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Rückblick NaturkosmetikCamp 2015: Engagement auf fachlicher und menschlicher Ebene

Vergangenes Wochenende, von 26. bis 28. Juni, ging das 2. NaturkosmetikCamp in Bad Häring, Tirol, erfolgreich über die Bühne. Für 130 Fachteilnehmer aus der Bio- und Naturkosmetikbranche standen Austausch und Kooperation im Mittelpunkt. 18 Themen wurden auf fachlicher, aber auch menschlicher Ebene behandelt und disktutiert.

Ankommen und ab in die Natur zur Kräuter-Wanderung!

Kräuterwanderung beim Naturkosmetikcamp 2015. Foto: Dirk Holst

Kräuterwanderung beim NaturkosmetikCamp 2015 in Bad Häring nahe Kufstein. Foto: Dirk Holst

Gestärkt mit einem Haselnussschnaps waren wir eingeladen, die Vielfalt an Wild-Gemüse und -Kräuter gleich vor der Haustür des Veranstaltungshotels Panorama Royal kennen zu lernen. Die Kräuter-Expertinnen Marianne Steinbacher und Eva Einwaller zeigten, worauf man achten muss, wie welche Krätuer wirken und was tatsächlich auch genießbar ist.

Wieder zurück und mit dem Namensschild ausgestattet, starteten wir das NaturkosmetikCamp erstmalig schon am Freitagabend mit der BarCamp-typischen Vorstellungsrunde. Die 130 Teilnehmer aus dem gesamten deutschsprachigen Raum waren aufgefordert, sich mit 3 Wörtern – nicht mehr und nicht weniger – vorzustellen. Ob es an der guten Disziplin oder an der Vorfreude auf das bevorstehende Abendessen lag, so schnell wie dieses Mal war die Vorstellung bisher noch nie zu Ende.

Vorstellungsrunde mit 3 Tags beim Naturkosmetikcamp 2015. Foto: Dirk Holst

Vorstellungsrunde mit 3 Tags beim NaturkosmetikCamp 2015 auf der Terrasse. Foto: Dirk Holst

Nach einer kulinarischen Reise um die Welt, einem Buffet mit Fisch, Fleisch und vielen veganen Köstlichkeiten, war genügend Zeit für einen ersten intensiven Austausch. Die traumhafte Umgebung, mit beeindruckendem Panoramablick in die Tiroler Bergwelt, zeigte sich von ihrer besten Seite und die lauen Sommertemperaturen auf der Terrasse erfreuten die Seele.

Das NaturkosmetikCamp ist definitiv kein Wellnessurlaub!

Wer sich schon von der Gemütlichkeit am Freitag hat anstecken lassen, wurde wohl am Samstag früh jäh aus dem „Wellnessurlaub“ gerissen. Denn ab sofort war „Arbeiten“ angesagt. Nachdem die Punkte gezählt und der Sessionplan im Plenum vorgestellt war, ging es auch schon los mit den ersten Sessions in den 3 parallelen Räumen. Alle behandelten Themen können hier in der Agenda nachgelesen werden und wir werden diese auch nochmal am Donnerstag in einem separaten Blog genauer behandeln. Eines möchte ich aber jetzt schon sagen: ich war sowohl von der Tiefe und Breite der Themen, als auch der Leidenschaft und persönlichen Überzeugung die Session-Leiter überwältigt. Immer wieder war spürbar:

Natur- und Biokosmetik ist kein Produkt sondern eine Lebenseinstellung

Diese positive Einstellung übertrug sich (natürlich) auf alle Teilnehmer. Das führte dazu, dass, obwohl die Themen-Dichte und Vielfalt enorm war, immer wieder ungeahnte Kräfte freigesetzt wurden und die Stimmung sehr freundschaftlich, fast schon familiär war – von Konkurrenz keine Spur. Wie selbstverständlich wurden Ideen ausgetauscht, Tipps gegeben oder einfach mal „nur“ auf die Schulter geklopft. Wir sind uns zwar nicht immer einig, aber wir sind eine Gemeinschaft mit doch sehr ähnlichen Wertvorstellungen und nur gemeinsam können wir das Thema Natur- und Biokosmetik im Markt weiter voranbringen.

