FachBlog

Über Werbung und Werbeversprechen in der Beauty- und Kosmetikbranche

„Von 100 Frauen getestet und von 98 % davon für sensationell wirkungsvoll empfunden“, „Durch unser neues „new day 7 a` clock-radicale-rapid-complex-high-protein-emergency-formular“ reduzieren sich Ihre Gesichtsfalten um 90 %“. Zugegeben, diese Headlines sind meine freien Erfindungen und übertrieben – die einzelnen Begriffe nicht, die gibt es wirklich.

Sind kritische Fragen zu Werbeversprechungen erlaubt? Und sollte nicht auch einmal über die „offensive“ Werbestrategie der Kosmetikbranche, zunehmend (leider) auch der stark wachsenden Naturkosmetikbranche, kritisch und offen gesprochen werden?

Versprechen und Realität in der Werbung © Daniel Ernst - Fotolia.com

Versprechen und Realität in der Werbung © Daniel Ernst – Fotolia.com

Die Macht der Werbeversprechungen

Warum gibt es Menschen mit Falten, wenn doch im heutigen Jugendlich-bleiben-Schönheitswahn Cremes erfunden werden, die „bestehende Gesichtsfalten“ um bis zu 70% reduzieren? Warum gibt es übergewichtige Menschen, wenn es doch „BB-Slimcremes“ mit Abnahmegarantie innerhalb eines Monats, natürlich nur „bei regelmäßiger Anwendung“, gibt?

Ich verstehe ja, dass ein Hersteller seine Produkte erfolgreich verkaufen möchte, und dass der Konsument auch einen Mehrwert in einem Produkt sehen muss, damit er es überhaupt kauft und somit wertschätzt. Das ist Marktwirtschaft. Aber ich habe auch die Befürchtung, dass je größer die Versprechen für oder hinter einem Produkt sind, desto weniger leistet das Produkt tatsächlich. Oder positiv formuliert: Ein gutes Produkt ohne Versprechen spricht für sich.

Fragt man einen Werbeprofi dazu, erklärt der einem ausführlich und ja durchaus nachvollziehbar, dass Menschen eben verführt werden wollen und auch gerne Illusionen kaufen.

Gedanken zu Werbeversprechungen in der Kosmetikbranche

Dieser Beitrag soll weder zur Weltverbesserung beisteuern, noch moralisieren oder gar eine ganze Industrie belehren. Mir geht es lediglich darum, neue und andere Wege aufzuzeigen, um Produkte „ehrlich“ (aber sicherlich nicht naiv) und doch erfolgreich zu positionieren. Gerade die Kosmetikindustrie hat m.e. ein gutes Potential, dem Kunden andere als unrealistische Wirkungsversprechen, sondern wahre und realistische Produktversprechen abzugeben.

Die Sinnlichkeit (Menschen können Kosmetikprodukte sehen, riechen fühlen, und Naturkosmetik sogar schmecken) und die Notwendigkeit, dass ein Mensch auf Körperpflege wert legt und somit die Natürlichkeit der Rohstoffe in den letzten Jahren wieder eine größere Rolle spielt, sind eine gute Ausgangslage für eine neue Betrachtung der wirklichen Bedürfnisse dieser Kundenzielgruppe.

Weniger ist mehr

„Weniger ist mehr“ und „Reduktion auf das Wesentliche“ sind dabei zentrale Elemente.
Ob dies aber von den meisten Marktteilnehmern aufgrund des großen Verdrängungswettbewerbs, den gesättigten Märkten, den Wachstumszwängen der Firmen und der komfortablen Ausgangssituation der Gesamtbranche überhaupt gewollt ist, ist fraglich.

Bleibt zu hoffen, dass sich in diesen überwiegend oligopolistischen Märkten trotz Werbe- und Finanzmacht eines bewahrheitet: „Qualität setzt sich durch“.

Zum Vergleich aus WIKIPEDIA:

Versprechen als Zusage bzw. Absichtserklärung

Das Versprechen ist eine einseitige Zusage über eine zukünftige Handlung oder ein zukünftiges Ereignis. Es findet zwischen zwei oder mehr Personen statt, bei denen (mindestens) eine das Versprechen abgibt, das an die andere oder die anderen gerichtet ist. Versprechen sind, da sie auf zukünftige Handlungen gerichtet sind, niemals völlig sicher. Sie sind auch an das Vertrauensverhältnis und die Situation gebunden. Obwohl ein Versprechen oft nach einseitigem Vorteil aussieht, bieten Versprechen oft gegenseitige Vorteile. In vielen Kulturen wird das Brechen eines Versprechens als unehrenhaft angesehen. Man kann etwas versprechen, ohne es halten zu können, im Glauben, es halten zu können.