Wie sieht es mit Ihrer akustischen Ordnung – der Ruhe aus? In einem akustisch ruhigen Raum kann man auch „zur Ruhe kommen“.

Oder auf den Punkt gebracht: Nur weil man einen kalten, halligen Raum kleiner macht indem man ihn in trendigem Kaffee-Mokka-Okker-Braun streicht wird dieser nicht ruhiger. Der erste optische Eindruck vermittelt sicherlich dieses Gefühl. Aber das Auge schätzt und das Ohr misst. Sehr schnell fühlen wir uns eben trotzdem unwohl.

Wie man einen Raum akustisch ruhig konzipiert oder diesen im Nachhinein optimiert, lesen Sie im zweiten Teil.

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