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Burnout war gestern, heute gilt Boreout!

Boreout? Wie bitte? Sie wissen noch nicht, was Boreout ist? Dann denken Sie mal an Ihre Arbeitskollegen. Gibt es da nicht einige darunter, die den ganzen, lieben, langen Tag nichts tun? Oder denken Sie vielleicht sogar an sich selber – total unterfordert? Der Chef delegiert nicht? Dann kommen wir des Rätsels Lösung schon ein wenig näher. Lesen Sie mehr zum Thema Boreout.

Der Boreout ist das Gegenteil des Burnout. Er besteht aus den folgenden Elementen:

  1. Unterforderung: Sie beschreibt das Gefühl, mehr leisten zu können, was von einem gefordert wird
  2. Langeweile: Hier geht es um Lustlosigkeit und Ratlosigkeit, weil man nicht weiß, was man tun soll.
  3. Desinteresse: Beim Desinteresse steht die fehlende Identifikation mit der Arbeit im Vordergrund.

Damit verknüpft sind langfristig angelegte Verhaltensstrategien, die der Arbeitnehmer anwendet, um bei der Arbeit ausgelastet zu wirken und sich Arbeit vom Leibe zu halten.

Boreout ist nicht gleich Faulheit

Eine Unterscheidung ist wichtig: Boreout ist nicht gleich Faulheit. Boreout Betroffene sind nicht faul, sondern faul gemacht. Wer faul ist, will nicht arbeiten, auch wenn man ihn lässt. Wer unterfordert ist, will arbeiten, aber das Unternehmen lässt ihn nicht.

„Die ausgeschriebene Stelle ist sehr anspruchsvoll und abwechslungsreich“, sagte das Stelleninserat. Und log damit, dass sich die Balken biegen.

Boreout ist paradox

Die Vorstellung, es sei schön, bei der Arbeit nichts zu tun (Homer Simpson lässt grüßen), ist populär. Die Wahrheit jedoch ist: Das Absitzen von Stunden, in denen man nichts zu tun hat und einfach auf den Feierabend wartet, ist der blanke Horror. Genau diese Unzufriedenheit hält der Arbeitnehmer jedoch – paradoxerweise – mit den Strategien am Leben.

Die Verhaltensstrategien ermöglichen es, sich während der Arbeitszeit privaten Dingen zu widmen: Planen der nächsten Ferien, einen neuen MP3 Player ersteigern oder einfach ein wenig im Netz surfen. Sie machen die vermeintlich gestresste Arbeitswelt zum großen Bluff!

Nicht alle, die ausgelastet wirken, sind es auch. Ein Arbeitnehmer vertuscht mit den Strategien, dass er nichts zu tun hat und tut so, wie wenn er völlig ausgelastet wäre. Er verhindert dadurch, dass sich seine Situation verbessert. Er verfällt dem süßen Gift des Nichts-Tuns und wurstelt so tagtäglich vor sich hin, in der vermeintlichen Gewissheit, alles sei in bester Ordnung – obwohl es dies gerade nicht ist.

Die Boreout Strategien

Nun beschreibe ich in aller Kürze zwei mögliche Strategien, aber klar: Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt!

Die Flachwalzstrategie

Bei dieser Strategie wird die Arbeit auf eine viel längere Zeit verteilt, als dafür eigentlich nötig wäre – das vorhandene Arbeitsvolumen wird flachgewalzt. Für diese Strategie eignet sich besonders ein langfristiges Projekt. Die Zeitspanne, innerhalb derer eine Aufgabe erledigt sein muss, wird – ohne Not – vollständig ausgeschöpft.

Die Komprimierungsstrategie

Komprimieren heisst: voll konzentriert und hypereffizient an einer Aufgabe nicht stunden- oder tagelang herumwerkeln. Das Ziel dieser Strategie ist, eine Aufgabe so rasch wie möglich zu erledigen und eine, vom Chef gesetzte Deadline, sogar zu unterschreiten. Das wird dem Vorgesetzten allerdings nicht mitgeteilt. So hat man bis zum eigentlichen Abgabetermin genügend Zeit, sich seinen privaten Dingen zu widmen oder mit den Arbeitskollegen zu plaudern.

Wie kommt es zum Boreout?

Der Boreout betrifft natürlich in erster Linie die Personen selber – Personen, die eben in diesem Schlamassel stecken. Aber wie kann es zu solchen Situationen kommen? Hier kommt das Umfeld bzw. die eine, zentrale Ursache des Boreout ins Spiel: dass die Betroffenen am falschen Ort arbeiten. Das Unternehmen trägt die zentrale Verantwortung, wenn ein Boreout entsteht. Also muss es handeln und Ebenen identifizieren.

Was kann ein Unternehmen gegen den Boreout tun?

Es gibt drei Ebenen, in welchen Unternehmen aktiv sein müssen, um einen Boreout in den eigenen Reihen zu verhindern:

1. Organisation:

Ein Unternehmen muss eine Kultur kreieren, in welchem Boreout keine Chance hat. Die Unternehmenskultur ist die Basis für das tägliche Handeln, im Umgang untereinander, mit den Lieferanten, aber auch mit den Kunden. Zur Organisation gehört unter anderem auch eine zukunftsorientierte Personalplanung – die richtigen Personen zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Entwickelt sich das Unternehmen, müssen die Stellenbeschreibungen angepasst werden. Sonst passen dann plötzlich die Profile nicht mehr zueinander.

2. Führung:

Ein Unternehmen muss Führungsgrundsätze definieren, Grundsätze, welche sich die Vorgesetzten stets zu Herzen nehmen müssen. Aber ein Unternehmen muss auch darauf achten, dass es überhaupt die richtigen Personen befördert – denn eine falsche Beförderungspolitik kann (nicht nur) im Boreout-Schlamassel enden. Delegation kann ein wesentliches Element sein, Boreout zu verhindern, wenn nicht einmal genug Arbeit für den Arbeitnehmer vorhanden ist.

3. Kommunikation:

Mit der Stellenbeschreibung und dem ersten Gespräch beginnt das Übel meist: Stellen werden übertrieben dargestellt. Man meint, die halbe Welt retten zu müssen und sämtliche Projekte übernehmen zu dürfen. Allerdings ist das, was nachher folgt, meist eine Ernüchterung. Gute Kommunikation beginnt beim Stelleninserat, das ehrlich und transparent macht, worum es wirklich geht, und anschließend bei regelmäßigen Gesprächen. So lässt sich ein Boreout verhindern.