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Sonnenaufgang über Heiligendamm beim AHGZ Wellness Gipfel 2016 – ein Rückblick

Der AHGZ Wellness Gipfel 2016 im Grand Hotel Heiligendamm bestätigt: Wellness ist und bleibt ein Megatrend. Wo einst die Wiege der europäischen Badekultur stand, trafen sich am 6. und 7. Juni 2016 Wellnessexperten aus nah und fern. Social Wellness ist in aller Munde, doch an der Ostsee kannte man das schon vor hundert Jahren. Sehen und gesehen werden, Kunst und Kultur, literarische Salons – dies alles gehörte neben dem Baden im Meer zur Sommerfrische in den deutschen Ostseebädern.

Sonnenaufgang in Heiligendamm. Bild: AHGZ, Alexandra Leibfried

Sonnenaufgang in Heiligendamm. Bild: AHGZ, Alexandra Leibfried

Die gesundheitsfördernde Wirkung von Meerwasser birgt auch weiterhin großes Potential für die Hotels an der Ostsee, so Dr. Karin Lehmann, Thalasso-Expertin im Deutschen Heilbäderverband. Gastgeber Thomas Peruzzo sieht die Morgenröte über dem Ostseestrand aus einer ganz besonderen Perspektive. Er  hat in nur 1 ½ Jahren mit Bravour den Turnaround im Grand Hotel Heiligendamm geschafft. Dabei konnte der General Manager nicht nur den Umsatz des Hauses von 12 Millionen im Jahr der Übernahme auf 15 Millionen steigern, sondern auch ein positives operatives Ergebnis von 1,5 Millionen erwirtschaften.

Stammgäste und neue Zielgruppen im Grand Hotel Heiligendamm

Vor allem ist es ihm gelungen, zahlreiche Stammgäste wieder zu gewinnen und gleichzeitig neue Zielgruppen anzusprechen. Die Gästestruktur wurde um etwa 15 Jahre verjüngt. Das zahlt sich aus und motiviert zu neuen Plänen. Der Spa-Bereich von aktuell rund  3.000 qm soll deutlich erweitert werden, unter anderem mit einem zweiten Innenpool und neuen Treatment-Räumen auf 500 qm. Auch ein beheiztes Außenbecken ist geplant.

Vor allem aber setzt man auf regional authentische Anwendungen im SPA. Gemeinsam mit der Universität Rostock wurde das neue Signature Treatment „Aufatmen“ kreiert. Ein Balsam mit natürlichen Inhaltsstoffen aus Pflanzen der Region, vitalisierendes Aromaöl und eine Bienenwachskompresse mit dem antibiotischen Wirkstoff Propolis liefern die wirkungsvollen Inhaltstoffe für die neuen Heiligendamm-Spa-Produkte. Neben Thymian, Eukalyptus, Waldkiefer, Minze und Lindenblüten, kommen auch Lavendel und die beruhigende Wilde Möhre zum Einsatz. Dazu haben die Therapeuten eine atmungsaktive Massage, u.a. mit Anregung der Gäste zusammengestellt, die sie sich als Kombination aus speziellen Massagegriffen, Dehnung und Atemführung vorstellen müssen. Sie hat das Ziel die Atempausen zu verlängern und parallel die Verspannungen der Faszien im Bindegewebe zu lösen. Abschließend bringt die Bienenwachs-kompresse, mit duftendem Lindenblütenkissen auf der Brust, eine wohlige Beruhigung – nicht nur für die Atemwege. Selbstverständlich habe ich den Aufenthalt vor Ort genutzt, das Spa-Ritual „Aufatmen“ zu testen und darf sagen: sehr gelungen und äußerst wirkungsvoll!

Der Wellnessmarkt wächst weiter, aber bitte kein „wirres Zeug“ mehr!

Es lohnt sich, weiter im Wellnessmarkt zu investieren. Davon ist Anna-Cari Gund überzeugt. Als Managing Director von Raison d’Etre ist sie rund um den Globus unterwegs und hat viele bekannte Spa-Brands wie Six Senses, Jiva Spa at Taj Hotels und Resense für Kempinski mit begründet. Die Wachstumszahlen bestätigen, dass Wellness kein kurzlebiger Trend ist. Es geht um das Bewußtsein, ganzheitlich zu leben und selbst aktiv etwas für Körper, Geist und Seele zu tun.

Anna-Cari Gund: "Bitte kein wirres Zeug mehr im Zusammenhang mit Wellness". Bild: Philipp von Bruchhausen

Anna-Cari Gund: „Bitte kein wirres Zeug mehr im Zusammenhang mit Wellness“. Bild: Philipp von Bruchhausen

In ihrer Keynote beklagt sie allerdings, dass viel „wirres Zeug“ geredet wird, wenn es um die Zukunft von Wellness geht. „Back to the roots“ ist für sie eine überzeugende Lösung. Deshalb hat sie gemeinsam mit Anna Bjurstam die neue Spa-Brand LivNordic entwickelt, die skandinavische Bade- und Gesundheitstraditionen mit modernem Lifestyle verbindet.

