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Wie praxisnah kann und muss die Ausbildung zum Spa-Manager sein? Die wichtigsten Ergebnisse der IST-Befragung

Die Aufgabengebiete und Stellenbeschreibungen für Spa Manager variieren sehr stark. So unterschiedlich die Stellen gestaltet und honoriert werden, so unterschiedlich sind auch die Anforderungen. Heute möchte ich Ihnen die Ergebnisse der Ende Februar 2014 durchgeführten IST-Umfrage bekannt geben.

Aufgabenverteilung – Administration vs. Anwendungen

Zu Beginn ein Überblick über die 37 Teilnehmer der Umfrage: 53% sind als Spa-Manager tätig, 25% in anderen leitenden Funktionen und 22% in keiner Leitungsfunktion.

Viele Spa Manager sind neben ihren administrativen Aufgaben direkt am Gast tätig. © IST Studieninstitut

Viele Spa Manager sind neben ihren administrativen Aufgaben direkt am Gast tätig. © IST Studieninstitut

Ca. 48% der Befragten teilen sich die Aufgaben zwischen leitenden/administrativen Tätigkeiten und praktischer Arbeit gleich auf. Ca 22% führen keine Anwendungen durch und sind nur leitend/administrativ tätig. Ca. 16% üben überwiegend leitende/administrative Tätigkeiten aus. Der übrige Teil der Befragten, ca. 16%, sind die meiste Zeit direkt am Gast tätig.

Sind Sie überrascht? Ich nicht. Zum einen waren 25% der Befragten nicht in leitenden Funktionen tätig, somit sind rein praktische Tätigkeiten üblich, zum anderen spiegelt es meinen persönlichen Eindruck wider: meist ist der Spa-Manager nicht alleine administrativ und leitend tätig, sondern häufig auch weiterhin in der Kabine.

Team-Größe

Die Befragten gehörten zumeist kleineren Teams von bis zu 5 Personen an (50%). Ca. 28% der Befragten sind in Teams von 6-10 Mitgliedern und ca. 22% in größeren Teams von mehr als 10 Mitarbeitern.

Spa-Typ

50% der Befragten waren in hoteleigenen Spas angestellt, ca. 22% in Spas von Thermen/Freizeitbädern und Saunen, der übrige Teil in City- und Day-Spas, Kosmetikinstituten und Massagepraxen sowie unabhängigen Hotel-Spas.

Anstellungsverhältnis

Gefragt nach den Anstellungsverhältnissen des gesamten Kollegiums kristallisiert sich bei 43% aller Antworten heraus, dass mehr als drei Viertel der Kolleginnen und Kollegen eine Festanstellung haben.

Schwierigkeit in eine leitende Position zu gelangen

Von den Personen, die in einer leitenden Position tätig sind (inkl. Spa Manager) sagen ca. 57%, dass es nicht schwierig war, in diese zu gelangen. Ca. 33% empfanden den Weg als etwas schwierig und ca. 10% der Befragten als sehr schwierig.

Es darf vermutet werden, dass zukünftig mehr Fachkräfte in diesem Bereich gesucht werden und der Bedarf nicht gedeckt werden kann. Möglicherweise wird es einfacher werden, an gut bezahlte Stellen zu gelangen.

Beruflicher Werdegang

Ca. 53% der Befragten hat eine Ausbildung absolviert, ca. 47% ein Studium. Den größten Personenkreis bilden KosmetikerInnen mit 31%.

Soft-Skills

Soft-Skills werden von allen Befragten als wichtig erachtet. Die größte Bedeutung für mehr als 70% der Befragten haben demnach die kommunikative Kompetenz, das Einfühlungsvermögen, die Teamfähigkeit und die Vertrauenswürdigkeit. Diese Ergebnisse sind übrigens unabhängig davon, ob die Frage durch die Gruppe der Spa-Manager beantwortet wurde oder von anderen Befragten.

