FachBlog

Als Visiting Master im Ananda Spa in Indien

Voller Vorfreude verbrachten wir die letzten 4 Stunden unserer Anreise im Shatabdi – dem indischen ICE. Unser Ziel: das – in der Spa Welt berühmte – Ananda Spa. Einen Monat lang waren wir dort als Visiting Master vor Ort und waren mit unserem Self Healing Ritual für die Gäste da. Eine besondere Erfahrung, die ich heute mit Euch teile.

Wir schoben unsere Koffer durch das wahnsinnige Gewühl des indischen Bahnhofs. Ein Fahrer des Ananda Spa sollte uns abholen. Doch da waren Hunderte von Menschen, kein Fahrer. Chaos. Wohin nun? Plötzlich, wir hatten bereits die Handys gezückt, rannte ein aufgeregter junger Mann auf uns zu. Der Fahrer. Er hatte an einem anderen Eingang gewartet. Indien. Crazy. Andere Welt.

Als Visiting Masters im Ananda Spa in Indien: Leela Isani und Frank Weckesser. Foto: Frank Weckesser

Als Visiting Masters im Ananda Spa in Indien: Leela Isani und Frank Weckesser. Foto: Frank Weckesser

Das Ananda Spa: am Fuße des Himalaya, über dem Ufer des Ganges

Das Aarti, ein rituelles Feueropfer, wird Jeden Abend am Ufer des Ganges gebracht. Foto: Frank Weckesser

Das Aarti, ein rituelles Feueropfer, wird Jeden Abend am Ufer des Ganges gebracht. Foto: Frank Weckesser

Das Ananda Spa liegt ca. 700 m hoch am Fuß des Himalaya und überblickt die heilige Stadt Rishikesh am Ufer des Ganges. Jeden Abend wird am Ufer ein rituelles Feueropfer gebracht. Dieses Ritual nennt man Aarti. Das Aarti wird so seit tausenden Jahren durchgeführt. Üblicherweise werden ein kleines Licht (eine Kerze oder eine sogenannte diya, ein kleine tönerne Öllampe) und einige Blüten auf ein Schiffchen, oft aus großen Blättern, gesetzt und der Göttin Ganga gewidmet. Symbolisch verbrennt man mit dem heiligen Feuer alles, was man loslassen möchte und reinigt damit Körper und Geist. Für das reinigende Feuer steht Shiva, der Erneuerer. Ein traditionelles Ereignis, das wir einige Male während unseres Aufenthalts besucht haben.

Das Ananda hat somit definitiv auch energetisch eine Traumlage mit täglicher Sonnenaufgangs und -untergangs-Magie. Die Einfahrt beeindruckt durch den alten (heute unbenutzten) Maharajah Palast und den als Empfangsgebäude, Tea Library und für einige Suiten und Yoga Rooms dienenden Viceregal Palace, einst erbaut als Gästehaus von Lord Mountbatten. Man spürt es: Das Ananda Spa atmet Kolonialgeschichte.

Wellness beginnt mit Luft, Raum und Grün.

Und von all dem hat man hier im angenehmem Bergklima mehr als genug. Das Areal des Ananda Spa erstreckt sich über eine ganze Bergkuppe mit herrlich duftenden Sträuchern und Bäumen teilweise steilen Wegen (super Kreislauftraining, oder eben Electro-Buggy).

Das Spa als Ziel statt Add-On

Herz des weitläufigen Geländes ist natürlich das Spa, welches hier nicht „add-on“, sondern das Ziel der Gäste aus aller Welt ist. Dies zeigt sich auch dadurch, dass man im Prinzip mit kleinstem Gepäck kommen kann: denn täglich frisch gibt es einen weißen Yoga-Dress im Zimmer, der die Gäste ganz auf Wellness uniformiert. Das Spa preisgekrönt, weitläufig, grosszügig, leicht in die Jahre gekommen, ist ganz eindeutig der Fokus des Ganzen.

