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Neue Raumidentitäten: Entspannungsraumkonzept DeepSea im Hotel Preidlhof

Müssen wir Strategien entwickeln, welche die wertvollen Bilder im eigenen Kopf vor schlechten, abgenutzten oder leeren Bildern schützen? Müssen wir verhindern, dass unser Kopf irgendwann so voll ist mit fremden Bildern, dass wir nicht mehr wissen, welches unsere eigenen Bilder sind? Wie müssen Räume – also dreidimensionale Realbilder – beschaffen sein, um mehr Freiraum zu sein? Ist es möglich von der Natur zu lernen, ohne dabei den oft plumpen Versuch zu unterliegen, billige Kopien anzufertigen?

Vom Einweg-Raum zum Leitraum

DEEPSEA ermöglicht - gänzlich ohne Projektion von Tiefseebildern – das Gefühl "Tiefsee". Die individuelle Programmierung erlaubt es, unterschiedlichste Atmosphären zu realisieren. Foto: sonami AG

DEEPSEA ermöglicht – gänzlich ohne Projektion von Tiefseebildern – das Gefühl „Tiefsee“. Die individuelle Programmierung erlaubt es, unterschiedlichste Atmosphären zu realisieren. Foto: sonami AG

Selbstverwirklichung und persönliches Wachstum bedürfen kreativer Prozesse und entspannter Atmosphären. Unterstellt man jedem Menschen eine ureigene Bereitschaft zur Innovation und Passion so sollte es Aufgabe eines jeden Raumes sein, diese Eigenschaften zu unterstützen. Setzt man den Wellnessgedanken auf Basis dieser Gegebenheiten um, entstehen Räume, welche die kreativen Aspekte der Persönlichkeit erfolgreich unterstützen. Grundsätzlich können diese Aspekte aber auch in allgemeinarchitektonische Überlegungen mit einfließen.

Die Zukunft der Entspannung am Beispiel DeepSea

Inspiriert von der kaum erforschten Welt der Tiefsee, haben wir mit dem Entspannungsraumkonzept DeepSea eine bisher weltweit einzigartige Idee im Hotel Preidlhof in Naturns (Südtirol/Italien) realisiert.

Insgesamt 12.500 LED-Elemente sind in dem 3 x 5 Meter großen Raum auf mehreren, transparenten Ebenen in allen vier Wänden sowie der Decke und dem Boden angeordnet. Jedes der LED-Elemente kann einzeln angesteuert werden – wie die Bildpunkte bei einem TV- oder Computerbildschirm. Durch die gezielte Ansteuerung einzelner Pixel und die Anordnung mehrerer Ebenen hintereinander, eröffnet diese Technologie vollkommen neue Möglichkeiten einer eher abstrakten, aber absolut realen dreidimensionalen Wahrnehmung.


Leuchtende Formen tauchen auf diese Weise langsam aus der Entfernung auf, verändern ihre Farbe, ziehen vorbei oder umhüllen uns komplett und verschwinden wieder im Nichts. Es entsteht – gänzlich ohne Projektion von Tiefseebildern – das Gefühl „Tiefsee“. Die individuelle Programmierung erlaubt es, unterschiedlichste Atmosphären zu realisieren. So passt sich der Raum den Bedürfnissen der Gäste an, wie ein Chamäleon an seine Umgebung.

Raumkonzepte die kreative Freiräume und somit Orte für Entspannung schaffen

Um Freiräume für Kreativität und Entspannung zu schaffen, müssen wir neue raumästhetische Grundlagen schaffen, die es ermöglichen, dass unsere inneren Bilder wieder – wie die Worte – den Ideen folgen und nicht umgekehrt. Die Faktoren Licht und Akustik sind eine Art innere, verborgene Gestaltungsebene, die aufgrund von Gewohnheiten im Bereich der Beleuchtung mehr – und im Bereich der Akustik weniger bewusst – wahrgenommen werden.

Ziel war es, ein Umfeld zu schaffen, das keine bekannten und somit interpretierbaren Raumerlebnisse, z. B. in Form einer Simulation, zulässt. Wir betreten stattdessen eine vollkommen neue Welt, die uns aber dennoch emotional vertraut ist.

Akustik

Die gesamte Raum-Basis-Konstruktion aus Holz ist auf speziellen Bodenmatten „schwingend“ gelagert um tief-frequenten Schall (Körperschall) von außen zu isolieren und tief-frequente Eigenresonanzen zu unterbinden. Sämtliche Anbindungen wie beispielsweise der Eingang, die Lüftungselemente und Kabeltrassen sind dabei akustisch vom Raum getrennt. Speziell entwickelte – mit schwarzem Filz kaschierte – Akustikelemente wurden zur Reduktion von Nachhallzeiten im hochfrequenten Bereich in der Decke integriert und zur Reduktion von Nachhallzeiten (Brummen) im tief-frequenten Bereich in den Seitenwänden als Plattenresonatoren verbaut.

Klaus Ladurner, Geschäftsführer Hotel Preidlhof (links) und Daniel Lathan, Geschäftsführer sonami AG (rechts). Foto: sonami AG

Klaus Ladurner, Geschäftsführer Hotel Preidlhof (links) und Daniel Lathan, Geschäftsführer sonami AG (rechts). Foto: sonami AG

Beschallung

Transparente Plexiglasscheiben an allen vier Wänden zum Schutz der dahinterliegenden LED-Elemente geben gleichzeitig – angeregt durch Körperschallwandler – Töne im mittel- und hochfrequenten Bereich ab. Der tief-frequente Bereich wird über ein im Boden integriertes Akustiksystem abgedeckt.

