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Wellness auf der ITB 2019: Deutschland in Urlaubsstimmung und die Wellnessbranche wächst weiter.

Tourismus bleibt wesentlicher Wachstumstreiber der Wirtschaft – weltweit, wie auch im deutschsprachigen Raum. Davon profitiert die Spa- und Wellnessbranche. Im Rahmen der ITB 2019 wurden die Wellness-Trends vorgestellt. Dabei steht Mental Wellness hoch im Kurs und Nachhaltigkeit sowie der bewusste Umgang mit Zeit spielen eine wesentliche Rolle.

Zeit und Gesundheit sind der neue Luxus. Foto: Wellness-Hotels & Resorts

Zeit und Gesundheit sind der neue Luxus. Foto: Wellness-Hotels & Resorts

Die weltweit größte Reisemesse, die ITB Berlin, die vom 6.–10. März 2019 rund 113.500 Fachbesucher anzog, bestätigt einmal mehr, dass Kommunikation und Erfahrungsaustausch vor Ort, aber auch das Sehen und Gesehen werden im digitalen Zeitalter, ihre Berechtigung haben.

Die frohe Kunde auf vielen Kanälen: Tourismus bleibt wesentlicher Wachstumstreiber der Wirtschaft – weltweit wie auch im deutschsprachigen Raum. „Die touristische Nachfrage in Deutschland brummt!“, so Martin Lohmann vom FUR (Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V.) bei der Präsentation erster Ergebnisse der Reiseanalyse 2019. Im Jahr 2018 sind 55 Mio. Menschen auf Reisen gegangen – das sind fast 1 Mio. Urlauber mehr als im Vorjahr. Auch aktuell ist Deutschland in Urlaubsstimmung. Für mehr als 71% der Bevölkerung steht schon jetzt fest, dass verreist wird. 29% sind sogar bereit, in 2019 mehr Geld für Urlaub auszugeben. Dabei ist Deutschland nach wie vor das liebste Reiseziel der Bundesbürger (29%).

Bei den Inlandsreisen überholte Mecklenburg-Vorpommern mit 5,3% den bayerischen Mitbewerber mit einem Anteil von 4,7%, gefolgt von Schleswig-Holstein (4,3%) und Niedersachsen (3,6%). Intensiv beschäftigt hat sich die Reiseanalyse 2019 mit dem „Customer Value“ – immerhin bestätigen 80% der repräsentativ Befragten, dass sie erholt aus dem Urlaub zurückkommen. 41% haben auf der letzten Reise sogar echte Glücksmomente erlebt – was will man mehr. Rund ein Zehntel der Reisenden berichtet von positiven, persönlichen Veränderungen. Sie leben achtsamer und bewusster – da spitzt vor allem die Wellnessbranche die Ohren.

Wachstum auch in der Wellnessbranche

Auch die Wellnessbranche kann mit neuen Wachstumszahlen aufwarten. Laut „Wellness Economy Report“ vom November 2018 wächst der Wellness-Markt annähernd doppelt so schnell wie die allgemeine Weltwirtschaft. Die globale Wellness-Branche wuchs in den letzten beiden Jahren um 12,8%, von $3,7 Billionen (= tausend Milliarden) Umsatzvolumen in 2015 auf $4,2 Billionen in 2017. Unter den 10 untersuchten Marktsegmenten waren u.a. die Spa-Industrie mit einem Plus von 9,8%, der Wellness-Tourismus mit einem Plus von 6,5% und der Wellness-relevante Immobilienmarkt mit einem ähnlichen Plus von 6,4%.

Doch Vorsicht vor diesen schwindelerregenden Wachstumszahlen! Susie Ellis, CEO des Global Wellness Institutes, stellte beim Wellnessforum auf der ITB klar, dass es sich bei nur 11% der Wellnessreisen um sogenannte „Primary Wellness Travellers“ handelt, die direkt bei Euch im Wellnesshotel landen oder ein Yoga-Retreat buchen. Die restlichen 89% sind reguläre Urlauber (inkl. Kreuzfahrten), die im Laufe ihres Aufenthaltes eine Wellness-relevante Dienstleistung wie z.B. eine Massage buchen.

Susie präsentierte Wellness-Trends, die man als Brancheninsider aufmerksam verfolgen sollte – ein paar, die man vergessen kann, waren auch dabei, allen voran „Dying Well“. Auf der Hitliste standen Mindfulness und Meditation sowie das inzwischen auch bei uns angekommene Waldbaden. Miriam Hofmann-Unverhau und Mareike Heck von Wellness-Hotels & Resorts hatten eigene Recherchen zu Trends 2019 parat, die auf der Grundlage von über 3.700 Wellness-affinen Gästen und einer Expertenbefragung unter 124 Wellnesshoteliers erhoben wurden.