130 Teilnehmer beim NaturkosmetikCamp 2015 im Panorama Royal. Foto: Dirk Holst

130 Teilnehmer beim NaturkosmetikCamp 2015 im Panorama Royal. Foto: Dirk Holst

Können wir die Welt ändern?

Schnell waren die ersten 6 intensiven Sessions auch schon um und die Teilnehmer freuten sich bereits, sich nach einem ausgiebigen Mittagessen, einfach nur in den Sessel fallen zu lassen und den Worten unseres diesjährigen Keynote-Speakers zu lauschen. Doch weit gefehlt. Denn, mit einem passiven Publikum gab sich Aktivist und Autor Christian Felber nicht zufrieden. Christian nahm uns mit auf eine Reise in eine mögliche Zukunft dieser Welt. Er zeigte auf, dass unser westlicher Kapitalismus wenig mit den jeweiligen Verfassungen zu tun hat. In Bayern steht beispielsweise:

Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl!

Veranstalter Wolfgang Falkner mit Keynote Christian Felber beim Naturkosmetikcamp 2015. Foto: Dirk Holst

Veranstalter Wolfgang Falkner mit Keynote Christian Felber beim Naturkosmetikcamp 2015. Foto: Dirk Holst

Wenn aber nicht das Wohl der Menschen im Vordergrund steht, sondern lediglich der Umsatz oder Gewinn von Volkswirtschaften oder Unternehmen gemessen wird, handelt es sich offensichtlich um einen Widerspruch. Wir müssen uns entscheiden, ob wir uns damit zufrieden geben, dass im Endeffekt Geld die Welt regiert oder wir uns für echte demokratische Strukturen einsetzen wollen. Eines wurde bisher hinreichend bewiesen: eine Wirtschaft die vom puren Kapitalismus getrieben ist, achtet weder auf das Wohl eines einzelnen Menschen, noch auf die Ökosphäre als Lebensgrundlage für Mensch, Tier und Pflanzen. Positiv stimmt, dass laut einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung 90% der Befragten sich eine neue Wirtschaftsordnung wünschen.

Geld sollte immer nur Mittel und nie Zweck des wirtschaftlichen Handelns sein.

So sollte es in einer gerechten Welt, wie anhand eines kleinen Spiels schnell klar wurde, nicht möglich sein, dass ein Mensch das X-Tausendfache eines anderen verdienen kann. Der minutenlange Applaus am Ende gab Christian Felber Recht, dass es sich lohnt, für einen Traum zu kämpfen. Für mich war es beeindruckend, einen Menschen live erleben zu dürfen, der einfach nur versucht, die Welt zu ändern (oder zu retten).

Vielfältige Sessions und ein intensiver Workshop voller Vorurteile 😉

Nach der Keynote standen bereits die nächsten 6 Sessions auf der Agenda, dicht gefolgt vom gemeinsamen Motto-Workshop, wo noch mal alles an Energie abverlangt wurde. Zur Erinnerung: Nein, das NaturkosmetikCamp ist kein Wellnessurlaub, obwohl es in einem der schönsten Wellness-Hotels in Österreich stattfand.

10 Gruppen beim Motto-Workshop des NaturkosmetikCamp 2015. Foto: Lilli Vogl

10 Gruppen beim Motto-Workshop des NaturkosmetikCamp 2015. Foto: Lilli Vogl

Weil wir, wie gesagt, im kommenden Blogpost alle Themen sowieso genauer behandeln, möchte ich hier gerne näher auf den Workshop eingehen. Die Frage war: Wie können wir die, leider immer noch vorherrschenden, Vorurteile gegenüber Natur- und Biokosmetik entkräften? Wie können wir die Vorteile noch besser in Szene setzen? Jede der 10 Gruppen erhielt ein Vorurteil: Verträglichkeit, Geruch, Wirksamkeit, Haltbarkeit, Preis, Konsistenz, Transparenz, Image, Produktumfang, Verfügbarkeit. Zeit: etwa 1 Stunde. Danach sammelten wir die Ergebnisse ein, die wir gerne hier vorstellen. Ich bin schon sehr gespannt auf die Videoimpressionen. Danke für die zum Teil sehr humorvolle Herangehensweise an ein eigentlich ernstes Thema.

