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Wannenwonnen – das Wannenbad in modernen Spa-Einrichtungen

Es ist fast 30 Jahre her, da boomte in Heilbädern das medizinische Wannenbad nebst der Massagetherapie als Highlight. Täglich wurden in mittelgroßen Bädereinrichtungen im Rahmen der Kuren bis zu fünfzig Wannenbäder abgegeben. Die Kurgäste mochten diesen Teil der ärztlichen Verordnung sehr. Zwischen einfachen Trennwänden plätscherte und blubberte es im sterilen Keller der Einrichtung ausgiebig. Service beschränkte sich auf Säubern der Wannen, Ein- und Aussteigehilfe und das Sichern des Badevorgangs.

Rückblickend beherrschten diese Faktoren die Badekur des letzten Jahrhunderts. Da die Verordnung von Bäderkuren der Gesundheitsreform sukzessiv zum Opfer fiel, bleibt nur eine leicht angestaubte charmante Erinnerung an das „Kellerbad“, gepaart allerdings mit wertvollem Wissen rund um die Themen der Balneologie und Hydrotherapie.

Die Badekultur der vergangenen Epoche bekommt ein neues Image

Mit dem Wandel vom pathogenetischen hin zum salutogenetischen Markt bedient die Balneologie und Hydrotherapie heute vorrangig die Themen des zweiten Gesundheitsmarktes. Immer konkreter formulieren Betreiber den Wunsch, das hauseigene Spa-Konzept professionell mit den traditionellen Anwendungsformen der Bäderkunde zu stärken. Feucht- und Nassräume erlangen einen neuen Stellenwert; dementsprechend sind Planer, Ausstatter und Therapeuten aufgerufen, die Themen anspruchsvoll und anforderungsspezifisch zu relaunchen.

Storytelling– das Wannenbad wird zum Erlebnis der Spitzenklasse stilisiert

Das Bad hat sich vom rein funktionellen Therapiebad zum modernen Lifestylebad gemausert. Der Spa-Gast von heute sucht neue Erlebnisräume mit Wasser, welche sich an seinen Bedürfnissen, Sehnsüchten und Wünschen orientieren. Moderne Bäder-Angebote sollten deshalb eine Art Gegenwelt zum Alltäglichen bieten, wobei alle Möglichkeiten der natürlichen Umgebung und der Infrastruktur oder auch spezielle Themen und Ausrichtungen zum Tragen kommen können.

Badezeremonien sollten Geschichten erzählen. Die alle Sinne bespielenden Inszenierungen finden ihren Schauplatz optimalerweise in hochwertig ausgestatteten multifunktionellen Private-Spa-Suiten, welche viel Raum für Rückzug und Privatsphäre gewährleisten. So könnte eine solche Story z.B. eine Reise durch den tropischen Regenwald sein:

Begonnen mit einer Erlebnisdusche, welche vom Eisregen bis zum lauwarmen Nieselregen, einschließlich verschiedener Farblicht-Elemente, alles bietet und unsere Haut wach und neugierig macht. Das anschließende Eintauchen in ein warmes Vollbad, welches vorzugsweise mit dezenten tropischen Essenzen angereichert ist, lässt uns dann entschweben in exotische Sphären. Sanfte Urwaldklänge im Hintergrund bieten unseren Ohren ein faszinierendes Klangerleben. Illuminierte Farbenspiele an Wänden und Decke verwöhnen unsere Augen. Unterstützt durch einen Badegehilfen entsteigen wir schließlich dem wohligen Nass und werden in duftend warmes Leinen gewickelt und gebettet. Unser Spa-Therapeut rundet die totale Entspannung mit sanften Pressuren und Knetungen über dem warmen Leinen ab. Eine abschließende Ganzkörperölung mit nicht fettenden Pflegeölen schenkt uns auch Stunden später noch leise Erinnerungen, während uns die Spa-Cuisine gustativ erobert. Und schon beim Gedanken daran ist es wieder da, dieses unbeschreibliche Wohlgefühl.

Baderituale werden erlebnisorientiert und einzigartig für alle Sinne gestaltet

Badezeremonien gilt es erlebnisorientiert und konsequent themabezogen zu kreieren. Im Trend liegen vor allem Family-Treatments mit Anklängen an den früher traditionellen Badetag der Familie. Es werden Erinnerungen geweckt an die eigene Kindheit oder von Großeltern und Eltern vermittelte Bilder. Hier könnte speziell in Familienhotels oder Bädereinrichtungen eine Message anknüpfen. Im Vordergrund steht dann vor allem das gemeinsame Erlebnis sowie das gegenseitige Verwöhnen und Berühren, welches wieder einen ganz neuen Stellenwert in der Familie bieten kann.

Weit im Vorfeld ist festzulegen, mit welcher Brand Message wir ein Baderitual inszenieren möchten. Dementsprechend gestalten sich Story, Setting, Service, Produktauswahl, Personalaufwand und Faktoren wie Raum und Zeitbelegung. Darauf aufbauend sind die wirtschaftlichen Aspekte sowie die Machbarkeit abzuleiten.

Grundsätzlich sollte der Nutzen eines Baderituals für den Gast klar definiert sein. Auf internationalem Spa-Therapie-Niveau teilt man grob ein in die Hauptmotive der Gäste, welche sich im Nutzen unterscheiden in gesundheitspflegend, körperpflegend, ästhetisch, erlebnisorientiert oder therapieorientiert.

Hochprofessionell ist im Segment der modernen Bäderkunde vor allem die Entwicklung von einzigartigen Baderitualen mit Signature-Brand – geschickt könnten eigene Seifen, Öle und Sude kombiniert werden mit beispielweise einer traditionellen Geschichte des Hauses oder dem Standort selbst. Spezielle Badeabläufe sowie Massagetechniken sichern eine starke Bindung zum Haus. Darüber hinaus bietet der Einsatz hauseigener Produkte und Badeutensilien bis hin zum speziell gewobenen Badeleinen erhebliches Cross-selling Potential.

So erhält die Wannenwonne, die sich in vergangenen Tagen aus der Exklusivität eines Ereignisses speiste, das mangels Technik und Ressourcen nicht jederzeit und für jeden zugänglich war, einen neunen und sehr exklusiven Sinn.