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Bewusstsein steuert Erfolg: Im Gespräch mit Frank Weckesser über die Reise zum Spa in uns

„Gelassenheit resultiert aus einer Ausrichtung auf das Sein und nicht allein auf das Tun und Haben“, so Frank Weckesser von SoulQuest. Und auf diese Gelassenheit kommt es bei Spa-Mitarbeiter*innen an. Denn daraus resultiert innere Ruhe und das spürt der Gast. Wie man dieses innere Spa findet und wie man sich im Team gut einstimmt, darüber haben wir mit Frank gesprochen.

Im Gespräch über die Reise zum Spa in uns. Foto: Fotolia/anyaberkut

Im Gespräch über die Reise zum Spa in uns. Foto: Fotolia/anyaberkut

In deiner SpaCamp-Session haben wir uns auf die Suche nach unserem inneren Spa begeben – auch mithilfe einer kleinen Meditation. Warum fällt es so schwer, sich selbst zu spüren, in sich hineinzuhören?

Ja, darüber haben wir in der Session beim SpaCamp gesprochen. Der Grund liegt tief in unserer Erziehung und Kultur: Wir lernen ein Leben nach äußeren Anforderungen. Die Botschaft lautet: „Du musst Leistung erbringen und den Vorstellungen von Gesellschaft, Familie, dem Unternehmen, den Gästen und den Kunden nachkommen.“ Du musst den dir vermittelten Erfolgsbegriff vertreten. Du musst, du musst, du musst … Da wird die innere Stimme kräftig übertönt vom „Geschrei“ der Welt. Es braucht also eine klare Entscheidung, wieder und wieder nach innen zu lauschen.

Viele Coaches und Meditationsschulen sagen dir, du musst den Verstand ignorieren und in das große Ganze eintauchen. Das ist nicht meine Erfahrung. Denn den Verstand, das Ego zu bekämpfen, ist vollkommen hoffnungslos. Den Verstand haben wir lebenslänglich in uns und das hat auch einen Sinn: mir meiner Gedanken und Gefühle bewusst zu werden, diese zu hinterfragen, andere Möglichkeiten zuzulassen als nur meine festen Überzeugungen. Hier beginnt sich ein Raum zu öffnen, eine Tür nach innen und das, was man das wahre Selbst nennt, bekommt zunehmend Gehör. Die Stimme haben wir alle, nur der Grad des Hin- bzw. Weghörens ist unterschiedlich.

Gerade als Spa-Mitarbeiter*in ist, wie du es nennst, „Tür nach innen“ wichtig. Diese innere Ruhe spürt auch der Gast. Welche Voraussetzung muss hier die Geschäftsführung schaffen und was liegt in der eigenen Verantwortung?

Das ist eine Mischung aus Eigenverantwortung und bewusster Unternehmensführung. Die innere Entwicklung ist nichts, was man von außen verordnen kann. Es braucht meine Entscheidung, ob ich mich auf den Wellen des Ozeans hin und her werfen lasse oder ob ich aus der ruhigen Tiefe agieren möchte. Eine Entscheidung, die ich immer wieder im Alltag treffen muss, weil der Ozean tobt, bis sich schließlich meine neue Ausrichtung gefestigt hat. Dann wird’s leichter.

Das gilt eben auch für die Geschäftsführung. Wenn dort kein Bewusstsein für den Segen und das Erfolgspotential eines inneren Weges vorliegt, wird es schwierig. Eine ganzheitlich orientierte Unternehmensführung kann durchaus Mitarbeiter*innen zur Innenschau inspirieren, weil die Benefits schnell spürbar werden. Meine Beobachtung ist, dass die von Angst und Mangel gesteuerten Entscheidungen meist noch überwiegen. Doch unser Geburtsrecht ist Fülle und Liebe und das ist es, was die Gäste suchen. Doch Teams, die das nicht leben, können es auch nicht vermitteln.

Daher finde ich persönlich künstliche Freundlichkeit und gespielte liebevolle Betreuung unangenehm.

Leider erlebe ich das noch häufig und mein Resultat ist dann, dass es die Investition nicht wert war. Daher ist meine Arbeit auf genau das ausgerichtet. Dort sehe ich übrigens das größte Erfolgspotential für die Zukunft. Ohne Bewusstsein ist alles nichts!

Viele Konflikte im Team sind darauf zurückzuführen, dass die Mitarbeiter*innen sich zu wenig abstimmen und sich nicht als Team wahrnehmen. Die regelmäßige Einstimmung ist hier ein gutes Mittel. Welche Möglichkeiten gibt es, speziell im Spa oder auch im Spa-affinen Unternehmen?

Da gibt es viele Möglichkeiten. Es beginnt mit der Entscheidung, das Team ganzheitlich agieren zu lassen und Bewusstsein zum Motor des Handelns werden zu lassen. Bewusste Erfolgsorientierung braucht eine Vision, nicht nur Wachstumsziele. Eine Vision ist wie eine starke Strömung, die im Untergrund rauscht und die Richtung bestimmt – die Grundhaltung, aus der wir miteinander und mit Gästen umgehen. Das ist etwas, was täglich gelebt werden muss.

Viele Unternehmen haben ja nicht einmal Zielsysteme entwickelt, die auf einer spürbaren Unternehmensvision wurzeln. Oft werden Vision und Ziele in die gleiche Schublade gesteckt. Einstimmen heißt immer wieder innehalten, sich mit sich selbst verbinden, sich spüren, statt außer sich zu sein. Es bedeutet, sich zu verbinden, ehrlich und authentisch zu sein. Es bedeutet auch zu erkennen, dass wir eigentlich nichts wissen, aber alles im rechten Moment gegeben ist, wenn wir vertrauen.

