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Burn-Out – ein modernes Phänomen aus ayurvedischer Sicht betrachtet

Erschöpfungssyndrome werden zunehmend zu einem gesellschaftlichen als auch ökonomischen Problem unserer Zeit. Die klassische Schulmedizin stößt hierbei oftmals an ihre Grenzen. Heute möchte ich fernöstliche Praktiken, Sichtweisen und Heilansätze als integrativen Bestandteil in Prävention und Heilung beleuchten.

Ursachen und Entstehung

Aus ayurvedischer Sicht verfügt der Mensch über eine Reserve potentieller Lebensenergie, welche zusätzlich über Nahrung, Atmung, Sonnenlicht und wohltuende Sinneseindrücke verstärkt aufgebaut wird.

Durch wohltuende Sinneseindrücke kann unsere Lebensenergie positv aufgebaut werden © Gennadiy Poznyakov, Fotolia

Durch wohltuende Sinneseindrücke kann unsere Lebensenergie positv aufgebaut werden © Gennadiy Poznyakov, Fotolia

Diese Energie benötigen wir für die Vitalfunktionen (Blutkreislauf, Wärmeproduktion etc.), sowie zum Aufbau sämtlicher Körpergewebe, wie zum Beispiel Plasma, Blut, Nerven, Muskel, Knochen, für unser Immunsystem oder zusammengefaßt: für unseren „Lebenssaft.“

Unausgeglichener Energiehaushalt = Burnout oder Depression

Unser modernes Leben mit erhöhten leistungsmäßigen und emotionalen Anforderungen bewirkt oftmals, dass mehr Energie ausgegeben als eingenommen wird. Hält dieser unausgewogene Energiehaushalt lange an, so kann dies letztlich zu einem Burnout oder einer Depression führen. Zu viel Arbeiten alleine ist hierfür keineswegs verantwortlich, sondern es wirken zusätzliche negative emotionale Faktoren wie zum Beispiel:

  • Gefühl der Sinnlosigkeit
  • Angst
  • Mangelnde Anerkennung
  • Überforderung

Burnout-Klienten unterscheiden sich von jenen mit Erschöpfungssyndrom, dass eine vollständige Erholung kaum mehr möglich erscheint.

(vgl. Crittin (2010) S. 100)

Der Kontakt zum wahren Selbst

Aus der philosophischen Perspektive des Ayurveda findet ein erhöhter Energieverbrauch insbesondere dann statt, wenn der Mensch den Kontakt zu seinem wahren Selbst (Seele) verloren hat.

Dies geschieht, wenn der Mensch nur mehr im Äußeren funktioniert und seine innerlichen Bedürfnisse nicht mehr wahrnimmt. Beispielsweise können Berufe, die nicht der körperlichen und geistigen Veranlagung des Individuums entsprechen, sowie übertriebene Arbeitssucht oder Gier einen erhöhten Energieraub bewirken.

Psychologische & physiologische Therapieansätze

Oftmals schaffen mangelnde Liebe und Anerkennung in der Kindheit Kernüberzeugungen wie beispielsweise „Ich bin nur liebenswert, wenn ich etwas leiste“. Dies erzeugt vielfach eine zu starke Identifikation mit Arbeit und Leistung als Kompensation, sowie mitunter einen überhöhten Perfektionsdrang

Zur besseren Selbstwahrnehmung bietet die fernöstliche Lehre spirituelle Praktiken zur Hingabe an eine übergeordnete Macht an, wie zum Beispiel:

  • reinigende Klangverse
  • Gesänge
  • kontemplative wertfreie Innenschauen (Meditation im Sitzen & Gehen)
  • Arbeit mit Seelenbildern (Visualisierungstechniken)

Ebenso ist eine intelligente Steuerung auf energiebringende Reize ein Erfolgskriterium. Wie überall im Ayurveda spielt eine kräftigende, energiereiche Ernährung eine zentrale Rolle.

Der Kopf im Fokus

Auch passive Ayurveda-Anwendungen geben einen essentiellen physiologischen als auch psychologischen Heilungsimpuls zur ausgewogenen Energiebalance. Wichtig ist dabei der Fokus auf den Kopf durch in Öl getränkte Auflagen auf Stirn und Scheitel und Hinterhauptsareale, eventuell eine sukzessiv gesteigerte Ölstirngusstherapie (Shirodhara) und natürlich Ganzkörperanwendungen unter Berücksichtigung der Vitalzonen und Energiebahnen.

Auch wenn die orale Einnahme von Kräutern und Mineralien ganzheitlich betrachtet nicht die Lösung von Problemen darstellt, so ist sie dennoch ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Therapie. Um Nebenwirkungen zu vermeiden und den Hauptwirkstoff zu unterstützen verwendet man im Ayurveda vorwiegend Mischpräparate. Zwei Beispiele für traditionelle Ayurveda-Kräuter zur Unterstützung bei psychischen Problemen sind:

  1. Nabelkraut, kleines Fettblatt (Bacopa monnieri):
    Eine feuchtliebende, kriechende Pflanze mit fleischigen kleinen Blättern. Verwendet werden Wurzel, Stängel und Blätter. Angewandt wird sie zumeist als Hauptsubstanz bei nervösen Störungen, Konzentrationsschwäche, Stressbelastungen, Anspannung, Geisteskrankheiten, Psychosen, Hysterie, Neuralgie…etc.
  2. Winterkirsche (Withania somnifera):
    Eine mehrjährige buschige Pflanze mit glockenförmigen Blüten, aus welchen kleinkirschenartige rote Früchte entstehen. Verwendet werden hauptsächlich die Wurzeln. Angewandt bei Tremor, Schwindel, Ohnmacht, Schlaflosigkeit, Schmerzen …..etc

Aktive Bewusstseinsveränderung

Burnout ist auch aus ayurvedischer Sicht eine komplexe Erscheinung, welche durch ein vielseitiges Konzept geistig und körperlich zu betrachten ist. Langfristige Erfolge lassen sich letztlich nur durch aktive Bewusstseinsveränderung des Klienten erzielen. Ayurveda-Kuren und andere Therapien sind dennoch wichtige Impulsgeber und können mit Unterstützung danach auch einen nachhaltigen Erfolg bieten.

Passend dazu findet am 27. November 2014 um 19.30 ein Vortragsabend mit mir zum Thema: Der Geist als Schlüssel für Glück, Lebenserfüllung und Selbstheilung im Hotel Kasererbräu statt.