FachBlog

Spa-Mitarbeiter*innen als Influencer? Diskussionsrunde auf der Beauty Düsseldorf mit Maria Hauser-Lederer, Anna Kopp und Henrik Schuster

Wie geht man mit Anfragen von Influencern um und sind nicht auch die Mitarbeiter*innen eines Spa-Hotels oder Kosmetikinstituts Meinungsmacher? Immerhin können diese mit Expertenwissen punkten und nicht nur mit „inszenierten Posen“. Worauf es ankommt, habe ich beim Treffpunkt Wellness der Beauty Düsseldorf 2019 mit Maria Hauser-Lederer, Juniorchefin Stanglwirt in Tirol, Anna Kopp, Inhaberin Anna Kopp Kosmetikinstitut, sowie Henrik Schuster, stellvertretendem Spa-Manager Severin*s Resort & SPA und Inhaber my spa area, diskutiert.

Diskussionsrunde auf der Beauty Düsseldorf 2019 mit Maria Hauser, Anna Kopp und Henrik Schuster. Foto: Beauty Düsseldorf / Spa Business / Jenny Ospelt

Diskussionsrunde auf der Beauty Düsseldorf 2019 mit Maria Hauser, Anna Kopp und Henrik Schuster. Foto: Beauty Düsseldorf / Spa Business / Jenny Ospelt

Maria, ihr seid beim Stanglwirt sehr aktiv, was Influencer-Marketing angeht, und es kommen auch sehr viele Anfragen von Influencern rein. Wie macht ihr das? Nach welchen Kriterien geht ihr hier vor?

Maria Hauser-Lederer, Juniorchefin Stanglwirt. Foto: Stanglwirt

Maria Hauser-Lederer, Juniorchefin Stanglwirt. Foto: Stanglwirt

Maria Hauser: Wir arbeiten ja schon seit 2009, also schon sehr lange, im Bereich Social Media und es ist eigentlich so zustande gekommen, dass ich damals das Marketing hauptverantwortlich übernommen habe. Der Stanglwirt ist ein sehr traditionelles Haus mit einer 400-jährigen Geschichte, aber was den Stanglwirt ausmacht, ist das Miteinander mit unseren Stammgästen. Facebook (Instagram gab es damals ja noch nicht) war eine sehr schöne und kostengünstige Methode, in einem informellen Austausch mit unseren Gästen zu bleiben. Da sind alle per Du und es ist einfach persönlicher. Viele haben damals gesagt: „Das bringt ja einem Fünf-Sterne-Hotel überhaupt nichts, da sind ja nur die ,Kinder‘.“

Ich habe mir damals schon gedacht, dass dieser persönliche Austausch Zukunft hat, dass die Menschen dieses persönliche Miteinander über das Urlaubserlebnis hinaus auch zuhause haben wollen. So hatten wir auch schon sehr früh guten, persönlichen Kontakt zu Influencern, die damals zwar noch unbekannt, mittlerweile aber große Namen mit Millionen Followern sind.

Unsere Philosophie ist, dass wir als Stanglwirt niemals jemanden dafür bezahlen, dass er zu uns kommt. Dabei geht’s nicht darum, ob man sich das leisten will, sondern um die Authentizität. Jemand soll aus voller Überzeugung und freiwillig, weil es ihm gefällt, zu uns kommen.

Nur dann ist er unabhängig und nur dann kann er eine authentische Botschaft an seine Follower weitergeben.

Wie geht ihr konkret damit um, wenn jemand sagt, aber na ja, jetzt möchte ich aber schon auch mal Geld für meine Leistung?

Maria Hauser: Für uns ist es ein ungeschriebenes Gesetz. Auch prominente Besucher kommen aus freien Stücken zu uns und nicht, weil sie dafür bezahlt werden. Wir sehen das ähnlich, wenn uns Journalisten oder eben Blogger oder Influencer besuchen. Hier geht es um Objektivität und redaktionelle Inhalte. Die Übernachtung wird natürlich gestellt.

Liebe Anna, du bist ja selbst Kosmetikerin und auch sehr aktiv auf Instagram. Stichwort Storytelling: Wie bist du selbst dazu gekommen, jetzt diesen Kanal mehr einzusetzen?

