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Faszination Iglu: „Eskimo“ für einen Tag!

Im Vorfeld mag so manch einer sich vielleicht fragen, wie man denn eine ganze Nacht um die 0°C aushalten kann. Essen, Trinken, Schlafen – das alles mit kalten Zehen? Keineswegs!

Auf der Suche nach einem neuen Erlebnis habe ich meine Moon Boots und meine Skiunterwäsche eingepackt und mich auf den Weg ins Allgäu, nach Oberstdorf, gemacht. Dort haben Abenteuerlustige die Möglichkeit, in 1936 Metern Höhe eine Nacht in einer Iglu-Lodge auf dem Nebelhorn zu Verbringen.

Gemütliches Beisammensein im Restaurant- und Bar-Iglu © IgluLodge/Allgäu Events

Gemütliches Beisammensein im Restaurant- und Bar-Iglu © IgluLodge/Allgäu Events

Wie jetzt, Iglu-Lodge?

Ich weiß ja nicht, wie viele von Euch schon mal ein Iglu gesehen haben – ich für meinen Teil war schon ziemlich fasziniert beim Anblick der Lodge. Ein Dorfplatz wird von 12 Iglus umsäumt, die Schlafplätze für 2 oder 4 Personen enthalten. Auch Bar, Restaurant und WC befinden sich je in einer eigenen runden Schneehütte. Die etwas exklusivere Art der Nächtigung bietet die einzige Iglu-Suite, die einen eigenen Whirlpool für ihre beiden Gäste bereit hält.

Die Iglu Lodge von oben © Verena Ablinger

Die Iglu Lodge von oben © Verena Ablinger

Aufgebaut wird das außergewöhnliche Berghotel mithilfe aufblasbarer Ballons, welche mit Luft gefüllt und danach von der Schneefräse mit Schnee bedeckt werden. Über Nacht festigt sich das Ganze und sackt zusammen, sodass am nächsten Tag die Luft aus den Ballons gelassen werden kann.

Abschließend zieht man sie ganz einfach aus den fertigen Iglus heraus et voilà – das Iglu steht. Die Stromversorgung erfolgt über die Nebelhornbahn und den daran angrenzenden Vierer-Sessellift. Dadurch gibt es ausreichend Strom für alle Iglus und die Pools.

Alles andere als eisig…

Lokale Künstler verzieren mit Schnitzereien die Wände der Iglus © Verena Ablinger

Lokale Künstler verzieren mit Schnitzereien die Wände der Iglus © Verena Ablinger

… ist die Atmosphäre! In der Iglu-Lodge gilt die gleiche Regel wie bei unserem SpaCamp: Guides und Gäste – alle sind per Du. Dadurch ist ein angenehmer Rahmen für nette Gespräche geschaffen und die Stimmung ist von Beginn an entspannt und locker.

Die Zusammenarbeit mit lokalen Künstlern trägt dazu bei, dass das Ambiente im Inneren der Iglus wahrlich beeindruckend ist. Große Schnitzereien im Eis mit wechselnder Beleuchtung sorgen für eine ganz besondere Atmosphäre und zeigen viel Liebe für Details.

Auch das Abendessen animiert zum gegenseitigen Austausch. Es besteht entweder aus einem typischen Allgäuer Käsefondue oder einem Gulasch. Für was auch immer man sich als Gast entscheidet: die Guides sind überaus motiviert, wenn es darum geht, der Verdauung mittels eines Schnäpschens ein wenig auf die Sprünge zu helfen…

Nass, bei 0°C, Socken anziehen?

Um sich die kalten Zehen zu wärmen, steht ein Whirlpool zur Verfügung. Sechs Personen finden gleichzeitig Platz und können bei knapp 40°C unterm Sternenhimmel plantschen. Außer natürlich man nächtigt in der Iglu-Suite – dann sitzt man wie bereits erwähnt zu zweit im eigenen Pool und kann nach Lust und Laune im Wechsel zwischen Schnee und Wasser die Durchblutung anregen.

