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Wenn Weihnachten die Stimmung knistert und es nicht von den Kerzen kommt

Gehören Sie auch zu den Menschen die Weihnachten mit Konflikten verbinden? Überreizte Menschen überall – in den Geschäften und am Arbeitsplatz. Manchmal hat es den Anschein, als dass die „Apokalypse“ in wenigen Tagen vor der Tür stünde und es nach dem 24. Dezember keine Lebensmittel mehr gäbe.

Die Menschen ziehen wie hungrige „Raubtiere“ durch die überfüllten Geschäfte: Sie befinden sich auf einem Beutezug nach dem letzten Objekt ihrer Begierde, das es noch vor dem 24. Dezember zu ergattern gibt o.ä.

Das „Christkindl“ wird zur Nervenprobe

Das gilt für viele Paare und nicht selten für eine ganze Familie. An diesem Abend kommen sie wieder alle zusammen um gemeinsam zu feiern – ganz gleich ob es unterm Jahr Probleme und Konflikte gab, die bis zu diesem Tag „erfolgreich“ unter den Tisch gekehrt wurden. Selbsterfüllende Prophezeiungen werden bereits im Vorfeld durch „innere Streit-Dialoge“ durchgespielt und schon fliegt er – es –  wieder!

Wer? Nein – nicht das „Christkindl“ – sondern der rosarote Elefant der während der Anreise zum Ort des Geschehens – das Wohnzimmer in dem der Christbaum steht – immer größer und mächtiger geworden ist. Die Stimmung knistert – doch das Knistern kommt nicht von den Kerzen am Christbaum – sondern von den ungelösten Konflikten – den „vorprogrammiertem“ Zündstoff der alle Jahre wieder aufs Neue entfacht.

Warum streiten für die Beziehung wichtig ist

Sich zu streiten heißt, dass mir mein Gegenüber wichtig ist und ich im Grunde an ihm interessiert bin. Gleichgültigkeit ist ein Gegner der sich kaum „besiegen“ lässt. Der gesunde gewitterwolkenreinigende Streit hingegen ist ein Zeichen dafür, dass es mir mein Partner „wert ist“ mich mit ihm auseinander zu setzen. Doch aufgepasst: Beim Streiten macht nach wie vor der Ton die Musik!

Was ist schlimmer für die Beteiligten in einem Konflikt – das ausgesprochene oder das unterlassene Wort? Auch wenn Streit für viele Menschen bedrohlich ist und sie alles tun, um ihn zu vermeiden: Streit hat auch seine positiven Seiten. Das Entscheidende ist der wertschätzende Umgang miteinander.

In der Ehe ist der gelegentliche Streit sehr nützlich: Dadurch erfährt man etwas voneinander.

Johann Wolfgang von Goethe

Wenn gestritten wird, dann so, dass nach dem Abebben des „Vulkanausbruchs“ eine gemeinsame Versöhnung möglich ist. Achten Sie darauf, welcher Streittyp Sie und Ihr Partner sind. Würden Sie am liebsten schreiend das „Hochzeitsgeschirr“ hinterherwerfen und Ihr Partner ergreift bereits im Vorfeld die Flucht weil er am liebsten gar nicht spricht – also den Konflikt meidet?

Wenn sich zwei völlig unterschiedliche Streittypen in einer Beziehung befinden, dann gestaltet sich die Sache natürlich nicht unbedingt leichter. Überlegen Sie in „friedlichen Zeiten“ wie Sie im Falle eines Konfliktes idealerweise miteinander umgehen sollten, damit keine dauerhaften Verletzungen entstehen. Fragen Sie Ihren Partner, wie es ihm am leichtesten fällt einen gemeinsamen Streit beizulegen. Legen Sie sich Ihre persönliche gemeinsame Streitkultur zurecht.

Was braucht es noch um wertschätzend miteinander streiten zu können?

Ein Indiz für eine intakte Beziehung ist, dass um die „Sache“ selbst gestritten wird. Es ist völlig normal verschiedene Blickwinkel und Ansichten zu vertreten. Das Besondere dabei ist, dass dennoch ein gemeinsames Interesse bestehen kann.

Verletzungen die schwer zu vergessen sind, entstehen dann, wenn in der Hitze des Gefechtes Beschuldigungen ausgesprochen werden. Der Beschuldigte beginnt sich automatisch zu verteidigen – zu mauern. Die Fronten beginnen sich zu verhärten und ein versöhnendes Aufeinanderzugehen wird immer schwieriger.

Tipps für eine wertschätzende Streitkultur:

  1. Sprechen Sie das was Sie stört in Form einer Ich-Botschaft aus, kombiniert mit einem Wunsch: „Ich wünsche mir, dass Du meine Leistung honorierst!“ statt „Ganz egal was ich tue, es ist nie genug was ich mache – nie sagst Du was!“
  2. Lassen Sie stets Ihr Gegenüber ausreden.
  3. Beziehen Sie sich auf das Ereignis – den Auslöser des Konfliktes – so zeitnah als möglich, nicht erst Wochen danach, wo plötzlich „alles“ auf den Tisch gelegt wird.
  4. Vermeiden Sie Verallgemeinerungen wie: „immer, nie, es ist immer das Gleiche,…“
  5. Bleiben Sie wertschätzend dem Partner gegenüber.
  6. Streiten Sie in einem Umfeld, dass es Ihnen ermöglicht das Gesicht zu wahren, d.h. nicht vor der versammelten Familie, dadurch vermeiden Sie (unverzeihliche) Bloßstellungen.
  7. Die Frage nach dem „Warum?“ ist tabu, da sie zu Rechtfertigungssituationen führt.
  8. Wenden Sie die goldene Frage an um zu erfahren, was sich Ihr Partner wünscht: „Was würdest Du im Moment brauchen, damit wir unseren Konflikt lösen können?“.
  9. Legen Sie in friedlichen Zeiten fest, wie Sie miteinander streiten „möchten“.