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Wissen, dass es gut ist: Quellen inspirierter Leichtigkeit im Unternehmen

Bisweilen steigt in uns die Erkenntnis hoch, dass Dinge einfach richtig sind. Wir haben das Gefühl, dass etwas stimmt, warum auch immer. Wir sollten dieser Intuition Gehör schenken. Vielfach ist die Sicht auf das Gute verstellt, über tägliche Anforderungen, über Neuerungen oder über Konkurrenzdruck. Nachhaltige Spitzenleistungen brauchen Rahmenbedingungen, welche speziell positive Gefühle aufkommen lassen. Das ist ein schwieriges Unterfangen und schon gar kein Selbstläufer in Unternehmen.

Quellen inspirierter Leichtigkeit im Unternehmen. Foto: Fotolia/Thaut Images

Quellen inspirierter Leichtigkeit im Unternehmen. Foto: Fotolia/Thaut Images

Menschen wollen sich nicht fürchten

Furcht ist die Reaktion der Psyche auf eine vorausgeahnte Gefahr. Unternehmen sind auf Führungs- und Mitarbeiterebene anfällig, Ängste aufzubauen. „Unternehmen sind Angstzusammenrottungen“, sagt Wirtschaftspsychologe Rainer Buchner und fügt hinzu: „Wo Menschen zusammenarbeiten, bestimmt die Psycho-Logik über das Geschehen – nicht die Sachlogik.“ Wenn wir Bezugspersonen haben, die an uns glauben, tun wir uns leichter. Wir gehen zuversichtlich in Meetings, weil wir das Gefühl haben, nicht alleine dazustehen. Mutig treten wir auf, weil auf der linken Seite und gleich rechts auch noch jemand sitzt, der uns wohlgesonnen ist.

Heute emotional geduscht?

Vanessa Borkmann hat beim SpaCamp 2018 in ihrem Vortrag „Future-Hotel-Wellness-Erlebnisse“ in einem Nebensatz den Begriff einer emotionalen Dusche erwähnt. Heute schon emotional geduscht? Diese Frage möchte ich salutogenetisch jeder und jedem Einzelnen nach einem Arbeitstag ans Herz legen. Wie ist meine heutige Bilanz? Hatte ich ein Demotivierungsbad? Bin ich etwa wieder einmal an eine Bürokratiewand gelaufen oder bin ich zum wiederholten Male auf Unverständnis meines Chefs gestoßen? Oder habe ich Wohlwollen erfahren? Habe ich das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein? Solche Fragen helfen bei der Reflexion des Tages.

Agilitätsqualitäten

„We statt me“, gibt das Heidelberger Institut für systemische Forschung als Motto für sein Organisationsentwicklungsprogramm 2019 aus und hat damit möglichst hohe Agilitätsqualitäten in Betrieben im Auge. „Dienende Führung“ sollte nicht missverstanden werden, Mitarbeiter*innen in Watte zu packen. Was brauchen die Mitarbeiter zur bestmöglichen Entfaltung ihrer Leistungsfähigkeit? Wie kann die Führungsebene diese Leistungsfähigkeit im Sinne der Unternehmensziele zusammenspannen?

Das allseitige Erkennen von „Lohnen“ erzeugt Agilität von innen heraus. Mitarbeitergespräche sind dazu ein hilfreiches Instrument, aber bitte mit ausreichend Zeit für sachorientierte Rück- und Vorschau sowie Emotionen wie Befürchtungen, Hoffnungen. Und bitte keine Erfolgszahlen abgleichen oder neue Aufträge anordnen.

Risiko auf sich nehmen

Christian Holzer bei seiner Session beim SpaCamp 2018 in Fulda. Foto: SC/DH STUDIO, Dirk Holst

Christian Holzer bei seiner Session beim SpaCamp 2018 in Fulda. Foto: SC/DH STUDIO, Dirk Holst

Gerd Gigerenzer, emeritierter Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, ortet bei den meisten Menschen Risikoinkompetenz. Sie wissen Risiken nicht richtig einzuschätzen und handeln oft irrational. Wenn dieses Verhalten auf Führung trifft, die eher einschüchtert als motivierend unterstützt, sinkt die ohnehin zögerliche Risikobereitschaft in der Belegschaft nochmals. Wer traut sich, etwas außer der Norm zu machen, wenn er oder sie damit rechnen muss, am Ende im Regen zu stehen?

Wahrnehmen und reflektieren

„Der Weg zur inneren Freiheit führt über die Hinwendung zu seinem Inneren“, so Michael Bordt, Vorstand des Instituts für Philosophie und Leadership der Hochschule für Philosophie München. Stellt man das Innen vor das Außen, kann man einen Abgleich vornehmen, um nicht unreflektiert auf Zuruf ständig anzustarten. Petra Meyer, Expertin für Emotionale Intelligenz (EQ), verweist, mit Blick auf das EQ-Netzwerk Six Seconds, auf drei wichtige Komponenten, diese Emotionale Intelligenz gewinnbringend einzusetzen:

Sich selbst kennen, andere kennen, das Umfeld einbeziehen.

Häufige Firmenwechsel vermeiden

Nicht so wenige suchen ihr Glück im oftmaligen Wechsel: Fluktuationsraten USA 19%, Deutschland/Österreich 10–12%. Hidden Champions, oft Familienbetriebe und gute Arbeitgeber, weisen nach Hermann Simon 2,4% auf. Ich arbeite aktuell selbst an Strategien des Bleibens in einem trendigen Gastronomiebetrieb im Bundesland Salzburg. Aufgabe: Fluktuation dauerhaft von 50% auf 15% herunter.

Weg von nur „lauwarmer Begeisterung“ für die eigene Firma

Eine lediglich 15% hohe emotionale Bindung von Arbeitnehmer*innen existiert in Unternehmen in Deutschland. Hingegen arbeitet ein ebensolcher Anteil mit dem Gefühl, innerlich gekündigt zu haben. Auch die restlichen 70% sind emotional nur gering an Unternehmen gebunden (Gallup Engagement Index). In Zeiten hohen Fachkräftemangels und Rekrutierung von Generation Y und Z mit hohen Work-Life-Balance- und Selbstbestimmtheitsansprüchen sei die Frage erlaubt: Warum tun Unternehmen nichts gegen 85% lauwarme Begeisterung für das eigene Unternehmen?

Grafik persönliche Work-Life-Balance-Steuerung. Foto: SC/DH STUDIO, Dirk Holst

Grafik persönliche Work-Life-Balance-Steuerung. Foto: SC/DH STUDIO, Dirk Holst

Work-Life-Balance

Work-Life-Balance ist Sinn- und Identitätsbalance und generiert in uns das Gefühl des Lebendigseins. Deren Herstellung ist eine hochkomplexe systemische Aufgabenstellung. Sie verbindet die persönliche Sinngestaltung und Persönlichkeitsentfaltung (Work-Life-Balance) mit Unternehmenssteuerung der Partizipation und des Überzeugtseins.

Beispiele für Leichtigkeit und Sinn als Ansatzpunkt für mehr emotionale Bindung im Unternehmen habe ich in meiner Session beim SpaCamp 2018  aufgezeigt. Des Weiteren ließ ich mich auf der Veranstaltung von anderen Sessions inspirieren. Dieser Blogbeitrag ist das Ergebnis dieses Prozesses.