Die Spa Rezeption im Ananda Spa. Hier nicht add-on sondern das eigentliche Ziel. Foto: Frank Weckesser

Die Spa Rezeption im Ananda Spa. Hier nicht add-on sondern das eigentliche Ziel. Foto: Frank Weckesser

Ein umfangreiches Behandlungsprogramm, ganzjährige Besuche von Visiting Masters, täglicher Vedanta Unterricht, Yoga (praktiziert und gelehrt wird das traditionelle Yoga der Bihar School), Meditation, Pranayama (yogisches Atmen) bilden eine starke Synergie für Regeneration und Entspannung. Auch Ayurveda wird geboten, allerdings in Ausschnitten. Das Ananda Spa ist kein Platz für reines Panchakarma. Großer Wert wird auch auf eine gesunde und frische Küche gelegt. Das Restaurant verfügt über eine herrliche Terrasse mit Blick über die Gangesebene durch den Wald hindurch.

Ein Ritual für Inspiration, Einsicht & Erkenntnis

Unser Self Healing Ritual ist aufgrund der eingebauten Übungen, des einfühlsamen Gesprächs und der Verbindung mit der Seele eine gute Ergänzung für das Spa Programm, das weitgehend auf physischer Ebene stattfindet und kaum die persönlichen Prozesse des Gastes begleitet. Besonders intensiv waren die Erfahrungen der Gäste, die sich auch für tiefgehende Gespräche öffneten. Wir waren berührt, wie offen und vertrauensvoll viele Klienten sich mitteilten, die bei einem tiefgreifenden Lebensthema Unterstützung wünschten.

Jeden Abend, auf der wundervollen Terrasse, tauschten wir uns voller Dankbarkeit aus, immer wieder tief berührt von den – zum Teil auch dramatischen – Lebensgeschichten, die wir erfahren haben und glücklich, dass unser Ritual in den Menschen so viel bewegt. Nicht nur Linderung körperlicher Symptome sondern vor allem neue Inspiration, Einsichten, Erkenntnisse und ein wenig mehr in sich angekommen sein. Viele buchten gleich Folgesessions.

Nach den Erfahrungen der ersten Tage haben wir unser Angebot erweitert und das Ritual auch für Paare angeboten, Leela und ich haben dann im selben Raum behandelt, Leela die Frau und ich den Mann. Am Ende der Session haben wir das Paar durch ein abschließendes, verbindendes Ritual geleitet. Das Self Healing Ritual wurde als Couple Treatment ebenfalls gut angenommen.

Luxury Pampering vs. True Healing?

Der Ausblick auf Ganges und Rishikesh aus der Garden Suite. Foto: Frank Weckesser

Der Ausblick auf Ganges und Rishikesh aus der Garden Suite. Foto: Frank Weckesser

Unsere Zeit im Ananda Spa bestätigte einmal mehr, daß wir mit dem Self Healing Ritual eine Neuerung, eine transformatorische Ergänzung in die Behandlungswelt gebracht haben. Denn häufig gibt es wundervolle Behandlungen, auch gute Lebens-Instruktionen (siehe Vedanta Classes und Ernährungslehre) – doch das ganz persönliche Eingehen auf Lebensthemen, Emotionen und Kontakt zum Seelen-Impuls bieten nur wenige Spas der Branche. Dabei tritt die Suche nach Lebensorientierung und Erfahrung der Heilung tiefer emotionaler Wunden immer stärker hervor und dürfte auch das Anforderungsprofil an die Spas verändern. Luxury Pampering versus True Healing oder einfach beides in perfekter Harmonie.

In dieser wild rotierenden Welt scheinen Zufluchtsorte wie das Ananda Spa immer wichtiger zu werden, was die enormen Auslastungszahlen der hochpreisigen, doch im Verhältnis dazu recht bescheidenen, immerhin komfortablen Zimmern erklärt. Zugleich lohnt es sich, eine Kategorie zu wählen, die freien Blick auf den Ganges und das abendliche Lichtermeer von Rishikesh bietet.

Das Ananda in the Himalyas ist einer dieser besonders magischen Plätze, hier wirken die Kraft des Himalayas, des heiligen Flusses, der zeitlosen Weisheit der Yogis zusammen mit einem ausgezeichneten Spa, das viele Gäste zum regelmäßigen Wiederkehren beflügelt. Interessant, dass dies trotz der schicken, kürzlich eröffneten Konkurrenz in der Umgebung anhält. Wahrscheinlich, weil es einfach ein Magic Place ist. 2016 sind wir wiedereingeladen und kommen sehr gerne.