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Fachkräftemangel in der Wellness-Branche: Lösungsansätze zur Personalbindung

Undankbare Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung und hoher Einsatz – diese Schlagworte hört man immer öfter in Verbindung mit Berufen der Wellness-Branche. Gut ausgebildete Fachkräfte im Spa zu bekommen, gestaltet sich demzufolge schwierig. Da stellt sich die Frage: an welchen Rädchen kann ein Spa drehen und wo müssen die Hebel angesetzt werden?

Fachkräftemangel – sind Allrounder sinnvoll?

Wellnesstrainer – ein Trend. Bis vor ca. 5 Jahren. Noch vor wenigen Jahren boomten die Ausbildungen zu Allroundern für die Wellnessbranche. Mittlerweile, so ist zumindest mein subjektiver Eindruck, fragt niemand mehr nach der angesprochenen Spezies, die zur Gattung der Allrounder zählt.

Mehrmals schon habe ich gehört, „die können alles, aber nichts richtig“. Die Aussage kann und darf ich natürlich nicht so stehen lassen. Es gibt zum einen sehr unterschiedlich ausgebildete Wellnesstrainer und zum anderen auch sehr viele gute in der Branche. Und eines ist klar:

Ein Allrounder ist erst einmal ein guter Mitarbeiter, denn er ist flexibel und noch dazu willens und in der Lage, Aufgaben wahrzunehmen, die seiner Stellenbeschreibung oder seiner eigentlichen Ausbildung nicht unbedingt entsprechen.

Eine Einstellung, mit der reine Fachkräfte manchmal ihre Probleme haben.

Stolperstein: Einarbeitung

Heute werden vor allem Fachkräfte gesucht, die eine staatlich geprüfte ca. 3-jährige Ausbildung mitbringen wie Physiotherapeuten, Fitnesskaufleute, Medizinische Bademeister und Masseure, Kosmetiker/innen. Aber genau die fehlen.

Konkreter gesagt, es fehlt nicht die Menge, es fehlt die Güte. Zudem sind aufgrund der Angebotsdifferenzierung Spezialkenntnisse gefragt, die Fortbildungen erfordern oder aufwendige Einarbeitungen. Am letztgenanntem Punkt kommen viele Betriebe aber laut eigenen Aussagen nicht mehr vorbei, denn die Grundlagen fehlen.

Warum fehlen die guten Fachkräfte?

Thesen:

  • Es wird falsch ausgebildet
  • Es wird zu kurz ausgebildet
  • Bewerber von heute haben andere Ansprüche an den Job (Stichwort Generation Y)
  • Es wird schlecht bezahlt
  • Die Arbeitszeiten sind undankbar
  • Es wird ein hohes Maß an Einsatz eingefordert
  • Jobs kämpfen mit einem schlechten Image

Angebotsvielfalt im Spa-Menü und der Anspruch an die Mitarbeiter

Wie vielfältig muss das Spa-Menü sein? Eine gute Speisekarte ist auch nicht jene mit 100 Gerichten. Es ist die mit dem, was häufig und gerne gegessen wird, frisch ist und die Küche besonders gut kann.

Dienstleistungen werden von Menschen angeboten und durchgeführt, an Know-how darf es dem Personal demnach vor allem in Zeiten steigender Gast-Erwartungen nicht fehlen. Je größer das Angebot jedoch ist, umso mehr muss auch der Mitarbeiter leisten. Bei der heutigen Vielfalt kann er aber gar nicht mehr alles können. Wer dies aber erwartet und nicht bereit ist, Know-how weiterzugeben oder jemanden für die Mitarbeiterentwicklung zu bezahlen, wird es immer schwer haben, gute Mitarbeiter zu haben.

Lösungsansätze: Der mangelnde Nachwuchs bewegt zum Umdenken

  • Selber aus-, weiter- und fortbilden
  • Durch Bildungspartner unterstützen lassen
  • Inhouse-Schulungen, Training on the Job, knowledge base schaffen
  • Employerbranding aufbauen (Beispiele u.a. Stock Team, Jungbrunn Karriere)

Es sind aber nicht nur große und mit Kosten verbundene Maßnahmen, die das Recruiting und die Personalbindung vereinfachen – gesunde und wertschätzende Führung sind manchmal wichtiger, als monetäre Anreize. Beachten Sie zudem bspw. folgendes:

  • Formulieren Sie Ihre Vision weit und groß über das Tagesgeschäft hinaus
  • Stellen Sie die Sinn stiftende Tätigkeit und die Nachhaltigkeit des angebotenen Produkts voran
  • Denken Sie daran, dass die Generation Y lieber mit statt für eine(r) Firma arbeitet
  • Junge Leute wechseln den Arbeitgeber auch mal, man bindet sich nicht mehr lebenslang an eine Firma – daher schaffen Sie Freiräume (Praktikum beim Partner-Hotel, flexible Arbeitszeit, flexible Arbeitsorte) und zeigen Sie Entwicklungspotenziale auf
  • Sprechen Sie potenzielle Bewerber (mit) zielgruppengerechter (An-)Sprache an – ein Selfie oder ein Handyvideo vom zukünftigen Kollegen, der Spaß bei der Arbeit hat, ist glaubhafter als der Chef
  • Teilen Sie gute Ideen und Ansätze, dann wird die gesamte Branche mit einem besseren Image versehen und die Fachkräfte wachsen nach