Kommunikative Kompetenz, Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit und Vertrauenswürdigkeit zählen zu den wichtigsten Soft Skills. © IST Studieninstitut

Kommunikative Kompetenz, Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit und Vertrauenswürdigkeit zählen zu den wichtigsten Soft Skills. © IST Studieninstitut

Hard-Facts

Eindeutig wichtig sind die Themen Personalmanagement, Kenntnisse über Anwendungen und Treatments sowie Massagen, Kenntnisse zu Entspannung und Marketing, Management von Spas und Wellnessanlagen, Rentabilität und Kostenstruktur von Wellnesseinrichtungen und Spas, Kunden und Qualitätsmanagement, Konzeption von Wellnessangeboten, Präsentation und Kommunikation sowie Verkauf.

Festzuhalten bleibt, dass BWL als relativ unbedeutend erachtet wird. Eine Vergleichsbefragung des Global Spa & Wellness Summit (GSWS) kommt jedoch zu anderen Ergebnissen und vermutlich werden auch Hoteliers anderer Meinung sein, wenn sie ihre Personalauswahl treffen.„financial Management is the most important skill set for a successful spa career.” (GSWS).

Das Ergebnis verwundert dann doch, lässt sich aber einordnen, wenn wir zurückgehen und uns vor Augen führen, dass lediglich 22% der Befragten rein administrativ und leitend tätig sind. Des Weiteren ist aber auch immer wieder zu hören, dass Spas in den USA zum einen oft sehr viel größer sind und zum anderen das „stand-alone Merkmal“ haben.

Dies gilt vor allem bei City Spas und Day Spas. Hier ist eine ganz andere betriebswirtschaftliche Notwendigkeit geboten, als in einem Hotel, in dem das Spa nicht zwingend profitabel sein muss. Es bleibt die Frage, wie viele Hotel-Spas überhaupt profitabel sind und wenn nicht, wer hier das Ruder in der Hand hält – der Spa-Manager oder doch der Direktor.

Überblick über Kosten- und Umsätze des Unternehmens

75% der Befragten haben einen Überblick über den Wareneinsatz und die Personalkosten, aber nur 53% sind im Bilde über die laufenden Kosten.

Personalentwicklung

Ca. 61% der Befragten wurden bei ihren bisherigen Aus-, Fort- und Weiterbildungen finanziell nicht unterstützt. In Anbetracht der Tatsache, dass man immer wieder liest und hört, dass das Personal so wichtig sei, es außerdem schwierig sei, Fachkräfte zu finden und zu binden, dann wundert einen das Ergebnis, denn scheinbar wird doch zu wenig in das Personal und dessen Entwicklung investiert.

Hinzu kommt, dass sich ca. 55% der Befragten nicht richtig entlohnt fühlen. Der Rückschluss ist, dass derjenige, der wenig verdient, auch selber noch einen Anteil seines Gehalts für seine Fort- und Weiterbildungen zur Seite legen und vermutlich auch noch für die Dauer der Fortbildung Urlaub nehmen muss.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch GSWS

  • “huge education gap in our industry… Spas are sometimes not keen to offer education, for fear that staff turnover will make ROI difficult, but if we do nothing, we will not get anywhere.”
  • „less than 20% of industry leaders surveyed could name a university that offers spa management training.“
  • “one challenge for those securing this role is that spas consider “experience” most important; however, it is difficult to gain that experience—especially for those who have worked in smaller spas without a management team. Hard skills in business and management are considered the No. 1 deficiency among candidates.”

Resúmé

Das Thema Spa Management ist und bleibt spannend. Die Aufgaben- und Verantwortungsbereiche sind sehr unterschiedlich. Teamgrößen variieren ebenso, wie die Spa-Typen. Die Soft Skills dominieren derzeit noch vor den harten Fakten. Auch wenn den BWL-Kenntnissen in dieser Befragung keine große Bedeutung beigemessen wurde, so zeigt das Vorbild USA, wo die Reise hingehen könnte.

Auf längere Sicht wird niemand ein Spa führen, wenn es nicht profitabel ist oder durch das Spa an einer anderen Stelle die Profitabilität steigt und die Kosten so mitgetragen werden. Die Aufteilung der Tätigkeiten hat vielleicht auch gezeigt, dass der derzeitige Spa-Manager kein reiner Spezialist ist. Es bleibt abzuwarten wie sich diese Rolle zukünftig verändern wird und wie viel Einfluss Spa-Manager erhalten werden.

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