Rentierfelle sorgen für eine gute Wärmedämmung © Verena Ablinger

Rentierfelle sorgen für eine gute Wärmedämmung © Verena Ablinger

Nass, bei 0°C, im Bikini seine Socken anziehen klingt ja nicht gerade unterhaltsam. Mir stand die Skepsis ins Gesicht geschrieben, doch war ich im Endeffekt überrascht, wie gut der Körper die Wärme speichert und wie wenig man dann tatsächlich beim Abtrocknen und Ankleiden friert. Wieder mal was gelernt!

Je nach Gruppendynamik findet der gemeinsame Abend früher oder später sein Ende – die Guides richten sich da ganz nach ihren Gästen. Danach geht´s ab ins Schneebett, welches aus – wie der Name schon sagt – Schnee, einer Wärmedämmung und einer Schicht Schaumstoff besteht.

Weich und warm wird das Schlafgemach durch Rentierfelle und jeder Gast hat seinen eigenen Schlafsack mit Hygiene-Inlay. Ist man erstmal eingepackt, dann schläft man wie ein Baby, denn so ein Tag in der frischen Luft macht ganz schön müde. Die Temperaturen in den Iglus liegen konstant um den Gefrierpunkt. (Nachts die Toilette aufzusuchen macht also wirklich ziemlich wenig Spaß!)

Luftige Herausforderungen

Natürlich gibt es in so luftiger Höhe bei Kälte jede Menge Herausforderungen, die es zu meistern gilt. So steht in der Bar ein Kühlschrank, um die Getränke „warm zu halten“, denn sobald zB. eine Apfelsaftschorle den wohlig warmen Kühlschrank verlässt, bilden sich auch schon die ersten kleinen Eiskristalle.

Im Restaurant gibt es Allgäuer Käsefondue oder Gulaschsuppe © IgluLodge/Allgäu Events

Im Restaurant gibt es Allgäuer Käsefondue oder Gulaschsuppe © IgluLodge/Allgäu Events

Zudem fallen in einem Hotel normalerweise jede Menge Gläser, Flaschen, Becher, Verpackungen und sonstiger Müll an. Dem wird überaus effektiv entgegengewirkt, indem jeder Besucher seine eigene Iglu-Tasse bekommt, die er mit seinem Namen versieht. Darin wird zu Beginn der Begrüßungstrunk serviert und im weiteren Verlauf kann sie für Glühwein, Tee & Co verwendet werden. Auch der Guten-Morgen-Tee, der einem direkt an den Schlafsack serviert wird, kommt in diese eine Tasse.

Der Teilnehmer freut sich über das Geschenk, die Natur bedankt sich für  weniger Müll und die Lodge-Guides freuen sich über minimales Gläserspülen! Somit sind alle glücklich. Und eine nette Erinnerung für zu Hause gibt´s obendrauf.

100% ökologisches Baumaterial

Die Eingänge zu den Iglus © Verena Ablinger

Die Eingänge zu den Iglus © Verena Ablinger

Als ich mir im Nachhinein so meine Gedanken zu dem Konzept gemacht habe, wurde mir bewusst, wie nachhaltig diese Art der Nächtigung grundsätzlich ist. Alles, was man aus Schnee oder Eis formen kann, ist daraus geformt.

Nachdem Hilfsmaterialien, wie zum Beispiel Tischplatten oder Schaumstoffunterlagen entfernt wurden, werden die Iglus ab April ihrem Schicksal überlassen. Letzte Überreste der ökologischen Bausubstanz stehen dann noch bis in den Sommer – meist bis Juli. Danach verabschieden auch sie sich.

Rote Bäckchen & klarer Geist

Bei einer Nacht im Iglu ist man der Natur ganz nahe und spürt, wie gut dem Körper die frische Luft tut. Der Kreislauf wird mal so richtig auf Touren gebracht und der Geist genießt zur gleichen Zeit die Ruhe und in gewisser Weise auch die Einfachheit. Funktionskleidung und ordentliches Schuhwerk sind natürlich die Basis für einen gelungenen Aufenthalt aber eins steht fest:

Nachts mehr oder weniger alleine in den Bergen zu sein ist schon abenteuerlich und sicherlich auch ein klein wenig mystisch.

Nachts im Dunklen wird die Stimmung beinahe mystisch © Verena Ablinger

Nachts im Dunklen wird die Stimmung beinahe mystisch © Verena Ablinger

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