Licht

Die 12.500 einzeln adressierbaren LED-Elemente (RGB) sind auf Trägerprofilen aus Aluminium in allen vier Wänden, der Decke und dem Boden in mehreren Ebenen angeordnet, so dass in Kombination mit den akustischen Maßnahmen, Raumbegrenzungen vollkommen aufgelöst werden. Hocheffiziente LED-Elemente und Netzteile bewirken, dass der Raum während dem Betrieb nicht mehr Strom als das Netzteil eines Computers benötigt.

Steuerung

Mittels einer speziellen 3D Software zur Steuerung der einzelnen LEDs (Pixel) und Simulation des Raumes, werden insgesamt 34.500 Pixel in Echtzeit 3-dimensional gerendert. Unterschiedliche Licht- und Soundprogramme, können von den Gästen selbst ausgewählt werden. Das Touch-Panel im Vorraum dient des Weiteren zur Sprachauswahl und bietet die Möglichkeit, sich über den Raum zu informieren. Der Introtext bei Betreten des Raumes wird dabei an die ausgewählte Sprache angepasst.

Die Abrechnung erfolgt über einen 4-stelligen Code, der am Touch-Panel eingegeben wird. Unabhängig von der Eingabe eines Codes kann jeder Hotelgast den Raum betreten und sich einen Eindruck verschaffen. Wenn der Raum belegt ist, wird dies – inklusive der verbleibenden Zeit – über einen Info-Screen visualisiert. Ein spezielles Demo-Programm kann im Rahmen einer Führung durch Mitarbeitende aufgerufen werden.

Der Raum als dreidimensionales Realbild

Bild und Raum haben nicht nur auf der Seite des Rezipienten sehr ähnliche Wirkung. Über die Jahrhunderte hinweg wurden Theorien der Bildgestaltung auch auf den „realen“ dreidimensionalen Raum übertragen.

Räume verändern unsere Wahrnehmung der Welt und beeinflussen unsere Realität. Im Gegensatz zur Imagination durch Sprache ermöglichen Räume eine reale Sicht auf die Welt und verändern diese jedoch gleichzeitig. Hinzu kommt, dass der Fokus auf die visuelle Wahrnehmung – spätestens seit es den Fernseher gibt – verstärkt wurde. Folge:

Das Visuelle, das Bild und der Raum beeinflussen unsere Selbstwahrnehmung aber auch -darstellung.

Ob es um moralische Inhalte oder um Werbung für Konsumgüter geht: Bilder versuchen auf unsere Vorstellung der Welt Einfluss zu nehmen. Je unbewusster dies geschieht, desto erfolgreicher ist das Resultat. Während also der Verkaufsaspekt bei Gestaltungsprozessen immer mehr in den Mittelpunkt tritt, bleibt der Gefühlswert oft auf der Strecke. Es entsteht eine Art „Schein-Emotion„, die aufgrund ihrer Austauschbarkeit kaum nachhaltige Wirkung zeigt. Soll der Gefühlswert eines Raumes wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden, muss man sich als planende oder gestaltende Person mit der subjektiven Auffassung, der psychologischen Empfindungswelt, dem sozialen Hintergrund und der physiologischen Struktur der Nutzerinnen und Nutzer beschäftigen.

Es wurde ein nachhaltiges Konzept geschaffen, das in Zukunft durch Möglichkeiten der Interaktion (Bewegung, EEG, EOG oder EMG Messung und die Steuerung mittels APP) ergänzt werden kann. Foto: sonami AG

Es wurde ein nachhaltiges Konzept geschaffen, das in Zukunft durch Möglichkeiten der Interaktion (Bewegung, EEG, EOG oder EMG Messung und die Steuerung mittels APP) ergänzt werden kann. Foto: sonami AG

Erforderlich sind hierfür nicht nur die Kenntnis von natürlichen Prozessen und kreativen Denkweisen sondern auch der Bezug zur Anwendung. Entgegen der landläufigen Meinung, dass die architektonische Entwicklung eines Raumkonzeptes im Optimalfall auf ausschließlich rationalen Überlegungen basiert, bietet das Einbeziehen der ganz persönlichen Struktur und Gefühlswelt der Nutzerinnen und Nutzer, die Chance für individuellen Freiraum und Kreativität – und für Innovationen im eigentlichen Wortsinn.

Raumidentität für den Entspannungs- und Kreativbereich

Entstanden ist eine zukunftsweisende Raumidentität für den Entspannungs- und Kreativbereich. Der Raum wurde vollkommen neu interpretiert – akustisch und optisch. Organik, Symbolik und Imagination werden derart miteinander verknüpft, dass der Raum zur Identität – im Sinne einer Ganzheit/Einheit – wird und individuell-harmonische Sinneswahrnehmungen begünstigt.

DeepSea wagt einen Blick in die Zukunft der Raumästhetik für Spa- und Wellnessbereiche und ermöglicht – ohne bekannte Trigger und somit Erinnerungen zu nutzen – vollkommen neue Wege der Entspannung.