Die Umfrage-Ergebnisse zeigen, dass Gäste die Erholung auch nach der Abreise aus dem Wellnessurlaub noch spüren möchten. Galt er lange Zeit als kurze Verschnaufpause, wünschen sich heute über 70 Prozent der Gäste eine anhaltende Wirkung in den Alltag hinein. Recht ungeduldig ist die junge Zielgruppe der bis 39-Jährigen: Fast 20 Prozent möchten, dass erste Fortschritte noch während des Wellnessurlaubs spürbar werden. Ob auf der Pressekonferenz der Wellness-Hotels & Resorts oder beim von W-H-R organisierten ITB Wellness Experten Forum – in einem waren sich alle Experten einig:

Tiefgang ist gefragt, von Transformational Wellness und Mental Wellness bis hin zu Digital Detox.

Diana Sicher-Fritsch, Hotel Fritsch am Berg, präsentierte ihr Mental Coaching Programm auf dem Wellness-Forum. Foto: Wellness-Hotels & Resorts

Diana Sicher-Fritsch, Hotel Fritsch am Berg, präsentierte ihr Mental Coaching Programm auf dem Wellness-Forum. Foto: Wellness-Hotels & Resorts

Worum es wirklich geht, brachte Diana Sicher-Fritsch vom Hotel Fritsch am Berg treffend auf den Punkt: „Wer ein Leben führt, von dem er sich im Urlaub erholen muss, macht etwas falsch.“ Diana präsentierte auf dem Wellness-Forum in einem inspirierenden Vortrag ihr Mental Coaching Programm.

Wellness-Urlaube werden nicht mehr aus Gründen der Schönheit gebucht

Im Abwärtstrend hingegen befindet sich das Thema Beauty. Nur noch knapp über zehn Prozent aller Befragten verbinden Wellness mit Beauty-Anwendungen. Vor zehn Jahren gaben nach Recherchen von beauty24 noch ein Drittel aller Befragten an, Wellnessurlaube aus Gründen der Schönheit zu buchen. Diese Entwicklung bestätigt auch das FUR mit einem Blick auf die Urlaubsmotive: 1994 wollten 11% im Urlaub etwas für die Schönheit tun. Heute sind hingegen Abstand vom Alltag (68%) und Entspannung (62%) gefragt, gefolgt von Natur erleben (48%) und etwas für die Gesundheit tun (27%).

Zum ersten Mal dominieren laut FUR-Analyse Online-Buchungen mit 29% das Reiseverhalten, gefolgt von Portalen mit 19%. Wer allerdings glaubt, dass Pauschalreisen und Reisebüros ein aussterbendes Genre sind, irrt: der Pauschalurlaub liegt mit 42% noch immer ganz vorne. Sogar die analoge Buchung im Reisebüro liegt (unverändert seit 2014) bei rund 30%.

„Overtourismus“, Nachhaltigkeit und Klimawandel

Nachhaltigkeit hat für viele Wellnesshotels und Spa-Anbieter einen hohen Stellenwert – beim Bauen, im Gesamtkonzept, gelegentlich auch bei der Anreise der Gäste. Eindringlich wiesen Forscher und touristische Akteure auf dem ITB-Kongress auf die Gefahren des Klimawandels hin. Ein Thema, das im vergangenen Jahr noch als zartes Pflänzchen begonnen hatte, wurde heftig diskutiert: Overtourismus.

Entwicklung aus Sicht der Hoteliers. Quelle: Wellness-Hotels & Resorts

Entwicklung aus Sicht der Hoteliers. Quelle: Wellness-Hotels & Resorts

Es wird eng an den schönsten Plätzen dieser Welt. Denn immer mehr Urlauber wollen an die immer gleichen Ziele, die sie aus TV, Filmen und sozialen Medien kennen und einmal im Leben selbst besuchen möchten. Selbst im Katalog der internationalen Wellness-Trends, welche Susie Ellis mit im Gepäck hatte, wird „Overtourismus“ konkret benannt. Und wer im Hochsommer einmal in Richtung der Inseln Usedom oder Rügen unterwegs war, weiß wovon ich rede. Die Schwierigkeiten beginnen schon vor der eigenen Haustüre.

Zeit und Gesundheit: der neue Luxus

Zugleich erlebt die Tourismusbranche einen Paradigmenwechsel. Das Luxusverständnis hat sich von materiellen zu immateriellen Dimensionen verschoben. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Luxus in Statussymbolen zeigt – Zeit und Gesundheit sind der neue Luxus. „Man darf nicht hetzen, um zur Ruhe zu kommen.“ Der Luxusgast von heute und morgen sucht nach Sinn und Inhalten, Bedeutung und Sensorik. Tiefe Eindrücke berühren alle fünf Sinne. Katrin Herz, General Manager des Al Bustan Palace, einem RitzCarlton Hotel im Oman, hat das schon vor einiger Zeit erkannt und beschäftigt einen eigenen Mitarbeiter, der sich um den richtigen Duft zur richtigen Tageszeit kümmert – vom frisch gerösteten Kaffee als Stimulator am Morgen bis hin zu entspannenden Düften am Abend.

Richtige und wichtige Trends kann man nicht in Zahlen wiedergeben. Sie müssen tiefer gehen. Ein Blogbeitrag kann diese nur andeuten und zum Nachdenken anregen. Ich wünsche euch reichlich Neugierde und das richtige Gespür dabei.