Anna Kopp, Inhaberin Anna Kopp Kosmetik. Foto: Anna Kopp

Anna Kopp, Inhaberin Anna Kopp Kosmetik. Foto: Anna Kopp

Anna Kopp: Eigentlich durch dich, Wolfgang. Du hattest vor einigen Jahren mal einen Vortrag darüber gehalten, wie wichtig es ist, gute Geschichten auch nach außen zu tragen. Also habe ich mir gedacht, das ist eine gute Idee. Ich habe das dann privat gestartet, weil ich noch als Spa-Managerin gearbeitet habe. Als ich dann mein eigenes Kosmetikstudio Anna Kopp Kosmetik vor fast fünf Jahren eröffnet habe, startete ich mit einem Konzept aus Facebook und Instagram. Mittlerweile poste ich jeden Tag. Am Anfang war es zirka zweimal die Woche. Es hat mich sehr geflasht, weil die Reichweite extrem hoch ist – auf Instagram heute noch mehr als auf Facebook.

Zum Storytelling an sich: Die Leute sind es schon gewohnt, von mir zu erfahren, was ich den ganzen Tag so mache. Also habe ich das Private mit meinem Kosmetikstudio verbunden. Anna Kopp Kosmetik ist ja meine Marke. Natürlich ist es dabei sehr wichtig, Grenzen zu setzen. Was ist privat, was beruflich? Ich lebe ja Kosmetik und deshalb passt eigentlich immer alles zusammen. Zum Beispiel war ich jetzt gerade auf einer Rundreise und habe meine Produkte, meine Favorites, immer dabei. Diese poste ich dann auch in den Storys. Manchmal ist es natürlich schon etwas anstrengend und ich werde von vielen auch oft gefragt: „Behandelst du auch noch oder machst du nur Instagram?“ Hier entgegne ich: Man braucht täglich wirklich nur ein paar Minuten. Wenn jemand sagt, er hat keine Zeit dafür, dann hat er die falsche Einstellung.

Wenn es gelebt wird, dann läuft es von alleine mit.

Auch wenn ich in der Früh im Geschäft einfach nur eine Story mache: „Das Team ist jetzt wieder komplett“, „Jetzt ist eine Mitarbeiterin aus dem Urlaub zurück“ oder „Wir haben eine Lieferung bekommen“. Hier kann der Follower mitleben.

Das würde ich auch den ganzen Herstellern empfehlen, dass sie die Endverbraucher einfach mitnehmen und erzählen, was denn eigentlich hinter den Kulissen passiert. Warum macht man gewisse Dinge so und nicht anders? Somit wird man einfach interessant. Und schlussendlich, die Jungen sind die Kunden von morgen.

Maria Hauser: Das stimmt, es sind aber auch sehr viele Ältere oder Junggebliebene auf den Social-Media-Kanälen unterwegs. Bei uns sind die meisten 35+, die im Stanglwirt auf Facebook unterwegs sind.

Anna Kopp: Ja klar, auch Ältere kommen zu mir, aber auch ganz junge Mädchen, die zu ihrer Mama sagen, wenn sie ihren Abschluss machen, möchten sie von mir geschminkt werden. Und wenn man auch bei den jungen Mädls oder auch Jungs hipp ist, dann geben die auch teilweise viel Geld für Beauty-Produkte aus. In der Kosmetikinstitut-Branche habe ich eine große Reichweite und die Kunden kommen tatsächlich zu mir ins Geschäft durch Instagram. Und das kostet nichts, außer ein paar Minuten Arbeit pro Tag.

Also, du hast ja keinen Redaktionsplan, Anna. Kommen die Ideen schon einen Tag vorher oder ist das wirklich alles total spontan?

Anna Kopp: Es gibt schon Wochen, da habe ich keine einzige Idee. Schlussendlich kann man immer ein Produkt als Story verkaufen. Auch wenn man nur schöne Blumen sieht und den passenden Lippenstift. Was man sich vielleicht anschauen sollte: wie man sich präsentiert und wie die Fotos gemacht werden. Eine gewisse Qualität gehört einfach dazu. Ich kann zum Beispiel nicht einfach ein Produkt fotografieren und im Hintergrund ist nicht aufgeräumt.

Natürlich muss man sich selbst auch ein bisschen mit der Bearbeitung von Bildern beschäftigen. Ich verwende aber kein Photoshop. Wir arbeiten natürlich auch mit Fotografen und Magazinen zusammen, auch da sagen wir definitiv, es dürfen gerne unsere Bilder verwendet werden, aber ohne die Bearbeitung von Photoshop. Es soll authentisch sein und wir greifen auch immer wieder verschiedene Themen auf. Das heißt, die ganze Topmodelproblematik mit der Größe 32 unterstützen wir nicht und zum Glück wird dieser Trend auch schon wieder weniger. Ich steh zu meiner Figur, ich steh zu meinen Rundungen und jeder Einzelne soll so angenommen werden, wie er ist. Darum arbeiten wir auch für die Magazine nicht mit professionellen Models, sondern wir suchen uns Mädls aus der Umgebung aus. Z.B. meine eigene Oma, sie ist 84, konnte ich als Model gewinnen.

