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Top 10 der Spa & Wellness Trends 2016 vom 6. SpaCamp

Als Trendforscher hat man es nicht leicht – manche scheinen von der Panik besessen, nicht immer „das Neueste“ liefern zu können. Doch dies ist kein neues Phänomen. Schon Karl Valentin meinte: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“.  Damit die Spa- und Wellnessbranche im deutschsprachigen Raum weiß, was angesagt ist und mit welchen Trends wir uns intensiver beschäftigen sollten, haben wir in einer SpaCamp-Session unsere eigenen Top 10 der Spa & Wellness Trends 2016 diskutiert und formuliert.

Die richtungsweisende Erkenntnis, die sich auch in den Thesenkarten widerspiegelt: Die wichtigsten Trends entwickeln sich über Jahre, deshalb gibt es wenig wirklich „neue“ Trends. Andernfalls handelt es sich eher um vordergründige, d.h. konsumgetriebene Trends wie Fashion oder Styling.

Was sind die Top 10 SpaCamp Trends? Spielen Regionalität und Authentizität weiterhin eine große Rolle? Foto: Hotel Eisvogel

Was sind die Top 10 SpaCamp Trends? Spielen Regionalität und Authentizität weiterhin eine große Rolle? Foto: Hotel Eisvogel

Und dann gibt es Veränderungen im Lifestyle, die lange Zeit völlig unterschätzt wurden und plötzlich sehr präsent sind, wie z.B. die vegane Ernährung. Dabei sind schon 70 Jahre vergangen, seit der Engländer Donald Watson mit ein paar Freunden die Vegan Society gründete. Als erste Gesellschaft ihrer Art führte sie am 1. November 1944 den Begriff Veganer ein. Heute leben rund eine Million Veganer in Deutschland, und viele experimentieren noch.

Doch was sind die Top 10 der Spa & Wellness-Trends 2016?

  1. Individualität
  2. Natur pur
  3. Regionalität & Authentizität
  4. Europäische Badekultur und Heilkunst
  5. Qualität
  6. Human Resources
  7. Social Wellness
  8. Profitabilität
  9. Selbstoptimierung vs. Digital Detox
  10. Zeit

Das Thema Ernährung ist, wie eingangs beschrieben, sehr präsent in der Gesellschaft, aber nicht im Spa. Gerade dort, wo sich alles um das Wohlergehen des Gastes drehen sollte, stehen eher Clubsandwich oder Currywurst auf dem Menu – völlig unverständlich für Spa-Bloggerin Jenny Ospelt:

Spa Food sollte auch gesund sein!

Sie träumt von leckerer Gemüsesuppe oder knackig frischem Salat – diese Wünsche lassen sich doch eigentlich leicht erfüllen? Nicht erst seit der Einführung der Allergenverordnung ist es für die Wellnesshotellerie selbstverständlich, auf spezielle Ernährungswünsche und -bedürfnisse einzugehen. Sowohl im Trend zur Individualisierung wie auch zur Natur pur lässt sich dies wiederfinden.

Regionalität und Authentizität: Sehnsucht nach einem Stück Heimat

Zukunft ist gar nicht so kompliziert: Natur pur ist mittlerweile in vielen Spas angekommen. Dies macht auch der Erfolg des NaturkosmetikCamp deutlich, das im nächsten Jahr in die dritte Runde geht. Die Sehnsucht nach einem Stück Heimat oder heiler Welt erklärt nicht nur den Boom vieler Landmagazine, sondern den starken Trend zu Regionalität und Authentizität. Deutschland bietet eine wahre Schatzkammer an regionalen Produkten, von Sanddorn bis Wildkräuter, Honig, Wein oder Hopfen. Regionale Heilmittel erfreuen sich verstärkter Beliebtheit, von Rügener Heilkreide, Moor und Felke bis zu Sole und Thermalwasser. Wenn die Inszenierung stimmt, lassen sich damit nachhaltige Wellnesserlebnisse schaffen.

Wenn die Inszenierung stimmt, lassen sich nachhaltige Wellnesserlebnisse schaffen. Unter anderem erlebt die Thalasso-Therapie eine neue Belebung. Foto: Strandhotel Ostseeblick

Wenn die Inszenierung stimmt, lassen sich nachhaltige Wellnesserlebnisse schaffen. Unter anderem erlebt die Thalasso-Therapie eine neue Belebung. Foto: Strandhotel Ostseeblick

Richtig stolz dürfen wir auf die Tradition der europäischen Badekultur und Heilkunst sein. Die Thalasso-Therapie erlebt neue Belebung. So will sich z.B. die Insel Norderney bis 2020 als die Thalasso-Insel in Europa positionieren. Jahrhunderte altes Klosterwissen und Kneipp-Anwendungen sind aktueller denn je. Dazu kommen neue High-Class-Angebote wie die Villa Stéphanie (Brenners Park-Hotel) in traditionellen Badeorten wie Baden-Baden.

