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Wer schön sein will muss – nicht immer – leiden

In den letzten Jahren hatte ich weltweit mehr Spa-Besuche mit Spa-Behandlungen als ich jemals zählen oder an die ich mich alle erinnern kann. Ich habe mehr Zeit in Bademänteln als in Alltagskleidung verbracht und dabei viel erlebt: ich wurde mit Eiswürfel tiefgefroren, mit Gesichts-Maske gefüttert, geknetet und gezwickt, in Behandlungsräumen mir selbst überlassen und vergessen, mit nassen Handtüchern fast erstickt, mit kochendheissem Tee verbrüht, mit Pinzetten verunstaltet, bei Cellulite-Behandlungen geschlagen, so fest eingewickelt dass ich mir wie ein Pharao vorkam, im Marrokanischen Bad mit Luffa geschrubbt bis die oberste Hautschicht ab war, ich wurde bei Entspannungsbehandlungen vollgequasselt oder mit Pop-Musik berieselt. Die Liste ist lang und zum Teil sogar sehr amüsant! Wer schön sein will muss leiden?

Service Qualität ist niemals abhängig von Räumlichkeiten

Umso dankbarer bin ich dann auch für die wirklich tollen Erlebnisse und nachfolgender Bericht ist die Beschreibung eines ebensolchen:

Dieses Mal hat es mich ins Retreat Spa im Hotel Grosvenour House Dubai Marina verschlagen. Das Retreat ist das etwas ältere Spa des Hotels, weniger opulent als das aufwendigere B/Attitude Spa im gleichen Haus.

(c) Anja Eva Keller

Dubai Marina (c) Anja Eva Keller

Ich entschied mich für eine Balinesische Massage, ich liebe authentische Indonesische Körperbehandlungen, die für mich zu den besten der Welt zählen. Ohne Termin tauche ich also als Nicht-Hotel-Gast am Spa-Empfang auf, werde umgehend und diskret, ohne großen Aufwand eingecheckt und kann wahlweise meine Behandlung in 15 oder 30 Minuten beginnnen, abhängig davon ob ich noch schnell in eines der Wärmebäder eintauchen will.

Im Umkleidebereich steht mir eine junge Mitarbeiterin zur Verfügung, die mir hilft, meinen Spint aufzuschliessen, mir Bademantel und Badeschuhe reicht und natürlich behilflich ist, meine Kleider auf einen Bügel zu hängen und meinen Spint wieder zu verschließen. Sie erinnert mich auch daran, vor der Behandlung die Toilette aufzusuchen und begleitet mich dann in den Ruhebereich, wo sie mir ein Wasser anbietet und wo ich von meiner Therapeutin abgeholt werde.

Diese erscheint dann auch ca. 10 Minuten vor Behandlungsbeginn, bringt mir nochmals Wasser sowie Obst und stellt sich höflich mit Namen vor, nennen wir sie Kamila. Kamila ist eine zierliche und sehr hübsche junge Ägypterin, die hervorragendes Englisch spricht. Wir besprechen die Behandlung, mögliche medizinische Indikationen oder Allergien, sowie meinen Wunsch nach Duft des Massageöls, was sie alles auf einem Konsultationsblatt festhält.

Nachdem sie mir ausreichend Zeit gegeben hat meinen Imbiss zu mir zu nehmen, eskortiert sie mich zum Behandlungsraum mit Dusche und großen Tageslicht-Fenster. Der Raum ist nett vorbereitet, die Massageliege hübsch dekoriert.

Diskretion spielt eine entscheidende Rolle, dass der Gast sich wohlfühlen kann

(c) Anja Eva Keller

Grand Mosque (c) Anja Eva Keller

Zu diesem Zeitpunkt fühle ich mich bereits so wohl und entspannt, dass ich die Behandlung fast nicht mehr brauche…aber keinesfalls hätte missen wollen! Kamila ist eine hervorragende Therapeutin mit sehr guter Technik, sie ist zudem eine einfühlsame Gastgeberin, überaus höflich und allzeit um mein Wohlergehen besorgt. Nachfrage nach Temperatur, Massage-Druck, Musikwahl etc. sind selbstverständlich, ebenso Diskretion (Kamila bittet mich zu Beginn, meinen Bademantel abzulegen und mich auf die Liege zu legen und mit einem großzügigen Handtuch zuzudecken, während sie kurz den Raum verlässt um vor der Türe zu warten – anders als in einigen österreichischen 5* Hotel Spas, wo ich vor Behandlungen wiederholt splitternackt und frierend minutenlang dem Behandler gegenüber stehen musste…).

Ich genieße diese hervorragende Balinesische Massage sehr und bedauere den Moment, als Kamila ihre „finishing touches“ ausführt. Kamila bittet mich anschließend, noch einen Moment zu ruhen, während sie den Raum natürlich NICHT verlässt (ich frage mich schon seit Jahren, was Kosmetikerinnen eigentlich immer so dringendes zu erledigen haben, wenn sie z.B. eine Gesichtsbehandlung während einer Maske für bis zu 20 Minuten verlassen…). Sie hilft mir mich aufzusetzen, meinen Schmuck wieder anzulegen und verlässt den Raum wiederum nur um vor der Türe zu warten, bis ich diskret in meinen Bademantel geschlüpft bin.

(c) Anja Eva Keller

Grand Mosque (c) Anja Eva Keller

Ich werde zurück zum Ruheraum begleitet, wo Kamila mir Tee nach Wunsch und Kekse serviert und noch einige Minuten im Raum verbringt um sich zu vergewissern, dass ich nichts mehr benötige. In der Umkleide werde ich auf dem Rückweg wieder sehr gut betreut und beim unkomplizierten Check-Out werde ich sehr herzlich verabschiedet.

46 von 50 Punkten – jederzeit wieder!

Mein Fazit:

  • Service Qualität (gesamter Ablauf inklusive Check-In/Check-Out etc):
    10 von 10 Punkten
  • Räumlichkeiten: 9 von 10 Punkten (wobei ich zusätzlich anerkenne, dass der Gast die Auswahl hat das weitläufigere und noch exklusivere B/Attitude Spa im gleichen Haus aufzusuchen)
  • Behandlung: 10 von 10 Punkten
  • Produkt: 8 von 10 Punkten (ich hatte mir ein Orangen-Massage-Öl ausgesucht, welches dann jedoch während der Behandlung zu dezent roch, von der Konsistenz allerdings sehr angenehm auf der Haut war und gut einzog)
  • Preis-Leistung: 9 von 10 (umgerechnet ca 100 Euro für 75 Minuten Behandlung – wobei ich davor und danach noch jeweils 5 bis 10 Minuten persönlich betreut wurde – liegen eher im oberen Preis-Segment und sind für die Qualität angebracht. Gleichwertige Behandlungen von Mitbewerbern können in der näheren Umgebung gefunden werden)

Alles in allem: ein schönes Spa-Erlebnis bei dem für mich alles gepasst hat! Der angebotene Service hat meine Erwartungen getroffen, ich würde dort jederzeit wieder eine Behandlung buchen!