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Wie klingt Ihr Spa? Anwendungsgebiete und Maßnahmen für die technische und ästhetische Akustikplanung – Teil 3

Wenn man die Entstehung der Geräusche im Bereich von technischen Anlagen und Geräten nicht weiter vermeiden kann, müssen schallabsorbierende Maßnahmen zur Anwendung kommen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass der Einsatz von passiven Technologien wie zum Beispiel feinporösen Schaumstoffen, auch zu einer (meist unerwünschten) Wärmedämmung führt.

Anwendungsgebiete der technischen Akustik bei Lärm emittierenden Geräten und Anlagen

In den folgenden Anwendungsbereichen kann die Schallabsorption von zentraler, praktischer Bedeutung sein:

  • Verhinderung von Reflexionen und Schalldämpfung an Bauteilen und Komponenten z. B. in Lüftungsanlagen mittels passiver Komponenten
  • Schalldämpfung in Strömungskanälen von z. B. Lüftungs- und Klimaanlagen mittels aktiver und/oder passiver Komponenten
  • Kapselung von Maschinen, Anlagen und Geräten z. B. im Bereich der Lüftungs- und Aufzugstechnik aber auch im Bereich von Kühlschränken, Sicherungsautomaten und Netzteilen mittels passiver Komponenten
Moderne, glatte Akustikdecken, die auf Lochplatten verzichten in Kombination mit auf einander abgestimmte Einbauten in den Wänden, machen das Bedeerlebnis auch auditiv zur Erholung und erinnern nicht an eine Strassenunterführung sondern schaffen akustische Weite – ähnlich einem Sandstrand. © Sonami/Photocase

Moderne, glatte Akustikdecken, die auf Lochplatten verzichten, in Kombination mit aufeinander abgestimmten Einbauten in den Wänden, machen das Badeerlebnis auch auditiv zur Erholung und erinnern nicht an eine Strassenunterführung sondern schaffen akustische Weite – ähnlich einem Sandstrand. © sonami

Anwendungsgebiete der ästhetischen Akustik bei der Raumplanung und Raumoptimierung

Die Differenzierung der Begriffe der ästhetischen und technischen Akustik eignet sich sehr gut um zu verdeutlichen, dass es einerseits rein technische Maßnahmen zur Lärmreduktion am Ort der Entstehung gibt und andererseits Maßnahmen zur Veränderung der Raumakustik an sich. So wie wir einen Raum ästhetisch, beispielsweise durch eine andere Wandfarbe, verändern können, ist es möglich, das Klangbild des Raumes durch entsprechende Veränderungen zu beeinflussen.

Auch wenn die Maßnahmen der technischen und ästhetischen Akustik auf ähnliche Materialien und technische Lösungen zurückgreifen, sind die Anwendungsgebiete doch von Grund auf verschieden. In den folgenden Anwendungsbereichen kann die Schallabsorption in Räumen von zentraler, praktischer Bedeutung sein:

  • Abschirmung von ruhigen gegen laute Bereiche
  • Vermeidung des Lombard-Effektes (Vortragende erhöhen bei Vorhandensein von Hintergrundlärm nicht nur ihre Lautstärke, sondern meist auch ihre Tonlage)
  • Herstellung akustischer Transparenz
  • Pegelsenkung im Raum
  • Verringerung der Nachhallzeit (Reflexionen im Raum)
  • Schutz gegenüber Außenlärm
  • Gezielte raumakustische Gestaltung

Maßnahmen für die technische und ästhetische Akustikplanung

Folgende Punkte dürfen nicht vernachlässigt werden, selbst wenn die Nachhallzeit einer der wichtigsten Faktoren bei der akustischen Gestaltung ist:

  • das Bassverhältnis BR (Nachhallzeit bei tiefen und mittleren Frequenzen)
  • die subjektive Silbenverständlichkeit V, das Deutlichkeitsmaß C50 und der Artikulationsverlust Alcons für Sprache
  • der Speech Transmission Index STI und RASTI
  • die Schwerpunktzeit tS
  • das Echo-Kriterium EK
  • das Klarheitsmaß C80 für Musik
  • der Interaurale Kreuzkorrelationskoeffizient IACC
  • das Stärkemaß G und die Schalldruckpegelabnahme ΔL
  • das Raumeindrucksmaß R für Musik
  • das Registerbalancemaß BR
  • das Hallmaß H
  • die Seitenschallgrade LE, LF und LFC und
  • das Maß für das gegenseitige Hören und die Raumunterstützung, insbesondere bei der Auslegung von Räumen für musikalische Darbietungen.

Viele der oben angesprochenen Faktoren fließen sicherlich mehr oder weniger direkt in die Nachhallzeit ein. Vergleicht man jedoch psychoakustisches Fachwissen mit architektonischem Fachwissen, so wäre dies als würde man behaupten, dass lediglich die Wandfarbe eines Raumes Wirkung auf den Menschen hat und man das Verhältnis unterschiedlicher Wandfarben anhand von Formeln optimieren könne.

Akustische und architektonische Ästhetik (Gefühl) stehen sich ebenso wie das fachliche, formale Wissen (Logik) z. B. aus den Bereichen der Werkstoffkunde in nichts nach. Funktionalität und Ästhetik sind also Aspekte die sowohl visuell, als auch akustisch ein hohes Maß an Erfahrung und interdisziplinärem „Können“ fordern.

Leider basiert eine Vielzahl heutiger, auf dem Markt erhältlicher Akustikprodukte auf dem reinen Absorptionsprinzip im mittel- und hochfrequentem Bereich und wird unter dem Motto „Viel hilft viel“ verkauft. Der Vergleich zur Architektur wäre: „Je bunter desto besser“.

Die Kategorien der Raumakustik

Grundsätzlich lassen sich im Bereich der Raumakustik die folgenden vier Kategorien für akustische Maßnahmen festlegen:

  1. passive Absorber: Material schwingt nicht mit
  2. reaktive Absorber: Material oder Teile davon schwingen mit
  3. aktive Absorber: Material oder Teile davon werden mittels zusätzlicher Energie zum Schwingen angeregt
  4. Diffusoren und Reflektoren

Vergleichen Sie am Beispiel einer einfachen, nachträglichen Einbaumaßnahme die Wirkung vor und nach der Optimierung.

Der Gast entscheidet

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Entscheidungsträger z. B. im Bereich Hotellerie gleichzeitig stark audio-affin ist und sich dabei der Auswirkungen schlechter Raumakustik auf das Klangbild, die Kommunikation und die Gesundheit bewusst ist, ist überaus gering. Man möchte meinen, dass es noch ein langer beschwerlicher Weg ist, bis akustische Maßnahmen Einzug in Hotels, Gaststätten und Wellness- und Spabereiche nehmen. Wäre da nicht der Gast, der sich zunehmend über laute Abluftanlagen, brummende Kühlschränke und Sicherungsautomaten und Straßenlärm beschwert.

Noch bedienen sich die meisten Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in den Bereichen der Akustik dem ewigen Kosten-Nutzen-Scheingefecht. Doch langsam wird die leise Gefahr immer lauter. Es ist an der Zeit das Problem Lärm ganzheitlich – also auch am Ort der Entstehung – anzugehen.

Im vierten und letzten Teil dieser Artikelserie werden diese vier Kategorien noch einmal aufgegriffen und anhand von Beispielen insbesondere in Kombination mit Lautsprechern erklärt.

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