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Mehr Selbstbewusstsein für Spas in Europa

Jedes Jahr auf Neue werden Branchen-Trends definiert – von anerkannten Experten, manchmal auch von selbsternannten Gurus. Warum nur schielen wir so oft nach USA und Asien? Europa hat eine lange Badetradition, und die Wellnesshotellerie im deutschsprachigen Raum darf sehr stolz auf die Entwicklung der letzten 20 Jahre sein.

Bernstein Paar Strandkorb Sunset (c) Foto: Strandhotel Ostseeblick

Bernstein Paar Strandkorb Sunset (c) Foto: Strandhotel Ostseeblick

Wellness ist und bleibt ein Megatrend. Nimmt man allerdings die vom  Spa-Finder erstellte Hitliste unter die Lupe, stellt man fest, dass manche Trends sehr US- bzw. Metropolenspezifisch orientiert sind, wie beispielsweise Botox-Spritzen in der Mittagspause, neuerdings offensichtlich auch vom männlichen Geschlecht sehr gefragt. Die Sehnsucht nach mehr Natur und dem Erlebnis, einige Tage nur barfuß zu laufen, kann man sich in den Schluchten von New York, Shanghai oder Tokyo gut vorstellen.

Gleiches gilt für den gesellschaftlichen Zwang, besondere Labels bei der Auswahl des Fitness-Studios zu bevorzugen. Den Einzug von Gentechnik in unsere europäischen Spas wollen wir mal ganz weit schieben. Und manchmal liegen die US-Trendscouts auch voll daneben, wie Susie Ellis ganz offen zu gibt. Dies war zum Beispiel bei den Salz-Räumen und Salz-Höhlen der Fall. Sie konnten ihre potentiellen Kunden weder vom Anwendungserlebnis noch vom Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen, und so mancher hat schneller wieder geschlossen als eröffnet.

Neue Trends – alter Hut?

Ein kritischer Blick auf den Vergleich der Spa-Trends 2011 und 2013 macht aber auch deutlich, dass viele Dinge im gesamten deutschsprachigen Raum bereits gelebt werden. Dies gilt insbesondere für die Präferenz für regionale Produkte ganz nach dem Motto: „Wer weiter denkt, kauft näher ein!“ – vom Bodensee-Apfel auf dem Frühstücksbuffet bis hin zum Einkauf der Lebensmittel bei lokalen Produzenten.

Tabelle Wellnesstrends 2011 und 2013 - Bedeutung für Europa (c) Foto: Gastwirt

Tabelle SpaFinder Wellness Trends 2011 und 2013 – Bedeutung für Europa (c) Foto: Gastwirt

Zahlreiche Projekte bezeugen in vorbildlicher Weise, wie sich durch eine gezielte Vernetzung von Landwirtschaft, Lebensmittelgewerbe und Tourismus regionale Produkte nicht nur verwertet werden, sondern Potential für Schwerpunktthemen in Kulinarik und im Spa bieten. Gleichzeitig bietet sich hier die Chance, sich von den Mitbewerbern mit regional authentischen Spa-Konzepten abzuheben, wie die Originale Allgäuer Milchwell im Hotel Tanneck und Meerness im Usedomer Strandhotel Ostseeblick.

Auch traditionelle regionale Heilmittel, wie Moor oder Rügener Heilkreide, werden oft zu Unrecht als altmodisch eingestuft, obwohl ihre gesundheitsfördernde Wirkung unbestritten ist.

Dies gilt auch für die in der Antike fußende Badekultur. Bereits im 16. Jahrhundert gewannen in Deutschland Bad Kissingen, Bad Ems, Bad Schwalbach und Wiesbaden an Bedeutung, in Österreich das Gasteiner Wildbad, Leuk in der Schweiz und Spa in Belgien. 300 Jahre später – im 19. Jahrhundert kam der Aufschwung im böhmischen „Bäderdreieck“ mit Karlsbad, Franzensbad und Marienbad, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte. Die böhmischen Kurorte gehörten zu den ersten, die damals Moorbäder einführten. Kaum vorstellbar: Um 1900 galt Wiesbaden als „Weltbad“ mit jährlich rund 136.000 Besuchern, gefolgt von Baden-Baden mit circa 72.000 Gästen. Heute trauern viele Kurorte den Hochzeiten der Badekuren nach – dennoch dürfen sie stolz auf ihre wirksamen Quellen und Heilmittel sein. Neu interpretiert, haben sie durchaus Hitpotential in der Gunst der Gäste.

Weitere Selbstverständlichkeiten wie eine Focusierung auf die Wirksamkeit von Anwendungen und die Integration behinderter Gäste brauchen wir an dieser Stelle wohl gar nicht diskutieren. Den ausführlichen Trend Report finden Sie unter www.spafinder.com.

Wellness goes Budget

Ein Trend aus den USA versucht gerade in Deutschland Fuß zu fassen: Gesundheitsorientierte Hotels im Budget-Style. Wenige Tage vor Ostern hat das Pilotprojekt der A-Ja-Hotels in Warnemünde die Pforten geöffnet. Mit der neuen Marke will der Erfinder von AIDA und A-Rosa, Horst Rahe in Zukunft eine neue Zielgruppe erschließen. „Genau wie ein teures Hotel, aber günstig“ lautet der Slogan. Der Unternehmer ist nicht grundlos optimistisch: Jetzt im Mai ist das Haus mit den 420 Betten bereits ausgebucht, sagt er. „Ich bin sicher, dass wir im ersten Jahr weit über 80 Prozent Belegung haben werden.“

Achtsamkeit

Vielen Menschen schwirrt pausenlos Alltagsstress durch den Kopf. Mit ein paar einfachen Übungen lässt sich die Hektik der Gedanken jedoch dämpfen. Diese im Urlaub zu erlernen – ein interessanter Ansatz für die Hotellerie, wie er bereits in einigen Häusern gelebt wird. Wer um die Kunst weiß, den Moment zu genießen, wird schließlich auch den Aufenthalt noch mehr schätzen und wiederkommen. Manchmal lässt sich in dieser Richtung sogar aus der Not eine Tugend machen, in dem man zum Beispiel in den Bergen mit „garantiert schlechtem Handy-Empfang“ wirbt.

Banner Teaser (c) Foto: AHGZ Wellness Gipfel

Banner Teaser (c) Foto: AHGZ Wellness Gipfel

Mehr zu Trends und Entwicklungen im Spa- und Wellnessmarkt und regional authentischen Spa-Konzepten erfahren Sie beim 3. AHGZ Wellness-Gipfel, der am 21./22. Oktober 2013 im Althoff Grandhotel Schloss Bensberg stattfinden wird. Unter den Referenten finden sich einige, die mit ihren Betrieben selbst zu Trendsettern wurden. Das ausführliche Programm finden Sie in Kürze online unter Wellness-Gipfel 2013.