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Marketing-Mix, Influencer Marketing und No-Goes bei Bloggerreisen. Bloggerin Tanja Klindworth im Interview

Wir haben mit Tanja Klindworth, Geschäftsführerin von SPANESS und Miteigentümerin von Wellness-Bummler, über den richtigen Marketing-Mix, geeignete Online-Kanäle und Influencer Marketing gesprochen. Dabei hat sie uns auch von Ihrem Leben als Reisebloggerin erzählt und einige Dos & Don’ts im Umgang mit Bloggern verraten.

Influencer Marketing: Was Tanja bei Bloggerreisen wichtig ist und was absolute No-Goes sind, verrät Sie uns in diesem Interview. Foto: Tanja Klindtworth

Influencer Marketing: Was Tanja bei Bloggerreisen wichtig ist und was absolute No-Goes sind, verrät Sie uns in diesem Interview. Foto: Tanja Klindtworth

Mit spaness.de verbindest Du, wie der Slogan „business meets paradise“ schon andeutet, Wellness mit Business. Was war damals der Ausschlag, dein Unternehmen zu gründen?

Wellness ist weit mehr als Sauna und Massage. Dahinter sollte, auch in einem Wellnesshotel, ein roter Faden erkennbar sein. Die ursprüngliche Idee (2008) war es, tolle Wellness-Locations vorzustellen und im Marketing-Mix zu unterstützen. Wir wollten zeigen, dass ein Wellnesshotel eben so viel mehr kann als nur Massage & Sauna oder auch mehr kann als ein „normales“ Hotel. Daraus ist dann auch der Name SPANESS entstanden. Ein Wortspiel: SPA, WellNESS, SPANnung, BusiNESS, FitNESS, EntSPANnung etc. Seitdem ist natürlich viel auf dem Wellness-Markt passiert und auch beim Marketing-Mix sind viele spannende Kanäle dazu gekommen. Daher hat sich die Grundidee auch entsprechend immer weiter entwickelt. Mit den Wünschen der Kunden (überwiegend Wellnesshotelinhaber) aber eben auch mit den Anforderungen und Änderungen an ein modernes Marketing.

Bleiben wir beim Marketing-Mix. Wenn Du nur 5 Dinge hineinnehmen könntest, was würdest Du in diesen Koffer packen?

Eine wirklich schwere Frage. Denn wer sich dauerhaft mit Marketing beschäftigt, weiß, es gibt kein richtig oder falsch. Die Auswahl kommt immer auch auf das Produkt an. Ich breche das mal auf mein Fachgebiet „Tourismus“ runter. Schauen wir uns das Verhalten der Urlauber und Reisenden genau an, so ist ein Trend zu verzeichnen. Der Großteil der Menschen recherchiert fürs nächste Reiseziel im World Wide Web. Dazu ist der zukünftige Urlauber auf ganz unterschiedlichen Kanälen unterwegs. Je nach Geschlecht, Alter, Freundes-Umfeld, Bildungsgrad oder auch Einkommenssituation interessiert er sich für unterschiedliche Reiseziele und auch Reisethemen. Das war schon immer so! Doch genau entsprechend der genannten Ausgangssituationen wählt der zukünftige Urlauber auch ganz unterschiedliche Plattformen, um das nächste Reiseziel zu buchen. Einer der wichtigsten Kanäle ist also das Internet.

„Bloggen ist ein sehr aufwendiges Hobby!“, Tanja Klindworth. Foto: Tanja Klindworth

„Bloggen ist ein sehr aufwendiges Hobby!“, Tanja Klindworth. Foto: Tanja Klindworth

Hätte ich also nur 5 Dinge für den Koffer, dann würde ich mich absolut auf den Ausbau der Onlinekanäle konzentrieren. Diese Punkte gehen auch fast fließend ineinander über.