Henrik, du bekleidest heute zwei Positionen: auf der einen Seite stellv. Spa-Manager vom Severins auf Sylt und auf der anderen Seite Gründer von my spa area. Du bist auch sehr aktiv auf Facebook und Instagram. Wie schaffst du den Spagat? Auf der einen Seite als Mitarbeiter, auf der anderen als Inhaber?

Henrik Schuster, stellv. Spa-Manager Severin*s Resort & SPA und Inhaber my spa area. Foto: Henrik Schuster

Henrik Schuster, stellv. Spa-Manager Severin*s Resort & SPA und Inhaber my spa area. Foto: Henrik Schuster

Henrik Schuster: Am Anfang war es etwas komplizierter. Man muss auf jeden Fall das passende Unternehmen dazu haben, um das überhaupt umsetzen zu können. Mit dem Severins habe ich einen Arbeitgeber gefunden, der hier komplett mitgeht und es toll findet, dass ich mich mit my spa area auch in der Branche engagiere. Hier mobilisiere ich junge Leute, die z.B. schon in der Ausbildung sind, und hole sie ab. Viele wissen oft gar nicht, dass ein Spa-Hotel neben dem Kosmetikinstitut ein potentieller Arbeitgeber ist. Man kann vieles gut miteinander vernetzen, das habe ich mir am Anfang komplizierter vorgestellt. Man hat so auch viele gute Kontakte und Partner in der Branche, die einem bei Problemen auch unter die Arme greifen. In der Spa-Branche ist es, im Gegensatz zu anderen Brachen, immer etwas familiärer. Da freut man sich dann auch für den anderen, wenn dieser etwas gut macht. Das ist mir in dem Fall dann auch zugutegekommen.

Das heißt, es ist auch von Vorteil für das Severins, einen Mitarbeiter zu haben, der so gut vernetzt ist?

Henrik Schuster: Ja genau, ich habe auch viele Freunde, die auch zwei Sachen betreiben. Der Arbeitgeber unterstützt das meistens. Man darf natürlich kein Konkurrenzunternehmen aufbauen.

Aber wenn beide Seiten sich unterstützen und die Gesprächsbasis gut ist, profitieren beide Seiten.

Es kann schon auch passieren, dass der eine oder andere hier in ein Fettnäpfchen tritt. Hier ist eine positive Fehlerkultur notwendig, aus der man auch lernen kann.

Du würdest also empfehlen, dass mehr Unternehmen ihre Mitarbeiter*innen fördern, mehr in diese Richtung zu machen?

Henrik Schuster: Ja. Man hört leider immer wieder, dass Unternehmen solche Bestrebungen lieber etwas runterdrücken. Aber es schadet doch keinem Unternehmen, wenn sich Mitarbeiter*innen weiterentwickeln und unternehmerisch denken. Angst ist kein guter Ratgeber und für die Mitarbeiterbindung sicher nicht von Vorteil.

Maria, wie ist das bei euch im Stanglwirt?

Maria Hauser: Wir haben hier ein besonders schönes Beispiel: Unser Personal-Trainer Björn Schulz hat die Plattform des Stanglwirts für sich wunderbar genutzt. Mit seiner sehr herzlichen und bodenständigen Art hat er selbst einen Instagram-Account ins Leben gerufen. Mittlerweile hat er hier rund 18k Follower. Er hat es eben verstanden, unsere Philosophie mit seiner Persönlichkeitsmarke zu verbinden. Wir haben das immer unterstützt, von Anfang an.

Heute sind die Influencer leider sehr kommerziell unterwegs. Das hat nichts mehr mit authentischer Emotion zu tun. Dieser Ursprungsgedanke von Social Media ist weitgehend verloren gegangen. Deshalb sollten die Mitarbeiter*innen die Influencer von morgen werden, weil diese eben noch authentisch und glaubwürdig sind. Daneben haben die/der Kosmetiker*in, Masseur*in, Golflehrer*in, Reitlehrer*in, Tennislehrer*in ein enormes Wissen.

