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Wie klingt Ihr Spa? Ruhe als USP – Teil 2

Im zweiten Teil der Artikelserie „Wie klingt Ihr Spa?“ möchte ich auf die Einflüsse, die Lärm auf unsere Gesundheit hat, eingehen und auf architektonische Problematiken hinweisen. Wie kann sich ein Unternehmen Ruhe als USP zu Nutze machen? Wie kann die Lärmeinwirkung vermindert werden und welche Umgebung ist für uns Menschen ideal?

Lärm – die leise Gefahr: Welche Ergebnisse zeigen Studien?

Lärm und Gesundheit

Im Rahmen einer Erhebung wurden in Deutschland vom 12.03.2010 bis zum 30.03.2010 durch TNS Infratest 1.481 Personen befragt. 53 % der Befragten sind der Ansicht, dass Lärm starken Einfluss auf die eigene Gesundheit hat. Der Absatz von Hörgeräten in Deutschland (ZVEI) ist in den Jahren 2000 bis 2012 von 526.800 auf 906.477 gestiegen und dürfte sich bis heute im Vergleich zum Jahr 2000 mehr als verdoppelt haben. Es zeichnet sich ab, dass Geräuschverschmutzung die nächste große Front ist, an der Umweltschützer kämpfen müssen.

Lärm und Schlafprobleme

Im Rahmen einer Studie (DAK, 2010) wurden in Deutschland 1.407 Berufstätige mit Schlafproblemen, die seit mindestens vier Wochen andauern, im Alter von 35 bis 65 Jahren befragt. 11 % der Befragten nennen Lärmbelästigung, wie zum Beispiel Verkehr, als Grund für Ihre Schlafstörungen.

Lärm in Hotels und Restaurants

Eine weitere Studie aus dem Jahr 2010 (tns Emnid) hat 1.022 Besucherinnen und Besucher von Hotels und Restaurants ab einem Alter von 14 Jahren nach Störfaktoren befragt. 41 % der Befragten fühlen sich von Lärm in Hotels und Restaurants am meisten gestört.

Ruhe als USP

Dass Menschen Ruhe zu schätzen wissen und sich daraus nicht nur für Unternehmen, Hotels, Restaurants sowie Spa- und Wellnessanlagen USPs herausarbeiten lassen, zeigt eine im April 2011 durchgeführte Studie. Personen ab einem Alter von 16 Jahren wurden gefragt, was einen Ort besonders lebenswert macht (BVDA; IfD Allensbach). 60 % der Befragten gaben an, dass wenig Lärm und wenig Verkehr einen Ort besonders lebenswert machen.

Beton und Glas – die perfekte Basis für akustische „Folterkammern“

Bei der bau- und raumakustischen Gestaltung von Gebäuden sehen Architektinnen und Architekten sowie Baufrauen und Bauherren nur selten die Notwendigkeit für planerische Zugeständnisse und einen eventuell damit verbundenen geringfügigen Mehraufwand. Entsprechend selten ist die Konsolidierung einer Raumakustikerin oder eines Raumakustikers bereits während der Planungsphase, was wiederum bewirkt, dass die Akustik immer mehr als brotlose Kunst gilt und die Anzahl an praxiserfahrenen Akustikspezialistinnen und Akustikspezialisten stark zurückgegangen ist. Auch die Hochschulen sehen das Fachgebiet der Akustik eher als entbehrlich.

Verständlich, wenn zum einen angehende Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieure im Rahmen ihrer Ausbildung nicht für Gesundheitsprobleme, die einer schlechten Raumakustik zuzuschreiben sind, sensibilisiert werden und zum anderen im Allgemeinen der Standpunkt vertreten wird, dass „der Akustiker mit seinen Maßnahmen alles Schöne wieder kaputt macht“. Denn kaum hört die Architektin oder der Architekt das Wort Akustik tauchen vor dem inneren Auge hässliche Lochdecken, Korkböden und Stoffvorhänge auf. Dass sich die Welt in den letzten 25 Jahren weiter gedreht hat und es etliche Neuerungen auf dem Gebiet des Schallschutzes und der Raumakustik gibt wurde und wird dabei oft ignoriert.