  • Internetseite stärken und den eigenen Internetauftritt optimieren, inklusive Suchmaschinenmarketing, optische Darstellung etc. Leider sind viel zu viele Seiten alles andere als optimal.
  • Ausbau Präsenz im Netz insgesamt
    • z. B. Bewertungsportale, Social Media Auftritte und Blogger-Relations, optimale Online-Werbung etc.
    • Für alle Einzelkanäle gibt es eben zahlreiche, unterschiedliche Kanäle, um eine entsprechende Zielgruppe zu erreichen. Facebook, twitter, Youtube, G+, Snapchat, Foursquare, tripadvisor, yelp etc. Wichtig ist vorab die Frage – Wer tummelt sich wo? Nehmen wir aber mal alle diese Tools, so kann man sie natürlich auch immer wieder neu kombinieren, mit ihnen spielen, mit neuen Ideen füllen und eben „marketing-mixen“.
  • Kundenbindung ist auch ein großer Faktor, den man nicht unterschätzen sollte.

Letztlich gibt es natürlich auch zahlreiche andere Faktoren, die man berücksichtigen sollte, eben je nach Zielgruppe und nach Produkt würden sich bei mir wohl auch die 5 Dinge ändern, die ich in den Markting-Mix-Koffer packe…

Ein großes Thema ist heute „Influencer Marketing“. Könntest Du uns einen kurzen Einblick geben, was das genau ist?

Influencer Marketing spricht davon, Käufer und Interessenten zu infizieren. Kurz und knapp erklärt: Beim Influencer Marketing nutzt man einflussreiche Personen, um eine Meinung zu bilden – z. B. um damit auch die Bekanntheit und Beliebtheit für ein bestimmtes Produkt zu stärken. Seine Anfänge hatte die Idee schon vor langer Zeit – z. B. durch Einkleidung der Stars auf dem roten Teppich. Plötzlich gab es IT-Girls & Boys, deren einzige Bestimmung es anscheinend nur war, in der Öffentlichkeit aufzutreten und Marken – durch die eigene Person und die eigene Popularität und Bekanntheit – zu transportieren.

Heute gibt es Youtube Stars, Blogger, Journalisten und natürlich auch nach wie vor TV-Promis, die als Meinungsmacher „Influencer“ gelten. Das Geheimnis des Influencer Marketings liegt in der authentischen Berichterstattung. Influencer genießen eine hohe Anerkennung, bis hin zu einer Vorbild/Experten-Position. Beim Kunden entsteht dadurch eine Beziehung. Aufgrund dieser Beziehung vertrauen Fans und Follower, Meinung und Empfehlungen, des Influencers.

Die Wahl des Influencer-Kanals hat dabei was mit dem Produkt, der Zielgruppe und natürlich auch mit dem Budget zu tun. Im Gegensatz zu Amerika stecken wir in Sachen Influencer Marketing noch in den Kinderschuhen. Hier ist also noch jede Menge Potenzial.

Auch Wandern gehört für Tanja zu Wellness. Foto: Tanja Klindworth

Auch Wandern gehört für Tanja zu Wellness. Foto: Tanja Klindworth

Als Wellness-Bummler bist Du auch als Reisebloggerin viel unterwegs. Wo kann man Dich antreffen und was war für Dich der schönste Ort in diesem Jahr, den Du besucht hast?

Mich trifft man überwiegend in Wellnesshotels und Wellnessregionen. Ich berichte im Nachgang aber nur über Reisen und Ziele, die mich auch wirklich begeistert haben. Für mich ist Wellness breit gefächert. Dazu gehören Anwendungen, die Ausstattung, die Region, aber auch Aktivitäten wie z. B. Wanderungen etc. Eben auch die Angebote, die ein Wellnesshotel selber, neben den klassischen Wellnessleistungen, anbietet.

Ich bin ein norddeutsches Mädel. Ein Ort, der mich tatsächlich immer wieder begeistert und anzieht, ist die Nordsee-Küste oder auch die Nordseeinseln. Ich liebe es, durchs Watt zu laufen (eine natürliche Thalasso-Kur), Muscheln zu sammeln, die gute Luft, die Faszination von Ebbe und Flut etc. Hier komme ich immer wieder runter, hier erlebe ich mein ganz persönliches Wellnessfeeling und eine ganz besondere Ruhe.

Was ist Dir persönlich bei Bloggerreisen wichtig? Was sind absolute No-Goes, die jeden Blogger abschrecken?

Allen Bloggern, nicht nur mir, ist es sehr wichtig, dass ihre Arbeit mit Respekt, Wertschätzung und auf Augenhöhe betrachtet wird. Denn so schön und vielfältig dieser Job auch ist, er ist aufwendig und die Umsetzung erfordert viel Zeit, Herzblut, Begeisterung und auch Ideenreichtum. Nur aus dieser Kombination kann ein toller, authentischer Reisebericht, inklusive Begleitung über die Social Media Kanäle (Live-Marketing), entstehen.