Diskussionsrunde mit (v. links) Henrik Schuster, Anna Kopp, Maria Hauser, Wolfgang Falkner. Beauty Düsseldorf / Spa Business / Jenny Ospelt

Diskussionsrunde mit (v.l.) Henrik Schuster, Anna Kopp, Maria Hauser, Wolfgang Falkner. Beauty Düsseldorf / Spa Business / Jenny Ospelt

Habt ihr keine Angst davor, dass Mitarbeiter erst eine große Reichweite aufbauen und dann wieder gehen? Was kannst du da empfehlen?

Maria Hauser: Natürlich gibt es eine gewisse Fluktuation – in jeder Branche –, vor allem, wenn junge Menschen im Team sind. Die wollen auch die Welt erkunden. Viele kommen dann ja auch wieder zurück und das ist das Schöne. Wenn sie den Ort, wo sie die ersten beruflichen Schritte gemacht haben, wertschätzen, entsteht eine besondere Verbindung, die ein Leben lang hält. Deshalb würde ich das immer unterstützen, wenn sich jemand gemäß unserer Philosophie einen Namen machen will. Auch wenn dieser Mensch einmal das Unternehmen verlässt, haben die Follower eine positive Assoziation zu diesem Menschen und somit auch zum Stanglwirt.

Das heißt, ihr ermutigt eure Mitarbeiter, etwas Eigenes zu machen?

Maria Hauser: Wir haben jetzt beim Stanglwirt z.B. eine neue Mitarbeiterin, die sich super mit Kräutern auskennt. Da habe ich mich gleich mit ihr zusammengesetzt und gesagt, dass ihre Gabe eine Bühne bekommen muss. Hier darf ich meinen Vater zitieren:

Glück bedeutet, gemäß seinen Fähigkeiten und Veranlagungen gebraucht zu werden.

Mein Glück ist es, dass ich mit meinen Fähigkeiten beim Stanglwirt gebraucht werde. So soll es eigentlich jedem/-r einzelnen Mitarbeiter*in gehen.

Man merkt das dann wahrscheinlich auch auf Instagram & Co., ob man gerne etwas postet oder etwas posten muss?

Maria Hauser: Nein, bitte kein Muss! Zwang ist ein Feind des Menschen, man darf niemanden zwingen. Das muss von innen heraus kommen, wie bei unserem Personal-Trainer. Der hat einfach damit angefangen, auch mit seinen Trainingsgästen in Kontakt zu bleiben und Tipps zu geben – das war der Ursprungsgedanke.

Anna, wie ist das jetzt bei dir? Du hast ja auch Mitarbeiter*innen, wie werden diese mit ins Boot geholt?

Anna Kopp: Mittlerweile, wenn ich nicht im Studio bin, bekomme ich automatisch von den Mädls schon Fotos geschickt, weil sie wissen, dass ich das für meine Storys brauche. Wie Maria schon gesagt hat, braucht jeder seine Bühne. Das finde ich super und wir haben darüber geredet, dass jeder, wenn ich wieder zurück bin, eine Woche zum Posten zugeteilt bekommt, z.B. Julia-Woche, Sandra-Woche. Damit bekommt man die Gelegenheit, den Betrieb aus den Augen der Mitarbeiter*innen zu zeigen. Das ist kein Zwang, jeder kann das auf seine Art und Weise machen. Ich habe aber auch keine Angst, wenn jemand die Firma verlässt. Denn so dürfte man eigentlich gar keinen anstellen. Man ist ja heute weiterhin verknüpft und wie auch schon angesprochen wurde: Wenn ein/-e Mitarbeiter*in geht, schaut er/sie sich mal einen anderen Betrieb an und kommt dann vielleicht auch wieder zurück.

Wie ist das bei euch im Severins, Henrik?

Henrik Schuster: Bei uns sehe ich das so, dass die Mitarbeiter*innen im ganzen Haus, also nicht nur im Spa, diese Philosophie komplett eingesogen haben. Sie machen Fotos, wie sie das Unternehmen sehen, und teilen diese Bilder erst einmal selbst auf ihren privaten Accounts und versorgen auch das Unternehmen mit Fotos. Sie wollen, dass das Unternehmen auch von Freunden positiv gesehen wird. Das finde ich immer total faszinierend. Früher sind Spa-Mitarbeiter*innen einfach rausgegangen und tschüss. Heute ist das im Severins so, dass man sich beim Rausgehen umdreht und noch schnell ein Foto macht.

Vielen Dank, ein schöner Abschlusssatz!