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Was macht eine Gesundheitsdestination erfolgreich? 5 Faktoren für einen vielversprechenden Zukunftsmarkt

Gesundheitstourismus ist ein vielversprechender Zukunftsmarkt. So greifen immer mehr touristische Regionen und Betriebe das Thema Gesundheit auf und entwickeln gesundheitstouristische Angebote. Durch die Verbindung von Gesundheit und Tourismus werden viele spannende Möglichkeiten erzeugt. Doch welche Faktoren führen letztendlich zum Erfolg?

Beinahe im Minutentakt poppen Gesundheitsregionen auf und überfluten den Markt mit Angeboten. Es scheint, als läge hier das Geld auf der Straße. Doch dem ist nicht so: Gesundheit und Tourismus erfolgreich zu vereinen und für den Gast attraktive Angebote zu schnüren, ist nicht so einfach wie eine neue Hardware zu bauen.

Einzigartige natürliche Ressourcen zeichnen eine Gesundheitsregion aus. Die Hohe Tauern Health Region - mit dem Krimmler Wasserfall - hat sich auf ein sehr konkretes Thema eingeschworen: Asthma- und Allergie. Foto: TVB Krimml

Einzigartige natürliche Ressourcen zeichnen eine Gesundheitsregion aus. Die Hohe Tauern Health Region – mit dem Krimmler Wasserfall – hat sich auf ein sehr konkretes Thema eingeschworen: Asthma- und Allergie. Foto: TVB Krimml

Besonders schwer haben es meiner Meinung nach die Destinationen. Sie vermarkten nicht nur einen Betrieb sondern mehrere und müssen die Region mit Themen aufladen die für viele relevant sind, was oft den altbekannten „Gemischtwarenhandel“ zu Folge hat. Die Kommunikation ist dabei eine ganz besondere Herausforderung.

Was macht nun aber eine Gesundheitsdestination erfolgreich?

In meiner Abschlussarbeit für den Lehrgang Innovations-, Prozess- und Produktmanagement am Management Center Innsbruck habe ich drei Gesundheitsregionen analysiert und herausgefiltert was sie erfolgreich macht. Die drei Regionen sind Mecklenburg-Vorpommern in Deutschland, die Nationalparkregion-Gesundheitsregionen in der Schweiz und Hohe Tauern Health in Österreich.

Mecklenburg-Vorpommern spielt die Kernkompetenzen Sonne, Meer, Wald, Moor, Kreide, Sole und Thalasso und baut auf die langjährige Bäderkultur die durch den Bäderverband vertreten ist, der die traditionelle Kur mit dem selbstfinanzierten Gesundheitstourismus in Einklang bringt.

Die Nationalparkregion-Gesundheitsregion konzentriert sich auf das Thema Wasser (Bäderkultur), Gluten- und lactosefreien Urlaub sowie Komplementärmedizin. Hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit der Schweizer Interessensvertretung für Zöliakie die eine vorbildhafte Kooperation darstellt.

Die Hohe Tauern Health Region ist die einzige Region die sich auf ein sehr konkretes Thema eingeschworen hat: Asthma- und Allergie. Hier dient der Krimmler Wasserfall, dessen Aerosoel – wissenschaftlich bestätigt – eine positive Wirkung auf die Indikation Asthma hat, als Kernprodukt. Speziell zusammengestellte Wasserfallpackages werden als buchbares Produkt angeboten.

5 Thesen einer erfolgreichen Gesundheitsdestination

Basierend auf geführten Interviews mit den verantwortlichen Personen und einer Desktop Research habe ich diese 5 Thesen für erfolgreiche Gesundheitsregionen abgeleitet.

  1. Erfolgreiche Gesundheitsdestinationen besitzen einzigartige natürliche/kulturelle Ressourcen.
  2. Erfolgreiche Gesundheitsdestinationen kreieren Angebote mit einer medizinischen Komponente und spezieller Indikation.
  3. Erfolgreiche Gesundheitsdestinationen besitzen ein Netzwerk aus interdisziplinären Akteuren wie Touristikern, Wissenschaftspartnern, Gesundheitsdienstleistern und einer zustimmenden heimischen Bevölkerung.
  4. Erfolgreiche Gesundheitsdestinationen werden von der öffentlichen Hand unterstützt und finanziell gefördert.
  5. Erfolgreiche Gesundheitsdestinationen setzten auf wenige Kernthemen und kooperieren mit Interessenvertretungen, in Bezug auf Qualitätsstandards und Vertrieb.
Das Netzwerk der Nationalparkregion-Gesundheitsregion: Philipp Kemmler, Produktmanager Gesundheitsregion+Wasser, und Silvia Baumann, Präsidentin der IG Zöliakie der deutschen Schweiz. Foto: Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG

Das Netzwerk der Nationalparkregion-Gesundheitsregion: Philipp Kemmler, Produktmanager Gesundheitsregion+Wasser, und Silvia Baumann, Präsidentin der IG Zöliakie der deutschen Schweiz. Foto: Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG

Zwei dieser Thesen möchte ich hervorheben, weil meiner Meinung nach ohne diese kein erfolgreicher und echter Gesundheitstourismus möglich ist.

Evidenzbasierte Angebote im Gesundheitstourismus als Erfolgsgarant?

Besonderes Augenmerk sollte man in der Angebotsgestaltung auf die Evidenz (wissenschaftliche, bestätigte Wirkung) legen. Ich finde diesen Punkt sehr wichtig, denn er ermöglicht es den Wellnesstourismus auf eine nächste – höhere Stufe zu heben. Wellness tut gut! Das wissen wir alle, aber wir bauen unsere Angebote meiner Meinung nach zu wenig auf bestätigte Wirkungen auf.

Damit meine ich keine Befragungen wie „Wir haben 1000 Frauen gefragt und 80% empfinden ihr Haar als fülliger, glänzender oder weniger fliegend, nach der Nutzung unseres neuen Shampoos“. Sondern wissenschaftliche Studien mit Kontrollgruppen und messbaren Indikatoren. Es gibt genug Studien die die Wirkung unserer Angebote (Sauna, Infrarot, Dampfbad, Wandern, Langlaufen etc.) bestätigen, wir müssen nur zugreifen und ehrlich und transparent kommunizieren. Und da bin ich schon beim zweiten Punkt, denn ich hervorheben möchte:

Gesundheitskommunikation. Wie kommunizieren wir Gesundheit?

Gesundheit ist ein äußerst sensibles Thema. Es geht, etwas überspitzt ausgedrückt, um Leben und Tod. Wenn es um unsere Gesundheit geht, verzeihen wir nichts. Wir glauben auch nicht jedem und allem. Sogar die todsichere Mundpropaganda funktioniert hier nicht. Denn jeder weiß, dass was einem anderem gesundheitlich gut tut muss nicht zwangsläufig gut für mich sein.

So brauchen wir in der Gesundheitskommunikation authentische Kanäle denen wir vertrauen, wie Ärzte und Wissenschaftler. Dabei erzeugen diese Vertrauen in dem sie die wissenschaftliche Grundlage untermauern ohne dabei das Interesse des anbietenden Unternehmens zu vertreten. Und letztlich muss Gesundheitskommunikation den Informationsgehalt in den Mittelpunkt stellen und auf leere Floskeln verzichten.

Natürlich ist mein Artikel nur ein Kratzen an der Oberfläche, aber vielleicht habt ihr Lust hier oder beim SpaCamp in Brandenburg-Berlin weiter zu diskutieren.