Spa MagazinFachthemen aus Spa, Wellness und Gesundheit

Alte Badekulturen: Das historische Phänomen Wellness – vom alten Rom bis in den Orient

In heutigen Wellness- und Spa Anlagen begegnen wir sehr häufig Bade- und Saunalandschaften, Anwendungen mit Wasser und speziellen Bäderritualen. Aber woher stammt diese Faszination für das Element Wasser und die damit verbundenen Bäder und Saunen?

Um die Eingangsfrage zu ergründen, müssen wir in der Geschichte weit zurückblicken. Die Heilwirkung von Mineral- und Thermalquellen wurde vom Menschen bereits in der Steinzeit erkannt und genutzt. Mit den ersten Zeugnissen der Menschheit beginnt auch die Geschichte des Badens.

Alte Badekulturen: von Mesopotamien nach Rom

Schon die mesopotamischen Hochkulturen vor gut 6.000 Jahren besaßen großzügige Baderäume. In Mesopotamien wurden Bewässerungsanlagen betrieben und in den Ruinen des Palastes von Mari (ungefähr 1.800 v. Chr. erbaut) gab es Badezimmer mit einem Doppelbad.

Bei den Völkern Ostasiens fanden Archäologen erste Funde von Urformen eines „Steinschwitzbades“. Erdräume, in denen Steine durch Feuer erhitzt und mit Wasser überspritzt wurden, um den Wärmeeffekt zu verstärken. Es war damals die einfachste Form der Körperreinigung. Durch die Völkerwanderung verbreitete sich diese „Ur-Sauna“ in alle Teile der Welt und erlebte dort unterschiedliche kulturbedingte Weiterentwicklungen, die teilweise noch bis heute bestehen.

Während der Antike entwickelten die Hochkulturen des Orients, Griechenlands und später insbesondere Roms eine differenzierte Badekultur. Diese diente der allgemeinen Förderung des Wohlbefindens, der rituellen Reinigung, der Heilung bzw. Vorbeugung von Krankheiten und schließlich auch der Unterhaltung und dem Zeitvertreib.

Griechenland – Baden als Bestandteil der Lebenskultur

Zu einem integralen Bestandteil der Lebenskultur etablierte sich das Baden mit seiner heilenden, pflegenden und entspannenden Wirkung im antiken Griechenland. Von Homer wissen wir, dass bereits die frühesten Griechen im 8. Jahrhundert vor Christus die erquickende Wirkung eines Bades zu schätzen wussten. Anhand frühgeschichtlicher Bäderfunde lassen die ersten altgriechischen Bäder aber eine nur einfache, fast primitive Gestaltung erkennen.

Die damalige Entwicklung öffentlicher Badeanstalten- und Sportstätten, Gymnasien genannt, fußte auf dem Bedürfnis der Athleten und Sportler, sich mittels Kaltwasser abzukühlen und grob zu reinigen. Da bei starker Verschmutzung der Athleten die Kaltbäder nicht ausreichten, wurden Schwitzbäder oder Heißluftbäder benutzt. Meist handelte es sich um einen kleinen Raum mit zentraler Feuerstelle. Erzeugt wurde die Hitze vermutlich durch Holzkohle, offenes Feuer oder mit Hilfe von Steinen. Heißluftbäder mit einer geringen Luftfeuchtigkeit von 10-15% und mit extrem hoher Hitze wurden von den Griechen auch wegen ihrer abhärtenden gesunden Wirkung geschätzt. Als typisch griechisch gilt das trockene Schwitzbad – von den Griechen Feuerbad genannt.

In den ersten öffentlichen Bädern des alten Hellas traf man sich mit Freunden zum Plaudern, zum Austauschen des neuesten Stadtklatsches und nicht zuletzt zum hitzigen Politisieren. Dabei dienten das Baden und das Wasser allgemein nicht nur der Reinigung des Körpers, sondern war auch Seelenmasseur und nicht zuletzt ein großer Kommunikator. Das Baden war überall im weitläufigen Groß-Griechenland vollkommen ins tägliche Leben einbezogen.

Ebenso wusste der griechische Arzt Hippokrates (460-377 v. Chr.) um die Wirkung und die Urkraft von Meerwasser. Alles Leben stammt aus dem Meer (griech. „thalassa“ – das Meer). Das Meer heilt die Krankheiten der Menschheit – hier liegen die Ursprünge der Thalasso-Therapie.