Baumaterialien wie Beton und Glas müssen nicht unausweichlich zu akustischen Folterkammern führen. Bei der akustischen Planung können ästhetische Aspekte der Architektur und Raumplanung gewahrt bleiben. Das zeigen Projekte in denen Architektinnen und Architekten gemeinsam mit Akustikplanerinnen und Akustikplanern von Anfang an mit einbezogen werden. Der gegenseitige Austausch wird dabei nicht als üble Notwendigkeit gesehen, sondern als Chance für neue raumästhetische Aspekte aber auch ganz neue Materialanwendungen und damit verbundene individuelle, sich in die Architektur integrierende, Akustikkonzepte.

Raumakustische Maßnahmen beginnen bei der Lärmvermeidung

Aufgrund immer höherer technischer und ästhetischer Standards halten immer mehr lärm emittierende Geräte und akustisch problematische Baustoffe Einzug in einen Ort, an dem Ruhe und Stille unabdingbar sind. So steht unter anderem in Hotelzimmern, Vortrags- und Behandlungsräumen und Spa- und Wellnessbereichen die nachhaltige Zufriedenheit des Gastes in Gefahr. Dezentrale Klima- und Abluftanlagen, falsch ausgelegte und eingebaute Kühlschränke, falsch ausgewählte Leuchtmittel, schlecht isolierte Wände und der Einsatz von Schallschutzfenstern sind nur einige wenige Beispiele.

Wenn es brummt

Ja, Sie haben richtig gelesen: Schallschutzfenster sind eine der gefährlichsten Maßnahmen in Sachen Schallschutz – insofern diese ohne weitere Maßnahmen im tieffrequenten Bereich erfolgen. Insbesondere bei geschlossenen Türen und Fenstern tritt aufgrund falscher baulicher und bauakustischer Maßnahmen der tieffrequente Teil z. B. des Verkehrslärms oder des Lärms von industriellen Abluftanlagen als eigentliche Störung in Erscheinung.

Fensterflächen und Glasfassaden bestimmen immer mehr unsere moderne Architektur, was selbst bei konstant angenommenen Außengeräusch-Pegeln zu höheren Innen-Pegeln führt. Denn Schallschutzfenster haben ihre enormen Dämmwerte im Bereich der hohen Frequenzen. Die Tatsache, dass Dämmungseinbrüche unter 100 Hz gar nicht berücksichtigt werden, liegt daran, dass dieses Frequenzspektrum außerhalb des genormten Bewertungsbereichs liegt.

Wenig bekannt ist, dass das „Dröhnen“ und „Brummen“ der Räume bei tiefen Frequenzen die Sprachverständlichkeit derart herabsetzt, dass beim Kommunizieren sich alle Teilnehmenden unwillkürlich unangenehm laut artikulieren. Diese Effekte haben – in Abhängigkeit vom Frequenzspektrum und der Lautstärke – gesundheitliche Auswirkungen wie z. B. Herzrasen, Atemnot, Schmerzen in der Brust- und Magenregion, Angst, Kopfschmerzen, Panik-Attacken, Muskelkontraktionen und -verspannungen und eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit.

Die Wahrnehmung und Wirkung tieffrequenter Geräusche weichen deutlich von der Wahrnehmung und Wirkung mittel- oder hochfrequenter Geräusche ab. So fehlen im Frequenzbereich unter 20 Hz (Infraschall) Tonhöhen- und Lautstärkeempfindung. Luftdruckänderungen werden vielmehr als Pulsationen und Vibrationen empfunden, verbunden mit einem Druckgefühl auf den Ohren.

Optimale Akustik – ausgeglichene Klangumfelder der Natur

Die Basis für eine optimale Akustik ist Räume in ihren Dimensionen so zu planen, dass problematische Resonanzen vermieden werden. Zusätzliche oder nachträgliche akustische Maßnahmen sind so zu wählen, dass aus psychoakustischer Sicht ein ausgeglichenes Klangumfeld ermöglicht wird. Jede akustische Maßnahme korrespondiert mit dem Raum und beeinflusst weitere Maßnahmen.

Man könnte es so formulieren: Irgendwo zwischen schalltotem Raum und Betonkasten liegt das Optimum. Unser Ohr benötigt Reflexionen zur besseren Orientierung. Eigene Erfahrungswerte haben ergeben, dass die akustische Raumwirkung eines Waldes mit massiven Laubbäumen und mittelweichem Untergrund ideal ist.

Lesen Sie im dritten Teil dieser Artikelserie über die Anwendungsgebiete der technischen und ästhetischen Akustik sowie über Maßnahmen bei der Akustikplanung.

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