Ohne Qualität ist alles umsonst

Da waren sich alle einige: wenn die Qualität nicht stimmt, ist alles umsonst. Eine entsprechende Hardware wird vom Gast heute vorausgesetzt. Deshalb sind es vor allem die Mitarbeiter, die über die Qualität eines Spas entscheiden. Um diese zusätzlich zu motivieren, kamen in unserer SpaCamp Session unterschiedliche Best Practice-Beispiele zur Sprache. Dabei ging es vor allem darum, die Mitarbeiter gezielt aber geschickt einzubinden. In einem Südtiroler Haus sind sie aktiv mit den Gästen unterwegs, gehen mit ihnen Wandern, Joggen oder Kräuter suchen. Dass ihnen eine solche Aufgabe übertragen wird, empfinden die Team-Mitglieder als Ausdruck der Wertschätzung. Auf der anderen Seite findet eine Begegnung mit dem Gast auf Augenhöhe statt.

Der gemeinsame Blick zum Gipfel: ein Blick in die Ferne, der gleichzeitig Stammgäste schafft.

Social Wellness: gemeinsam statt einsam

Social Wellness ist in aller Munde. Ließ man sich in früheren Jahren erschöpft in den Liegestuhl fallen, will man sich heute austauschen. Damit jeder sein individuelles Spa-Erlebnis findet, darf keiner gestört werden. „Es gibt Bedarf an Kommunikationszonen“: eine perfekte Nische für alle, die aktuell eine Neugestaltung ihrer Spa-Bereiche planen. Dabei erinnere ich mich an die Wellness-Pionierin und Reiseveranstalterin Barbara Richter, die 2002 gemeinsam mit Maria Pütz-Willems das erste wirkliche Fachbuch zum Thema Wellness + Wirtschaft geschrieben hat. Sie erzählte von ihrem Lieblingshotel in Österreich, in dem täglich mittags im Spa eine leckere Suppe serviert wird. Die glücklichen Gäste sitzen im Bademantel rund um den Suppenkessel, plaudern und geben Ausflugstipps.

Die Zukunft steht nicht in den Sternen, sie ist greifbar. Und das, weil der wichtigste Faktor in der Betrachtung der Entwicklung der Mensch ist. Sein Wohlbefinden zu steigern, ist Mittelpunkt aller Aktivitäten im Spa – das sollten wir bei aller Diskussion über Profitabilität nicht vergessen. Die Zukunft ist aber auch Digital – ein besonderes Spannungsfeld im Spa, das uns noch einige Diskussionen bescheren wird.

Zeit ist kostbar

Vielleicht der kraftvollste Trend dieser Zeit ist die Zeit selbst. Sie wird immer kostbarer. Zeit ist unbezahlbar, man kann sie sich nicht kaufen. Propagieren wir deshalb Zeit als das neue Luxusgut, das wir uns nicht nur gelegentlich, sondern immer öfter gönnen sollten. Wir stehen am Beginn der Adventszeit – die staade Zeit, wie sie bei uns in Bayern so schön heißt, und doch geht sie in all der Hektik und im Getümmel vieler Weihnachtsmärkte oftmals unter.

Die Zeit selbst ist vielleicht der kraftvollste Trend. Im Trubel der Vorweihnachtszeit gerät dies oft in Vergessenheit. Foto: Hildegard Dorn-Petersen

Die Zeit selbst ist vielleicht der kraftvollste Trend. Im Trubel der Vorweihnachtszeit gerät dies oft in Vergessenheit. Foto: Hildegard Dorn-Petersen

Vielleicht ist es kein Zufall, dass sich gerade der diesjährige Bayerische Tourismustag in Nürnberg  mit „Stille, Ruhe und spirituellem Reisen“ beschäftigte. Vorgestellt wurde das neue Themenfeld „Stade Zeiten„. Darunter bündeln sich vielfältige Urlaubsangebote, die alle ein gemeinsames Ziel verfolgen:

In Stille abseits vom Alltag zur Ruhe zu kommen.

Das Team von Bayern Tourismus Marketing hat den Trend der Zeit erkannt!