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Vom Ich zum Wir! Das Spa als Ort für alle. Innenarchitekt René Pier im Interview

Bei seiner Session beim SpaCamp 2019 fragte Innenarchitekt René Pier, ob ein Spa grundsätzlich nur ein Ort für die Reichen und Schönen ist. So wurde diskutiert, ob „Einfachheit“ im Spa überhaupt eine Chance hätte und ob jedem/-r, unabhängig von Einkommen und Lebensstil, ein Spa-Aufenthalt ermöglicht werden sollte. Im Interview erzählt René Pier über die unterschiedlichen Arten von Luxus und Nachhaltigkeit in der Spa-Architektur. Außerdem geht er darauf ein, wie ein Wir-Gefühl im Spa in einer zunehmend vereinsamenden Gesellschaft gefördert werden kann.

Das Spa als Ort für alle. Foto: Adobe Stock/Raxpixel.com

Das Spa als Ort für alle. Foto: Adobe Stock/Raxpixel.com

Instagram vermittelt den Eindruck, das Spa sei ein Ort, an dem sich vorrangig die „Reichen und Schönen“ verwöhnen lassen. Wie siehst du persönlich als Spa-Architekt die aktuelle Situation?

Architektur und im Speziellen Innenarchitektur ist immer ein zeitgenössisches Abbild unserer Gesellschaft. In der Bilderwelt von Instagram und anderen Portalen allerdings wird immer mit Sehnsüchten gehandelt und deswegen kann man diese Welt nicht unbedingt mit der real erlebten Welt vergleichen. Aus der Gesellschaft heraus aber muss diskutiert werden, welche Angebote uns als Wertegemeinschaft aller Menschen weiter zusammen bringen oder uns trennen.

In meiner Position als Innenarchitekt bin ich ein Seismograf der gesellschaftlichen Erschütterungen und kann natürlich in der Beratung Bauherren sensibilisieren, sich mit der gesellschaftlichen Realität und Zukunft auseinanderzusetzen und eine klare Haltung zu definieren.

Wie könnte das Spa ein Ort für alle werden? Müssen wir Luxus neu definieren?

Im Wort Luxus ist Lux, der lateinische Begriff für Licht, eingeschrieben. Luxus ist daher immer mit Strahlkraft verbunden. Doch der Umstand, das Ding oder das Umfeld, welches diese Strahlkraft hat, ist einem stetigen Wandel unterworfen.

Raum, Ruhe und eine sichere natürliche Umgebung stehen heute für eine bestimmte Form von „stillem“ Luxus, der neben dem „lauten“ Luxus des Konsums besteht. Eine sichere Natur, verbunden mit einer gewissen Unschuld und Romantik ist dabei sehr wichtig hervorzuheben, weil wir momentan auch eine wilde, gar „strafende“ Natur wahrnehmen, die uns unsere Grenzen aufzeigt.

René Pier bei seiner Session "Ist Spa nur was für die Reichen und Schönen?" beim SpaCamp 2019. Foto: DH STUDIO Köln, Dirk Holst

René Pier bei seiner Session „Ist Spa nur was für die Reichen und Schönen?“ beim SpaCamp 2019. Foto: DH STUDIO Köln, Dirk Holst

Wenn Spa-Angebote alle Einkommensschichten erreichen wollen, müssten auch die Angebote günstiger werden. Ist das überhaupt möglich?

Getrieben von jungen Menschen, die eine berechtigte Befürchtung hegen, dass deren Zukunft durch unseren heutigen Lebenswandel gefährdet wird, bekennen sich immer mehr Innenarchitekt*innen zu einer Planung von nachhaltigen Projekten. Schon allein die Tatsache, bestehende Räume neu zu besetzen, umzunutzen und anzupassen, spart Energie und Kosten. Orte, die uns aus dem Alltag und den alltäglichen Sorgen holen, können dazu dienen, uns Wellness zu bieten. Diese Sehnsucht nach Ruhe und Ordnung bzw. dem Rhythmus der Natur können wir auch ohne einen gebauten Raum erleben. Hier wird die Unterweisung, der Service entscheidend.

Um jedoch ein Spa auf das Wesentliche zu reduzieren und dadurch Kosten zu optimieren, braucht es professionelle Partner aus der Zunft der Innenarchitekt*innen. Um aus der überbordenden Fülle der Möglichkeiten die eine richtige und passende Lösung zu extrahieren, braucht es professionelle Berater. Reduktion bedeutet also nicht, an der Planung zu sparen, eher das Gegenteil ist richtig.

Das kleinste von René Pier konstruierte Spa mit 75 m² im Aparthotel Badblick. Foto: Sebastian Düsenberg

Das kleinste von René Pier konstruierte Spa mit 75 m² im Aparthotel Badblick. Foto: Sebastian Düsenberg

In deiner Session habt ihr besprochen, dass die Gemeinschaft, das Wir, bei einem Spa-Besuch wieder stärker in den Vordergrund treten sollte. Wie können Spa-Hotels dieses Wir-Gefühl fördern?

Einsamkeit, die krank macht, ist in zunehmenden Maße auf dem Fortschritt, vor allem bei jungen Menschen.

Mit der Welt vernetzt und zu Hause allein.

Angebote, die unterschwellig Gemeinschaft fördern können, sind daher sehr sinnvoll und versprechen Erfolg.

Ein wesentlicher Faktor ist dabei aber die Tatsache, dass der Hotelier oder Spa-Betreiber seine Gäste genau kennt. Hier helfen uns Mechanismen aus dem Social-Media-Bereich, um genaue Profile erstellen zu können. In Zukunft kann sich dann der Hotelier die Gäste suchen, die am besten zu seinem Angebot passen. Menschen, die Interessen teilen, auch wenn sie sich vorher fremd waren, werden dann zueinander finden. So entstehen Gemeinschaften, die sonst nie entstanden wären, und dies ist zuerst einmal keine Frage des Geldbeutels.

Vielen Dank, René Pier, für deine Session beim SpaCamp 2019 und das lehrreiche Interview.