Rom – öffentliche Thermal-Badehäuser

Die Idee der Einrichtung eines warmen Bades stammte aus Griechenland und erreichte schließlich am Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. auch Rom. Obwohl die Badeanstalten griechischen Ursprungs waren (thermos – warm), hatten die römischen mit den griechischen nicht mehr viel gemeinsam. Die gewaltige Größe und die Verbindung mit anderen sportlichen oder kulturellen Möglichkeiten war allein eine römische Erfindung.

Die Römer machten das Baden durch die Errichtung großer, öffentlicher Thermal-Badehäuser zu einer beliebten Beschäftigung für die gesamte Bevölkerung. Diese Thermen waren in verschiedene Badebereiche aufgeteilt, die jeweils unterschiedliche Funktionen erfüllten und in einer bestimmten Reihenfolge besucht wurden. Zu den Grundbestandteilen gehörten das Tepidarium (tepidus, lat. = mild), das Caldarium (calidus, lat. = warm, heiß), das Laconium (Schwitzbad, vermutlich benannt nach der Volksgruppe der Lakonier) und das Frigidarium (frigidus, lat. = abkühlend).

Höhepunkt der römischen Badekultur waren riesige Thermen mit aufwendiger Heiztechnik, luxuriöser Ausstattung, Unterhaltungs- und Vergnügungssälen sowie Bibliotheken und Palästen, in welchen sportliche Wettkämpfe ausgetragen wurden. Gute Beispiele hierfür sind die Caracalla- und die Diokletian-Thermen in Rom.

Ägypten – ausgefeilte Baderiten und Massagen

Für die Ägypter hatte das Baden ebenso eine große Bedeutung, sowohl als religiöser Ritus, als auch für die persönliche Sauberkeit. In den Tempeln mussten die Priester 4-mal täglich in kaltem Wasser baden. Alle hochgeborenen Ägypter führten ausgefeilte Baderiten in Bädern aus, die mit Duftölen parfümiert waren. Sie hielten das Baden für sinnlich und beruhigend. Den Bädern folgten Massagen mit weiteren ätherischen Ölen, besonders Zedernholz.

Die ägyptische Herrscherin Cleopatra (von 69 bis 30 v. Chr.) soll täglich in Eselsmilch gebadet haben, um ihre Schönheit möglichst lange zu erhalten. Diese Form des Bades findet man heute noch häufig in Spas.

Orient – das türkische Bad Hamam

Ebenso ist die Badekultur in islamischen Ländern eng mit dem Glauben verknüpft. Ähnlich wie im Buddhismus gibt es im Islam eine Verbindung von körperlicher und seelischer Reinheit bzw. Unreinheit. Er kennt daher zahlreiche rituelle Bäder zu bestimmten Anlässen. Da der Koran zur Reinigung kein „stehendes Wasser“ zulässt, wurden in den Ländern, die die islamische Religion übernahmen, dennoch schon sehr bald die Badehäuser und Thermen nach römischem Vorbild erbaut. Man entwickelte das griechisch-römische Bad, das die Byzantiner benutzt haben nun weiter zu einer eigenen Badekultur, die vor allem auf dem Schwitzbad basiert.

Das Hamam, auch türkisches Bad genannt, entstand in der Zeit des osmanischen Reiches, primär um den strengen Reinlichkeitsvorschriften des Islam gerecht zu werden. Im türkischen Bad verschwimmen die Grenzen zwischen Sauna, Dampfbad und Massage. Heute wie damals dient es als Zeremoniell zur Entspannung und zur seelischen wie körperlichen Reinigung. Diese öffentlichen Badehäuser waren seit dem 3. Jahrhundert Zierde und Stolz der arabische Städte.

Rasul – orientalische Bade- und Schönheitszeremonie

Ein orientalisches Pflegezeremoniell, dem sich ursprünglich Haremsdamen unterzogen, bevor sie den Herrscher besuchten, war das Rasul oder Scheherezade-Bad. Es ist die arabische Variante der Waschungen in einem Hamam. Diese orientalische Bade- und Schönheitszeremonie zur Körperreinigung ist eine Kombination aus Ganzkörperschlammbehandlung, milder Überwärmung, Inhalation und Aromatherapie.

Wie es geschichtlich im Mittelalter und in der Neuzeit mit den Badekulturen weitergeht und wie wir das Wissen um die alten Traditionen in unseren Spas integrieren können, erfahren Sie im zweiten Teil.