Der Abend war gekommen. Zeit zum Entspannen (wenn man möchte)

Zeit zum Netzwerken beim NaturkosmetikCamp 2015 im Panorama Royal. Foto: Dirk Holst

Zeit zum Netzwerken beim NaturkosmetikCamp 2015 im Panorama Royal. Foto: Dirk Holst

Live Musik mit Brennholz beim Naturkosmetikcamp 2015. Foto: Dirk Holst

Live Musik mit Brennholz beim Naturkosmetikcamp 2015. Foto: Dirk Holst

Nach dem Workshop war endlich Zeit, den Wellnessbereich zu erkunden, sich im Pool zu entspannen oder sich einfach nur am Zimmer für das gemeinsame Abendessen frisch zu machen. Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, weil wir unsere Teilnehmer noch um 17.00 Uhr mit einem sehr intensiven Workshop forderten. Doch meine Befürchtung war umsonst. Denn niemand ließ sich hier so schnell unterkriegen und der Energielevel war immer noch überraschend hoch.

So ging es, dank des stärkenden Gala-Dinners mit veganen Schwerpunkten aber auch einem alternativen Fleisch-Hauptgang und der sehr schwungvollen Live-Musik mit der Band Brennholz noch bis spät in die Nacht munter weiter.

Das NaturkosmetikCamp neigt sich dem Ende zu. Zeit für einen Ausblick!

Sonntag, 9.00 Uhr: der letzte Block aus insgesamt 6 Sessions hat begonnen. Die Müdigkeit war schnell verfolgen, denn die Themen waren einfach zu interessant. Auch am Sonntag viel es schwer, sich zu entscheiden, in welchen der 3 Workshop-Räume man letztendlich gehen sollte.

Bei der Thesenzusammenfassung konnten nochmal alle Teilnehmer den Ergebnissen aus allen Sessions lauschen. Alle Ergebnisse gibt es hier. Nach der kurzen Feedbackrunde (vielen Dank für die konstruktiven Verbesserungsvorschläge und die wieder sehr bewegenden Komplimente), wagten wir noch einen kleinen Ausblick in die NaturkosmetikCamp-Zukunft. Im August wird die neue Website inkl. Fachblog und Community online gehen. Die Teilnehmer sind eingeladen, nicht nur einmal im Jahr beim Camp mitzumachen, sondern Gast-Autor im Web zu werden, um auch während des Jahres über relevante Themen berichten zu können. Wir freuen uns über viele Bewerbungen.

In blühender Natur beim Naturkosmetikcamp 2015. Foto: Dirk Holst

In blühender Natur beim Naturkosmetikcamp 2015. Foto: Dirk Holst

Wer gerne 2016 wieder dabei sein möchte, sollte sich nicht nur das voraussichtliche Veranstaltungswochenende 24. bis 26. Juni 2016 grün im Kalender anstreichen, sondern auch den 1. Februar. Denn da beginnt wieder der Run auf die begehrten Teilnehmerplätze. Wo das NaturkosmetikCamp stattfinden wird, werden wir noch in diesem Jahr verraten. Die Latte liegt hoch, sehr hoch. Daher werden wir alles geben, für ein unvergessliches 3. NaturkosmetikCamp 2016 zu sorgen. Wenn Du einen spannenden Tipp hast oder selbst ein Hotel führst, das sich mit Naturkosmetik identifiziert, dann freue ich mich über Deine Kontaktaufnahme. Hier geht’s zu den Eckdaten.

Danke an alle, die mitgemacht haben und uns unterstützen – Teilnehmer, Team und Partner! Nicht vergessen: wir sind Viele!

Das Team beim Naturkosmetikcamp 2015. Foto: Dirk Holst

Das Team beim Naturkosmetikcamp 2015. Foto: Dirk Holst

Video zum NaturkosmetikCamp 2015 auf YouTube

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