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Gesundheitstourismus für kleinere Häuser: Wie können Leistungsträger von diesem Trend profitieren?

Derzeit wird der Gesundheitsreisemarkt vorwiegend von der Hotellerie im 3 bis 5 Sterne Bereich beherrscht, allerdings möchten auch viele kleinere Häuser von der Nachfrage nach Gesundheitsangeboten profitieren. Was können sie tun, um auf diesen Trend zu reagieren?

Viele große Wellnesshotels haben interessante Gesundheitsangebote entwickelt oder sich komplett auf den Gesundheitstourismus spezialisiert. Kleinere Leistungsträger tun sich gelegentlich aber noch schwer, ein adäquates Angebot zu entwickeln. Der kontinuierliche Austausch mit den Anbietern und die langjährige Erfahrung haben mittlerweile aber einige Methoden gezeigt, die gut funktionieren bzw. Potenzial haben.

Gesundheitstourismus: Positionierung und Spezialisierung

An erster Stelle steht vor allem die grundsätzliche Ausrichtung und Einstellung des Hauses. Um auf dem gesundheitstouristischen Markt tätig zu sein, muss sich das Hotel klar positionieren und gesundheitsorientierte Leistungen anbieten. Dazu gehört auch die Ausstattung des Hauses mit natürlichen Materialien, gesundem Essen und natürlich die Einstellung der Mitarbeiter.

Am Wichtigsten ist die gezielte Spezialisierung. Gerade als kleines Hotel ist es nicht möglich, die verschiedenen gesundheitlichen Bedürfnisse der Gäste zu erfüllen. Viele Häuser spezialisieren sich vor allem im Bereich Fasten. Hierfür bedarf es geringer Investitionen und die Umsetzung ist relativ leicht in den normalen Hotelalltag zu integrieren. Die Kundennachfrage zeigt auch, dass Fastenangebote verstärkt gewünscht werden. Allerdings muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass auch hierfür das Personal umfangreich geschult sein sollte.

Eine weitere Möglichkeit zur Spezialisierung im Gesundheitstourismus stellt die Nutzung der bestehenden Gegebenheiten dar. Hierfür eignen sich vor allem natürliche Ressourcen, wie Moor, Höhenluft, Hopfen oder ähnliches. Mit diesen Bestandteilen werden dann wiederum spezielle Angebote entwickelt.

Mitarbeiter und Kooperationen

Vielfach erweist sich auch der Faktor Mensch als großer Erfolgsfaktor. Hierbei arbeitet man mit Experten aus dem Ort zusammen oder das eigene spezialisierte Wissen wird weitergegeben. Oftmals haben auch die eigenen Mitarbeiter im Betrieb gesundheitsspezifische Interessen und Erfahrungen. Durch Seminare vertiefen sie diese und geben sie dann professionell an die Gäste weiter. Daraus werden dann Angebote mit kleinen Seminaren oder speziellen Wanderungen, wie z.B. Kräuter- oder Meditationswanderung sowie besondere zielgruppenspezifische Kochkurse entwickelt.

Gerade für kleinere Häuser empfiehlt sich die Entwicklung von Kooperationen mit gesundheitsspezifischen Partnern. Hierfür wird beispielsweise mit einer Therme, einer physiotherapeutischen Praxis oder aber auch mit Heilpraktikern zusammengearbeitet. Dieses Konzept stellt für kleine Hotels eine wettbewerbsgerechte Alternative dar, da dadurch richtige Experten eingesetzt werden. Allerdings ist diese Form auch am Schwierigsten umzusetzen. Bei der Produktentwicklung muss hier auf die verfügbaren Vakanzen geachtet werden. Der Partnerbetrieb muss freie Termine für die Gäste des Hotels haben. Demzufolge bedarf die Ausarbeitung solcher Angebote einer detaillierten Planung.

Von der technologischen Entwicklung profitieren

Vor allem der technologische Fortschritt stellt für kleine Häuser ein sehr großes Potenzial dar. Hier werden durch Kooperationen mit Technikanbietern ganz besondere Angebote entwickelt. Beispielsweise nehmen die Gäste vor dem Urlaub ihre Daten auf und lassen sich durch Armbänder tracken. Diese werden dann zusammen mit Experten vor Ort ausgewertet.

Während des Urlaubs werden dann Übungen durchgeführt und im Anschluss wird alles in einem speziellen Profil in einem Portal festgehalten. Durch das Gesundheitsportal bekommen die Gäste auch nach dem Urlaub einen langfristigen Gesundheitsbericht und holen sich darin umfangreiche individuelle Tipps und Ratschläge.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass die Gäste während des Urlaubs spezielle technische Geräte für die Gesundheitsförderung testen. Für eine solche Form der Zusammenarbeit mit innovativen technologischen Entwicklungen bedarf es einer umfangreichen  Recherche auf dem Markt und im wissenschaftlichen Bereich.

Sehr empfehlenswert ist auch die Zusammenarbeit mit der Region auf Bundesebene. Viele Regionen befinden sich in der Forschung und Entwicklung von gesundheitstouristischen Angeboten, welche gezielt gefördert werden. Hier profitieren sie durch eine frühe eigene Integration und dem ständigen Austausch von dem gesammelten Wissen und Kontakten.

Ein Beispiel aus der Praxis: Das Hotel Lebensfreude

Urlaub und Erholung nach einer anstrengenden Therapie im Hotel Lebensfreude, Bad Mitterndorf, Österreich. Foto: Bettina Brandstätter / Hotel Lebensfreude

Urlaub und Erholung nach einer anstrengenden Therapie im Hotel Lebensfreude, Bad Mitterndorf, Österreich. Foto: Bettina Brandstätter / Hotel Lebensfreude

Derzeit werden bereits die ersten Erfahrungswerte von kleineren Leistungsträgern im gesundheitstouristischen Bereich gesammelt. Ein äußerst interessantes Konzept bietet beispielsweise ein kleines Hotel in Österreich, das Hotel Lebensfreude. Das Haus heißt krebskranke Patienten willkommen, die sich nach der anstrengenden Therapie nach einem Urlaub, nach Erholung sehnen.

Die Hotelinhaberin ist gelernte Krankenschwester und kann sich fachgerecht um die spezialisierten Bedürfnisse der Gäste kümmern. Eine interessante Erkenntnis war hier die komplexe Kommunikationsstrategie und deren Implementierung, um sowohl die reguläre Übernachtungsleistung als auch das besondere Angebot zu bewerben.

Chance für kleine Betriebe – die Nähe zwischen Urlaubern und Fachkräften

Allgemein kann festgehalten werden, dass auch für kleine Betriebe verschiedene Möglichkeiten bestehen, um vom Gesundheitstourismus zu profitieren. Vor allem durch die Erhaltung des normalen Übernachtungsbetriebs und der Spezialisierung auf ein gesundheitsspezifisches Thema bestehen hier gute Potenziale. Langfristig braucht der Markt auch diese Angebote, um alle Bedürfnisse zu erfüllen. Oft ist sogar die Nähe in kleineren Häusern zwischen Urlaubern und Fachkräften ein besonderes Qualitätsmerkmal.