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Vom Kollegen zum Vorgesetzten – Chance, Risiko oder kein Problem?

Viele von Euch haben vielleicht schon einmal mit der Situation Bekanntschaft gemacht: man wird befördert und steht von nun an über seinen Kolleginnen und Kollegen. Mein Blogbeitrag befasst sich mit der Problematik, die eine interne Beförderung mit sich bringen kann und gibt Tipps, wie man sich in der neuen Position als Vorgesetzte oder Vorgesetzter schnell einfindet.

Ein guter Vorgesetzter setzt sich nicht vor seine Mitarbeitenden, sondern stellt sich hinter sie. Peter F. Keller

In der Spa Branche kommt es nicht selten vor: der Aufstieg einer bzw. eines Auszubildenden zur Spa Managerin bzw. zum Spa Manager. Die langjährige Betriebszugehörigkeit wird belohnt und die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter klettert Schritt für Schritt die Karriereleiter hoch – oftmals vor den Augen des gesamten Teams.

Einstieg in die Führungsrolle © Fotolia

Einstieg in die Führungsrolle © Fotolia

Du bist – …. Sie sind jetzt mein Chef?

Die interne Besetzung einer Führungsposition bringt den Vorteil mit sich, dass die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit haben, beruflich voran zukommen und ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Sie ist zudem Ansporn, Motivation und erspart die zeitintensive Einarbeitung einer externen Mitarbeiterin bzw. eines externen Mitarbeiters. Im gleichen Atemzug tauchen aber folgende Fragen auf:

  • Wie erhält man Respekt von seinem Team?
  • Duzt oder siezt man seine Mitarbeiter?
  • Wie genau sieht das mit der Zivilkleidung aus?
  • Wie geht man am besten mit Neid und Missgunst um?
  • Wie kann man den Erwartungen gerecht werden?

Tipps für einen reibungslosen Einstieg nach dem Aufstieg

1. Wissen und Kompetenz

Die Anforderungen an eine Spa Managerin oder einen Spa Manager sind breitgefächert: Kosmetik, Massage, Sport, Gesundheit, Marketing, Budget, Kommunikation, Rechnungswesen, Inventur, Warenwirtschaft, Beschwerde- und Qualitätsmanagement, Instandhaltungen und vieles mehr.

Man kann nicht in allen Bereichen ein abgeschlossenes Studium mitbringen, aber man kann sich weiterbilden: Seminare, Fernstudien, Fachveranstaltungen, Barcamps wie das SpaCamp und Kurse bieten zahlreiche Möglichkeiten. Kompetenz macht selbstbewusst und dies wiederum bewirkt, dass man sich in seiner Führungsrolle wohlfühlt.

2. Auf lange Sicht: Authentizität

Die Kolleginnen und Kollegen hatten bereits über längere Zeit hinweg die Möglichkeit, einen kennen zu lernen. Sie würden es als sonderbar empfinden, wenn man plötzlich in eine Rolle schlüpft. Gleich verhält es sich mit dem „Sie“ und „Du“. Plötzlich alle Teammitglieder zu Siezen wirkt gezwungen und verschafft eher Befremdnis als Respekt. Authentisch und natürlich bleiben ist gewinnbringender.

3. Kleider machen Leute

Ein kompetentes, seriöses und vor allem typgerechtes Auftreten ist unumgänglich. Ist man jedoch eher der sportliche Typ, dann sollte man sich nicht in einen Anzug zwängen. Trägt man gerne Kostüme und fühlt sich darin wohl, dann wird der Versuch, in Jeans lässig zu wirken, kläglich scheitern.

4. Echtes Potenzial gegen heiße Luft

In jedem Team gibt es Kolleginnen und Kollegen, die Neid oder Missgunst empfinden. Sätze wie „das könnte ich auch“ stehen an der Tagesordnung. Am besten nimmt man sich für genau diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Zeit und findet heraus, ob sie tatsächlich Potenzial in sich tragen und gefördert werden sollten, oder ob es nur viel Aufhebens um nichts ist. Können übertragene Zusatzaufgaben nur mangelhaft erfüllt werden, muss auch die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter erkennen, dass eine Führungsrolle doch nicht von jedem besetzt werden kann.

5. Lob, Tadel oder Laissez-faire?

Natürlich wird das Team versuchen, seine Grenzen auszuloten und die neue Chefin oder den neuen Chef testen. Um hier kein Autoritätsproblem zu bekommen, ist es wichtig, Spielregeln festzulegen. Als Vorgesetzte oder Vorgesetzter muss man sich im Klaren sein, was man von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erwartet, wo man seine Prioritäten setzt und in welchen Bereichen man toleranter oder nachsichtiger ist. Sind diese Grundsteine transparent und von Anfang an festgelegt, fällt es im weiteren Verlauf einfacher, konsequent zu sein und gegebenenfalls auch mit Maßnahmen zu reagieren.

6. Verständnis für Entscheidungen

Das Team sieht „einen von ihnen“ an der Spitze und denkt: jetzt wird alles anders! Als Chefin oder Chef müssen jedoch Entschlüsse gefasst werden, die man zuvor als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter in der Form vermutlich nicht getroffen hätte. Dies stößt auf Verwunderung und oftmals Enttäuschung der ehemaligen Kolleginnen und Kollegen. Es ist wichtig, in diesen Situationen Verständnis zu schaffen und dem Team Hintergründe darzulegen. Nur so kann man auf den Rückhalt des Teams zählen.

Zu guter Letzt sei gesagt: man hat durch Leistung, Persönlichkeit, Kompetenz und harte Arbeit eine Führungsposition erreicht. Sich nicht auf seinen Lorbeeren auszuruhen, sondern weiterhin Einsatz zu zeigen, das Team zu führen, ein Vorbild zu sein und mittels guter Entscheidungen Respekt zu ernten, ist wohl der wichtigste Tipp.

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