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Pro fit vs. Profit? Ware Wellness oder wahres Wellness?

Wellness – mit diesem Schlagwort lässt sich heute gutes Geld verdienen. Schließlich kann jeder ein kleines Verwöhnprogramm gut gebrauchen. Der Alltag ist hektisch, da kommt eine Entspannungsmassage, ein Wellnesswochenende oder ein Aufenthalt in einem Day-Spa ab und an gerade recht. Doch wie gelingt es, wirklich Wellness zu verkaufen und nicht sich selbst?

Indem man kein Produkt, kein Angebot verkauft, sondern Persönlichkeit, Authenzität und die richtige Einstellung zum Kunden!

Wellness klingt gut und lässt alle ins Träumen geraten. Doch manch ein Gast muss nach dem „Aufwachen“ feststellen, dass er oder sie doch nicht ganz das erlebt und bekommen hat, was suggeriert wurde. Denn Wellness ist zwar ein wohlklingendes Wort – aber was steckt eigentlich genau dahinter?

Darf sich ein Nagelstudio bereits als Wellnessoase bezeichnen, nur weil im Hintergrund Meditationsmusik läuft? Ist ein Landhotel mit kleinem Indoorpool wirklich berechtigt, als „Spa-Hotel“ für sich zu werben? Und wo bleibt eigentlich das Wellnessgefühl, wenn im Prospekt eine Beautyfarm aufgeführt wird, die dann aber leider „aus technischen Gründen“ oder weil die Saison angeblich gerade vorbei ist, den ganzen Urlaub über geschlossen hat? Dann dürfte eher Wut als Wellness angesagt sein.

Wellness hat viele Gesichter, ist aber nur dann wertvoll und nachhaltig, wenn es ehrlich – nicht Mittel zum Zweck ist.

Der Begriff „Wellness“ ist nicht genau definiert. Jeder darf deshalb genau das darunter verstehen, was er verstehen möchte oder was eben gut fürs Geschäft ist. Es gibt keine verbindlich festgeschriebenen Standards für Wellness. Nicht selten ist der Gast der Dumme, der sich aufgrund völlig falscher Vorstellungen für ein bestimmtes Haus entschieden hat und dann bitter enttäuscht wird.

Gehen wir dem Wort einmal auf den Grund. Wer im Englischen „well“ ist, dem geht es gut. Mehr noch, „well“ bedeutet auch, tatsächlich gesund zu sein. „Wellness“ sollte deshalb immer auch etwas mit der Pflege der Gesundheit zu tun haben und nicht etwa nur mit der Pflege der Schönheit.

Wellness als Wohlgefühl (c) Foto: Ulrich Nottroth miniverse.de

Wellness als Wohlgefühl (c) Foto: Ulrich Nottrodt miniverse.de

Selbst wenn Behandlungen angeboten werden, die unter dieses Verständnis von Wellness fallen, ist nicht immer alles Gold, was glänzt. Bäder und Massagen können tatsächlich viel Positives für Körper und Geist bewegen. Sie müssen dafür dann aber auch fachkundig und mit den entsprechenden Produkten ausgeführt werden. Diese Kompetenz ist leider nicht überall vorhanden – weil sie mit Investitionen und Geld verbunden sind. Qualität hat seinen Preis, ethisch und finanziell – und einen langen Entwicklungsweg. Eine Massage ist eine Massage, ist eine Massage? Von wegen!

Vielleicht wünscht sich an dieser Stelle so mancher konkrete Tipps oder Beispiele, wie ein ethischer Weg funktionieren könnte. Entschuldigt – weil ich jemand bin, mit dem gerne einmal der Provokations-Avantgardismus durchgeht, führe ich nur ein paar meiner Gedanken auf … die natürlich gerne erweitert werden dürfen:

Ethische Wellnessaspekte:

  • Tierversuchsfreie Kosmetik bzw. Produkte verwenden
  • Keine Bewertungen kaufen oder selber erstellen
  • Authentisches Interesse am Gast
  • Aspekte vom sanften Tourismus berücksichtigen
  • Soziale, loyale und faire Arbeitsbedingungen schaffen
  • Achtung und Respekt gegenüber Land, Menschen und Bedingungen von Ländern wie Bali, Malediven … und die „Haltung“ der Angestellten.
  • Abfallreduzierung
  • Ausbildungsinvestitionen

Wer Wellness anbietet, sollte es aus Überzeugung tun, nicht, um mit einem schönen Wort, nach „leichtem“ Geld angeln zu wollen.