FachBlog

Schneller, schöner, schlanker: Selbstoptimierung als neuer Lebensstil?

Anfang des Jahres noch ein Nischenthema, ist die Selbstoptimierung (auch Self Design genannt) inzwischen unübersehbar geworden: Kaum eine Zeitung oder ein Magazin, das in den letzten Wochen nicht über den Trend berichtet hat. Im Fokus stehen dabei u.a. Fitness-Armbänder, die neben der Aktivität auch die Nahrungsaufnahme und den Schlaf dokumentieren. Die so erhobenen Daten sollen den Trägern helfen, gesünder zu leben und ihren Lebensstil zu optimieren.

Selbstoptimierung mit technischen Hilfsmitteln © Wibke Leder

Selbstoptimierung mit technischen Hilfsmitteln © Wibke Leder

Eine in der Tat faszinierende Vorstellung, wie ich finde. Um in diese Welt zu schnuppern, habe ich eine App auf mein Smartphone geladen und damit begonnen, meine Schritte zählen zu lassen. Ich bin nicht sportlich, bewege mich aber im Alltag recht viel. Umso überraschter war ich, dass ich es an einem normalen Tag gerade einmal auf die Hälfte der empfohlenen 10.000 Schritte schaffe. Das ärgerte mich. Und so hat die App meinen Ehrgeiz angespornt, mehr Schritte zu sammeln.

Selbstoptimierung bis zur Selbstaufgabe

Es kann also durchaus positiv gewertet werden, wenn technische Hilfsmittel wie Smartphone-Apps, Armbänder und Co. zu mehr Bewegung führen oder dazu, über die eigenen Lebensgewohnheiten nachzudenken. Für viele Selbstoptimierer fängt an dieser Stelle die eigentliche Aufgabe aber erst an. Sie feilen unablässig an sich selbst und stellen sich im Beruf genauso wie in der Freizeit unter den Druck, immer noch besser und effizienter zu werden. Wirkliche Auszeiten gibt es nicht mehr. Das gipfelt in dem Paradoxon, dass selbst Meditationen oder Entspannungsübungen möglichst schnell und effizient durchgeführt werden sollen.

Herausforderungen für die Wellness-Branche

Immer noch schöner, jugendlicher, leistungsfähiger: Mit diesem Anspruch der Gäste sehen sich auch Wellnesshotels und Spas konfrontiert. Also einfach auf den Zug der Selbstoptimierung aufspringen? Auf den ersten Blick könnte dies ein Ansatzpunkt sein, aber letztendlich würde davon vor allem die Optimierungsindustrie profitieren. Vielmehr kann die Stärke der Branche darin liegen, sich auf ihre Wurzeln zu besinnen, Körper, Geist und Seele als Einheit zu betrachten.

Achtsam den Augenblick wahrnehmen  © Hotel Heinz - Dominik Ketz

Achtsam den Augenblick wahrnehmen © Hotel Heinz – Dominik Ketz

Auch Wellness als ein solcher Lebensstil beinhaltet das Streben nach persönlicher Exzellenz. Wer in diesem Sinne handelt, übernimmt selbstbestimmt Verantwortung für sich und sein Leben: Er baut seine Grundfitness auf und aus, erwirbt Kenntnisse über eine ausgewogene Ernährung, genauso wie die Fähigkeit zu nachhaltiger Entspannung und zur Steigerung der Lebensfreude. Ziel dieses Lebensstils ist jedoch nicht die Optimierung des eigenen Körpers und der persönlichen Fähigkeiten, sondern ein achtsamer Umgang mit sich selbst.

Achtsamkeit als Schlüssel

Die Selbstoptimierung unterstützt eine Tendenz, überall gleichzeitig zu sein, nur nicht bei sich selbst. Beim Joggen haben wir nur Augen für die Zahlen auf unserer Pulsuhr oder wir planen im Kopf den nächsten Tag. Dabei hätten wir oft viel mehr davon, einfach auf unseren Körper zu hören und die Geräte sowie auch unseren Kopf einfach einmal abzuschalten. Aber sich achtsam ganz auf den gegenwärtigen Augenblick zu konzentrieren fällt vielen Menschen schwer. Wellnessangebote können dabei helfen. Sie können einen Weg aufzeigen zu einem nachhaltig gesunden Lebensstil als Ausgleich zum stressigen Alltag. Das ist gerade in Zeiten des Selbstoptimierungs-Trends die Aufgabe unserer Branche.

Weiterführende Links: