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Total digital, ganz normal. Glück und Wohlbefinden durch Bits und Bytes?

In den letzten Jahren wurde eine Reihe von Angeboten zur Förderung der körperlichen und geistigen Gesundheit entwickelt und erfolgreich auf den Markt gebracht. Diese Angebote bedienen die Ansprüche der Gäste, die sich ebenso wie deren Auffassung von Gesundheit, Wohlbefinden und Glück laufend ändern. Aktuell ist es die Digitalisierung, die neue Türen öffnet. Aber nicht jeder gesundheitsbewusste Gast möchte hier automatisch durchgehen. Ganz im Gegenteil, manche streben nach „Digital Detox“.

Total digital, ganz normal. Glück und Wohlbefinden durch Bits und Bytes? Foto: Fotolia/ra2 studio

Total digital, ganz normal. Glück und Wohlbefinden durch Bits und Bytes? Foto: Fotolia/ra2 studio

Die Wellnessbranche: Zwischen High-Tech und Anti-Tech

„So wie die Gäste selbst, ist auch die Wellnessbranche hin- und hergerissen zwischen Hightech-Wellness-Innovationen aus dem Silicon Valley und der Anti-Tech-Philosophie, die sich auf eine bisher engere Position der Wellnessbranche bezieht“, attestiert etwa David Bosshart, Trendanalytiker und Geschäftsführer des GDI Gottlieb Duttweiler Institute for Economic and Social Studies.

In seiner aktuellen Studie „Wellness 2030. Die neuen Techniken des Glücks“ wagte er eine Decodierung des Glücks. Auf der einen Seite stehe die Wellness-Bewegung, die Gesundheit nicht mehr nur als Abwesenheit von Krankheit sieht. Auf der anderen Seite stünden die Werkzeuge des Geistes, also die richtige Haltung, Achtsamkeit und andere Formen der Selbstreflexion. Durch die Digitalisierung seien diese Werkzeuge technisch erweitert worden und machten das Glück individuell messbar.

Wir sind immer weniger, wer wir waren. Wir werden immer mehr, was wir aus uns machen.

So Bosshart, der beim Tiroler Wellnesskongress am 14. Juni auf der Villa Blanka als Hauptredner „Wege in ein neues Zeitalter“ aufzeigen will.

David Bosshart, Hauptredner beim Tiroler Wellnesskongress 2018. Foto: David Bosshart

David Bosshart, Hauptredner beim Tiroler Wellnesskongress 2018. Foto: David Bosshart

Der Mensch lebt nicht von Daten allein

„Wir werden uns Schritt für Schritt bewusst, wie wir mithilfe von neuen Technologien unser Potenzial erweitern, besser hören, sehen, schneller lernen und somit über uns hinauswachsen können“, umreißt Bosshart die Möglichkeiten, welche die Digitalisierung für die Angebotsentwicklung der Gesundheits- und Wellnessbranche eröffnet. Doch es gibt auch konträre Stimmen.

Thomas Reisenzahn, ebenfalls geladener Redner beim Wellnesskongress und Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung, etwa redet dem „Digital Detox in der Wellnesshotellerie“ das Wort und erkennt ein Bedürfnis nach Entschleunigung als attraktive Angebotsidee. „Die digitale Überforderung, die damit einhergehende Reizüberflutung und der Stress, vieles gleichzeitig tun zu müssen, werden für immer mehr Menschen zum Problem. Hier zeichnen sich neue Geschäftsfelder ab. Die Hotellerie darf diese Entwicklung nicht verschlafen. Mit Sicherheit gibt es in Zukunft Bedarf an digitalfreien Orten, ähnlich wie Nichtraucherzonen. Und wenn schon online, dann über die optische WLAN‐Hotspots, die verträglicher sind“, ist Thomas Reisenzahn überzeugt.

Ob es zwischen beiden Positionen beim Tiroler Wellnesskongress zum Showdown kommt, bleibt abzuwarten. Für David Bosshart stehen sich beide Sichtweisen gar nicht so unversöhnlich gegenüber: „Jeder, der sich für die Zukunft von Technologie und Wellness interessiert, muss wissen, was auf ihn zukommt, ob er sich nun für die Integration in sein Unternehmen entscheidet oder nicht.“

Die richtige Zielgruppenansprache als Erfolgsfaktor

Die richtige Mischung macht’s: In diese Richtung argumentiert etwa Tanja Knob, Managing Director der Kommunikationsagentur Camao. Der Einsatz digitaler Assistenten, von Virtual Reality, Internet-of-Things und Bots eröffne unterschiedlichste Möglichkeiten, um mit Gästen in Interaktion zu treten. Es würden neue Zugänge geschaffen, um zu einem bestimmten Zeitpunkt über den Kanal der Wahl eine bestimmte Person zu erreichen. Dennoch spricht laut Knob nicht jeder Gast auf dieselben digitalen Werkzeuge gleichermaßen an. Dies sei auf die unterschiedlichen Ansprüche an einen Wellnessurlaub eines Gastes zurückzuführen.

Die Ansprüche auf eine „kleine Auszeit“ reichten von „Ich lass es mir gut gehen“ bis hin zu „Ich brauche einen Rückzug vom Alltag“, umreißt Knob. Das betreffe unter anderem auch den Umgang mit digitalen Werkzeugen und Entwicklungen. Was sich für den einen Gast als Alltagsvereinfacher darstelle, werde von dem anderen als Störfaktor empfunden. Ein Allheilmittel für den richtigen Einsatz gebe es nicht.

Wie man dennoch den kommunikativen Spagat zwischen gesundheitsbewussten Gästen und dem Einsatz von Neuerungen, die durch die Digitalisierung entstehen, begegnen kann, diskutiert Tanja Knob ebenfalls am Tiroler Wellnesskongress. Dabei bezieht sich Knob unter anderem auf eine Zielgruppen-Studie, die Camao gemeinsam mit ihrem Partner twyn group eigens für den Wellnesskongress durchgeführt hat.

Mehr Infos zum Programm des Tiroler Wellnesskongresses am 14.6.2018 und zur Anmeldung gibt es hier: www.standort-tirol.at/wellnesskongress18