Health Food als zentrale Säule für Wellbeing

Einen ganz besonderen Weg hat die Karriere von Gabriele Kurz genommen. Als Executive Wellbeing Chef hat sie für die Jumeirah Group das Talise Konzept entwickelt, das auf drei Säulen basiert: Schönheit, Detox und Relaxation. Die zentrale Frage für den Gast:

Was ist gut für mich?

Die Zukunft liegt in einer vegetarischen oder auch veganen Ernährung, davon ist Gabriele Kurz überzeugt. Dass sich die charmante Deutsche mit familiären Wurzeln im Berchtesgadener Land damit auf internationalem Parkett durchgesetzt hat und heute neben der strategischen Tätigkeit für Jumeirah ihr eigenes vegetarisches Bio-Restaurant, namens Magnolia in Dubai führt, ist eine beachtliche Leistung.

Health Food als zentrale Säule für Wellbeing. Bild: Philipp von Bruchhausen

Health Food als zentrale Säule für Wellbeing. Bild: Philipp von Bruchhausen

Think big, aber auch Zeit nehmen zum Nachdenken!

„Denken Sie groß!“, empfiehlt Trendbeobachter Mathias Haas der Wellnesshotellerie. Vor allem aber: nehmen Sie sich Zeit zum Nachdenken, zum Beispiel über die eigenen Kernkompetenzen und eine digitale Strategie des Hauses. Ohne die geht gar nichts mehr, davon ich der Trendscout überzeugt. Drei Fragen sollte sich jeder Hotelier stellen, der für die Zukunft gut aufgestellt sein will:

  1. Wie bieten Sie Orientierung?
  2. Wie schaffe ich Transparenz?
  3. Mit welchem Bild geht der Gast nach Hause?

Kreativität ist also angesagt, z.B. Wellness für Menschen mit Naturdefiziten.

Begeistert Nutzen bieten, statt eincremen!

Zum Nachdenken rät auch Michael Altewischer, Geschäftsführer Wellness Hotels & Resort. Dem Gast Nutzen bieten statt ihn einzucremen, ist seine Devise. Neue Ideen im Team diskutieren  und immer glaubwürdig bleiben, sind einige seiner Tipps für erfolgreiche Gastgeber. Zu ihnen zählen Anja Horn-Rückerl und Erwin Rückert im niederbayerischen Hofgut Hafnerleiten. Dort finden 20 Gäste auf 30.000 qm Grund ausreichend Freiraum, die Seele baumeln zu lassen. Raus auf die Wiese lockt die Atemzeit. Anwendungen in den Wohlzeit-Würfeln werden von den Therapeuten individuell mit dem Gast besprochen, und finden bei gutem Wetter auch schon mal auf einem schwimmenden Floß statt.

Einen Neustart in der Wellness-Hotellerie wagen die Hotelbetriebswirtin Henrike und Dr. med. Andreas Färber. Ihr Klosterhof mit 67 Zimmern im Bayerisch Gmain hat vor wenigen Tage seine Pforten geöffnet. Mit einem Konzept von Besonderheit, Kunst & Kultur und Gesundheit will sich das Premium Hotel & Health Resort im Markt etablieren.

Begeisterung leben!

so das Motto von Henrike und Andreas Färber, und sie sind überzeugt: der neue Klosterhof wird ein großartiges Hotel werden.

Die Referenten des AHGZ Wellness Gipfel 2016. Bild: Philipp von Bruchhausen

Die Referenten des AHGZ Wellness Gipfel 2016. Bild: Philipp von Bruchhausen

Fazit AHGZ Wellness Gipfel 2016

Es würde zu weit führen, auf alle spannenden Vorträge einzugehen. Zu den weiteren Referenten zählten Ernst Ulrich Tillmanns, 4a Architekten und Andreas Romani, ideas4hotels, der viele Tipps zum digitalen Spa-Marketing lieferte. Rolf Seelige-Steinhoff, als geschäftsführender Gesellschafter SEETELHOTELS, setzt neue Akzente im Kaiserstrand Beach Hotel auf Usedom. Er bestätigte wie Familie Färber, dass es bei der Realisierung eines neuen Projektes wichtig ist, möglichst frühzeitig externe Experten mit ins Boot zu holen – schön, dies aus dem Mund zufriedener Kunden zu hören.

In jedem Fall darf ich Euch sagen: Ihr habt etwas versäumt, wenn Ihr nicht beim diesjährigen AHGZ Wellness Gipfel mit dabei gewesen seid. Die Stimmung war hervorragend, und dazu haben nicht nur der strahlend blaue Himmel, die sommerlichen Temperaturen und die malerische Kulisse des Grand Hotels Heiligendamm beigetragen. Das kulinarische Angebot unter der Regie der Heiligendamm-Chefs Ronny Siewert und Steffen Duckhorn, die Betreuung durch den Gastgeber und die Leistung des gesamten Teams waren einfach SPITZE!