Für den rein technischen, reibungslosen Ablauf einer Reise mit vielen Eindrücken, hier mal eine kleine Checkliste:

  1. Dem Blogger einen Ansprechpartner zur Seite stellen, der vielleicht auch bei der Planung von Erlebnisbausteinen behilflich ist.
  2. Genügend Zeit für Bilder, Erlebnisse, eigene Eindrücke und Postings, da ein Blogger schon während der Reise mit Community und Fans kommuniziert.
  3. Beständige Online-Leitung ist unabdingbar für ein zufriedenstellendes Ergebnis (für beide Seiten). Aktuell oft noch eine große Herausforderung.
  4. Blogger berichten authentisch – das heißt aber auch, es kann passieren, es gefällt in einem Hotel/Region mal nicht… und zwar so sehr nicht, dass nicht darüber berichtet wird. Auch das muss dann unbedingt akzeptiert werden!
  5. Den Blogger nicht unter Druck setzen oder gar erpressen, um einen „guten“ Bericht im Blog zu erhalten.
  6. Unbedingt das offene, ehrliche Feedback-Gespräch auf Augenhöhe suchen. „Professionelle“ Blogger sind in der Regel auch immer zu einem Austausch bereit.
Tanja schreibt nicht nur in ihrem eigenen Blog und fremden Medien, sondern berät auch Hotels in Sachen Blogger-Relations. Foto: Tanja Klindworth

Tanja schreibt nicht nur in ihrem eigenen Blog und fremden Medien, sondern berät auch Hotels in Sachen Blogger-Relations. Foto: Tanja Klindworth

Als Blogger Geld zu verdienen, ist ja momentan im Trend. Wie waren Deine Anfänge im Business? Was kannst Du jungen Bloggern empfehlen?

Aktuell wird grad vielen jungen Menschen suggeriert „auch Du kannst es als Blogger schaffen“. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn um es wirklich zu schaffen und damit zukünftig sein Geld zu verdienen, gehört ganz viel dazu – und zwar nicht nur gut und authentisch schreiben zu können: Eine Persönlichkeit, sich selber vermarkten zu können, Angebote zu schreiben und zu verhandeln, sich selber zu motivieren, Absagen und Tiefschläge wegstecken, sein Wissen ständig zu erweitern (SEO, Fotografie, Filme drehen, Rechtliches…), Netzwerken, Buchhaltung, Akquise, und, und, und… die Liste ist lang. Genau diese Punkte sollte man sich wirklich vor Augen halten und genau überlegen, kann ich das und will ich das auf Dauer.

Aus meinem eigenen Bloggerleben weiß ich, dass der Start holprig verläuft. Man muss erst einmal sein Thema, seine Nische finden und Rückschläge hinnehmen. Lange bin auch ich zweigleisig gefahren – ich sage immer:

Bloggen ist ein sehr aufwendiges Hobby!

Meine Arbeit im Marketing, Vertrieb und PR (hier bin ich seit über 20 Jahren unterwegs) hat mir natürlich dabei geholfen. Ursprünglich hab ich mal eine ganz normale Ausbildung in der Wirtschaft gemacht, später ein BWL-Studium (der langweilige Klassiker) und dann lange Zeit in Marketing, Vertrieb und PR in einer Anstellung gearbeitet.

Vor über 8 Jahren ging ich dann in die Selbständigkeit. „Blogger“ sein ist hier nur ein Standbein, denn ich schreibe nicht nur für meinen eigenen Blog oder auch fremde Medien. Ich berate Hotels in Sachen Blogger-Relations, Webseitenoptimierung, Blogaufbau etc. Für meine jetzige Arbeit waren alle Stationen in meinem beruflichen Leben wichtig. Sie haben mir viele Impulse gegeben. Ich liebe meinen aktuellen Job. Das Thema Vermarktung insgesamt ist für mich einfach unheimlich spannend. Ich brenne dafür – gerade weil sich da in den nächsten Jahren noch so einiges tun wird. Blogger und Influencer, wie wir sie heute kennen, sind da nur der Anfang.

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