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Vom monotonen Designgefängnis zum individuellen Freiraum – Teil 2

Im ersten Teil meines Artikels ging es um die Zusammenhänge zwischen Kreativität und Entspannung. Heute möchte ich daran anknüpfen und näher auf die Umsetzung möglicher Raumkonzepte eingehen.

Kreativität kennt keine Zielgruppe

AQUAMENTAL SPA DEEPSEA © sonami AG

AQUAMENTAL SPA DEEPSEA © sonami AG

Räume, die eine individuell-harmonische Sinneswahrnehmung begünstigen, sind – was die Wahrnehmung angeht – nur schwer einer Zielgruppe zuzuordnen, da Sie unweigerlich auf neuen Erfahrungen basieren, die individuell – unabhängig von jeder Zielgruppe – verschieden wahrgenommen werden können.

Die Akzeptanz derartiger Raumkonzepte setzt eine gewisse Offenheit voraus, sich auf Neues einzulassen. Im Rahmen der diesjährigen Sonderschau Aquamental Spa der Messe Beauty 2014 in Düsseldorf, konnte dieser Effekt deutlich beobachtet werden.

Die sieben Raumkonzepte des AQUAMENTAL SPA

  • Deepsea
  • Columns
  • Flux
  • Torus
  • Circles
  • Swing und
  • Stonefly.

Neue Welten, die uns emotional vertraut sind

Inspiriert von der kaum erforschten Welt der Tiefsee, wurde mit Deepsea ein kubusförmiges Raumkonzept entwickelt, das an allen sechs Seiten aus mehreren, hintereinander angeordneten, transluzenten Wand-, Decken- und Bodenplatten besteht. Insgesamt 10.000 LED-Elemente werden bei einer Raumgröße von 3 x 3 x 3 Metern auf diesen Schichten angeordnet und können einzeln angesteuert werden.

Dreidimensional leuchtende Muster tauchen auf diese Weise langsam aus der Entfernung auf, verändern ihre Farbe, ziehen vorbei und verschwinden wieder im Nichts. Auf Basis einer speziellen Software werden mittels Schwingungserzeugern in den Wänden frei veränderbare, akustische Raummoden generiert. Der Raum wird zum Instrument und Klangkörper. So entsteht – gänzlich ohne Projektion von Tiefseebildern – das Gefühl „Tiefsee“. Die individuelle Programmierung erlaubt es, unterschiedlichste Atmosphären zu realisieren. So passt sich der Raum den Bedürfnissen der Gäste an wie ein Chamäleon an seine Umgebung.

Ziel ist es, ein Umfeld zu schaffen, das keine bekannten und somit interpretierbaren Raumerlebnisse z. B. in Form einer Simulation schafft. Wir betreten stattdessen eine vollkommen neue Welt, die uns aber dennoch emotional vertraut ist.

Erfahrungen mit dem „Deepsea Raum“ auf der Messe Beauty 2014

Sobald sich eine Person aktiv auf den Raum eingelassen hat, wurde auch eine entsprechende Wirkung festgestellt und die Verweildauer stieg enorm an, während Personen, die unter Stress und unter Zeitdruck standen, lediglich eine eigene Erklärung für den Raum schufen (das kenne ich – das ist wie ein Monitor) und weitergingen. Ein Beweis dafür, dass sich der Raum dem Menschen nicht aufdrängt?

Noch spannender war es zu beobachten, wie Kinder den Raum wahrgenommen haben. Binnen weniger Sekunden fielen Aussagen wie „Das ist Entspannung.“ Was die Bewertung kreativer Umfelder angeht, können wir den entsprechenden Spezialisten, also Kindern, nur wenig vormachen.

Es wird Zeit, den Spabereich und damit auch den Wellnessgedanken aus dem Keller heraus zu holen und in das ganze Hotel mit seinen Tagungsbereichen und Zimmern zu projizieren. So eignet sich der Deepsea Raum wunderbar als Kreativ- oder Entspannungsraum im Tagungsbereich und kann dort nicht nur als Rückzugsort, sondern auch als Präsentationsraum z.B. für neue Produkte genutzt werden.

Sinne - Foto © sonami AG

Sinne – Foto © sonami AG

Unsere emotionale Grundstimmung beeinflusst unsere Wahrnehmung

Der emotionale Raum – die Interpretation unterschiedlicher Wahrnehmungen – entsteht somit erst in unserem Kopf, indem wir Eindrücke mental verarbeiten. Mit angeblichen Erlebnis- und sogenannten Entspannungsräumen, die auf Illusionen basieren, schaffen wir emotionale Käfige, die einzig und allein darauf abzielen, unser Ich als Gefühlskonsumenten wahrzunehmen. Ähnlich wie im Film oder dem Fernsehen werden die Gefühle nur übergestülpt.

Unsere Emotionen sind mit einer eigentlich vollkommen wertfreien physischen Welt über unsere Sinneswahrnehmung (Hören, Riechen, Fühlen, Schmecken, Tasten) verknüpft. Dabei ist der Raum nicht die Sensorik und die Sensorik nicht das, was wir fühlen oder empfinden und doch beeinflusst unsere emotionale Grundstimmung (Angst, Trauer, Wut, Ekel oder Freude) diese wertfreie physische Welt und macht sie zu einer Umwelt, die uns Schutz bietet oder Gefahr präsentiert.

Die aus der Umwelt aufgenommenen Informationen ändern sich mit dem emotionalen Zustand. Die Sichtweise wechselt – je nachdem, ob man hungrig ist, Kälte oder Hitze empfindet, nach Kooperations- oder Sexualpartnern Ausschau hält. Geräusche ändern ihre Wirkung je nachdem, ob es dunkel oder hell ist, ob man alleine ist oder nicht.

Welchen Platz, welchen Raum, räumen wir unserem Da-Sein ein?

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