Es sind übrigens niemals die „anderen“, es ist immer dein Wahrnehmungsfilter und die anderen sind dein Spiegel. Für den projizierenden Verstand ist das eine Herausforderung. Eine solche Haltung führt dann auch dazu, dass die Einzelperson verantwortlicher ist, auch Fehler-affiner, bereit sich zu verändern und Situationen und Beziehungen durch Hinterfragung anzuschauen.

Gemeinsames tägliches Einstimmen hat viel Kraft, eine Kraft, die trägt: das kann durch Healing Circles, Meditation, Gedanken-Interviews, Tiefenentspannung usw. geschehen. Es mangelt nicht an Möglichkeiten, aber an der bewussten und ständigen Umsetzung. Dafür darf mehr Zeit geschaffen und Kapazität freigegeben werden. Nur so kann das wirklich gute, zuträgliche Wurzeln im Unternehmen schlagen und erblühen.

Frank Weckesser bei seiner Session beim vergangenen SpaCamp 2018. Foto: SC/DH STUDIO, Dirk Holst

Frank Weckesser bei seiner Session beim vergangenen SpaCamp 2018. Foto: SC/DH STUDIO, Dirk Holst

Beim SpaCamp hast du gesagt, man kann weder die Natur (das Universum oder Gott) ändern noch den Mitmenschen, nur bei sich selbst lohnt es sich. Wie kann man diese Gelassenheit gegenüber anderen üben?

Gelassenheit kann man meiner Erfahrung nach nicht üben. Sie entsteht, wenn ich meinem Leben eine gewisse Ausrichtung und einen Fokus schenke, der nach innen geht und meine wahre Power-Station berührt.

Gelassenheit resultiert aus einer Ausrichtung auf das Sein und nicht allein auf das Tun und Haben.

Behindert wird das vom Verstand, der darauf trainiert ist, zu urteilen, zu trennen und Unterschiede aufzuzeigen. Doch wir können ihn auf die Reise einladen und ihn befragen. Da kommen überraschende Erkenntnisse zu Tage und die Einsicht, dass wir eigentlich keine Ahnung haben. „Ich weiß, wie es geht“, ist eine Lüge. Keiner weiß das wirklich. Doch es gibt eine Kraft, die hat Ahnung und der können wir uns überlassen und den Verstand nutzen, ihre weisen Vorschläge umzusetzen.

Wichtig ist: Nimm dich selbst an, liebe dich zutiefst und sei dankbar. Lerne zu lieben (anzunehmen), was ist, anstatt es ständig anders haben zu wollen. Hört sich vielleicht abgedroschen an, doch ich beobachte in den Menschen viel Selbstverachtung hinter den Fassaden. Menschen sehen oft ihren Wert und ihre Bestimmung nicht. Die Symptome sind dann Überheblichkeit, Verteidigungs- und Angriffshaltung, Unsicherheit, Desorientierung. Das Leben ist wundervoll und solange wir noch einen Gedanken haben, der das nicht glaubt, ist am Bewusstsein noch Arbeit zu tun. Wenn wir uns auf den Weg machen, das zu erkennen, wächst auch die Gelassenheit.

Die verschiedenen Religionen geben seit jeher „Tools“ in die Hand, wie man sich nach innen wenden kann. Was haben alle gemeinsam?

Damit beschäftige ich mich seit über 30 Jahren. Eigentlich schon länger, denn schon als Kind habe ich den Jesus am Kreuz gefragt: „Sag mir, wie das geht mit der Liebe?“ Je mehr ich in die verschiedenen Kulturen, Religionen und Weisheitsschulen eingetaucht bin, umso mehr konnte ich den gemeinsamen Nenner wahrnehmen:

Eine große, mit Worten nicht zu beschreibende Kraft, die allem und jedem innewohnt und die man nicht verleugnen kann.

Sei ehrlich: ganz tief in dir ist eine Gewissheit, dass Leben als Liebe, Friede und Einheit gedacht ist und schon immer war. Wenn ich das auch nur annähernd für möglich halte, gibt es Hoffnung und einen Weg, dieses wunderbare Grundrauschen in mein Leben, mein Spa, mein Unternehmen einfließen zu lassen. Diese Wahrnehmung war, meiner Ansicht nach, Grund für die Entstehung sämtlicher Religionen, Lehren und Philosophien. Es war alles schon immer bekannt. Jetzt ist es Zeit, dass wir es leben.

Die Zukunft der ganzen Welt hängt davon ab und du kannst mit dir und deinem Umfeld anfangen. Die Welt ist Gottes Job, dein Leben und dein Unternehmen ist dein Job. Wenn viele und immer mehr Menschen zu dem wahren Seinsgrund aufwachen, ändert sich auch die kleine Spa-Welt und die große Welt in positiver Weise. Schau die Welt an: Sie ist das Ergebnis des bisherigen Denken und Handelns. Die Zukunft wird aus dem geschaffen, wie du jetzt denkst und handelst. Es ist immer JETZT!

Denk daran: Unser Erbe ist das Paradies. Dazu braucht es aber das bewusste Umlegen eines Schalters in dir, in mir, in jedem.

Vielen Dank, Frank Weckesser, für das sehr hoffnungsfrohe Gespräch! Mal sehen, welche Erkenntnisse bei der Reise ins innere Spa zu Tage treten.