FachBlog

Nachhaltigkeit im Tourismus: Der Weg der 1.000 kleinen Schritte

Nachhaltigkeit? Was ist das? Ein inflationär genutzter Begriff, eine Worthülse oder doch ein Begriff mit Wert? Mit diesen Fragen haben sich die Teilnehmer und Referenten der 6. Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz im Pielachtal, unter dem Motto „Nachhaltigkeit in Wert gesetzt“, beschäftigt. Im Zuge dieser Konferenz wurden verschiedene Regionalentwicklungs-Konzepte vorgestellt, welche den Weg in eine hoffnungsvolle(re) Zukunft ebnen.

Aus der Not eine Tugend machen

Alle Destinationen, die ein Konzept zur Regionalentwicklung konzipiert und umgesetzt hatten, hatten eines gemeinsam: Sie standen kurz vor dem finanziellen Ruin. Dies zeichnete sich vor allem durch eine starke Abwanderung, einer hohen Arbeitslosenquote, Schließung öffentlicher Einrichtungen inklusiver Nahversorger und vielen weiteren Merkmalen aus. Um dieser Negativspirale entgegen zu wirken, erklärten sich Bürgermeister (beispielsweise von Krimml und Werfenweng) oder Geschäftsführer von Tourismusverbänden (Süd-Limburg, Bregenzer Wald) bereit, proaktiv eine Kurskorrektur vorzunehmen.

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht (Kafka) (c) Sandra Hartmann

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht (Kafka) (c) Sandra Hartmann

Stärken stärken, Schwächen schwächen

Bevor jedoch ein Konzept erarbeitet werden konnte, wurde eine eingehende Problemanalyse vorgenommen, um festzustellen, auf welchen Ursachen die vorherrschenden, negativen Entwicklungen basierten. Darauf aufbauend wurde der Status-quo ermittelt. Berücksichtigt wurden die Potenziale der jeweiligen Destination/Region.

Gemeinsam zum Ziel (c) Sandra Hartmann

Gemeinsam zum Ziel (c) Sandra Hartmann

Anhand der Problem- und Potenzialanalyse wurden Ziele definiert und ein Konzept entwickelt, mit dessen Hilfe dem Negativtrend entgegen gewirkt werden konnte. Dies erfolgte stets unter Einbeziehung der Einheimischen mit der Möglichkeit zur Partizipation. Der Erfolg regionaler Entwicklungsprojekte kann nur dann gesichert werden, wenn alle Stakeholder, die geplanten Vorhaben dieser Art gutheißen – und dazu zählt insbesondere auch die ortsansässige Bevölkerung.

Nach-, Vor- und Querdenken

Die Ergebnisse der Anstrengungen der Bürgermeister und Geschäftsführer der Tourismusverbände können sich sehen lassen. Beispielsweise entwickelte sich Werfenweng zu einem Vorreiter umweltfreundlicher Rundum-Mobilität und Krimml erreichte durch die Neuausrichtung des Ortes ein klares Profil einer gesundheitstouristischen Region.

Mag. Erich Czerny, Bürgermeister Gemeinde Krimml (c) Foto: Gemeinde Krimml

Mag. Erich Czerny, Bürgermeister Gemeinde Krimml (c) Foto: Gemeinde Krimml

Am Beispiel Krimml war das Erfolgskriterium zur Rettung des Ortes die Heilwirkung der Krimmler Wasserfälle. Die gesundheitsfördernden Effekte der Wasserfälle waren bereits seit Jahrhunderten bekannt, doch konnten diese erst vor wenigen Jahren wissenschaftlich nachgewiesen werden. Basierend auf diesem Wissen wurden klimatherapeutische Angebote für Allergiker und Asthmatiker ausgearbeitet.

Patentrezept für nachhaltige Regionalentwicklung – eher nicht!

Ein allgemeingültiges Rezept für die Gestaltung eines nachhaltigen Regionalentwicklungskonzepts gibt es leider noch nicht. Jedoch, so waren sich die Vortragenden einig, braucht es neben Mut zur Umsetzung, einen langen Atem, viel Zeit und den Rückhalt der einheimischen Bevölkerung. Wünschenswert wäre, wenn auch andere diesen Best-Practice Beispielen folgen und somit ein zukunftsfähiges Miteinander ermöglichen.

Weiterführende Links: