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Nachhaltiges Wissen durch Online-Schulungen – Interview mit Michaela Hösch und Sonja Ruprah-Weihs

Gerade in Zeiten wie jetzt, in denen viele von zu Hause aus arbeiten, wird uns die Wichtigkeit von Online-Angeboten deutlich vor Augen geführt. Michaela Hösch und Sonja Ruprah-Weihs haben bereits bei ihrer vergangenen SpaCamp-Session gemeinsam mit den Teilnehmer*innen über das Thema „Laptop-Coach“ diskutiert. Wir haben im Gespräch noch einmal nachgefragt, welche Vorteile Online-Schulungsvideos im Hotel- und Spabereich mit sich bringen – gerade beim Erlernen von Techniken und Routinen.

Durch Online-Schulungen kann nachhaltig Wissen erworben werden. Foto: Adobe Stock/fizkes

Durch Online-Schulungen kann nachhaltig Wissen erworben werden. Foto: Adobe Stock/fizkes

Ein großer Vorteil von Online-Schulungen ist, dass Videos jederzeit abgerufen werden können. Welche weiteren Vorteile könnt ihr nennen?

Michaela Hösch: Genau, Videos können zu jeder Tages- und Nachtzeit abgerufen werden. Damit sind die Teams natürlich extrem flexibel und jede/r kann zum Beispiel Sequenzen, die er/sie noch nicht verinnerlicht hat, immer und immer wieder ansehen. Ein wesentlicher Vorteil ist auch der Faktor Zeit. Ich weiß aus Erfahrung, dass Schulungstermine sehr schwer zu koordinieren sind, vor allem, wenn die Schulungen für eine Hotelgruppe übergreifend organisiert werden müssen. Dadurch werden sie möglicherweise seltener durchgeführt als notwendig. Darunter leidet dann meist einerseits die Qualität und andererseits leidet auch der Umsatz, zum Beispiel durch fehlende Weiterbuchungen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Spa-Manager*innen bei der Durchführung von Schulungen und wie können sie durch Online-Videos unterstützt werden?

Sonja Ruprah-Weihs: Wir haben uns über Jahre an das Thema Online-Schulungen herangetastet und sind nun seit über sechs Jahren damit unterwegs. Vor allem bei den Spa-Mitarbeiter*innen im Hotel steht man immer wieder vor der Problematik, dass flächendeckende Schulungen kaum umsetzbar sind. Lange Arbeitstage, wechselnde Dienste, freie Mitarbeiter*innen in der Hochsaison – das alles macht es schwierig, gemeinsame Schulungen durchzuführen. Ein unerwarteter Mitarbeiterwechsel, kurzfristige Ausfälle, weil doch noch eine Massage spontan gebucht wurde oder eventuelle krankheitsbedingte Ausfälle sind Themen, die jede/-r Spa Manager*in nur zu gut kennt.

Mit unserem „tsar E-Wellness, Training & Spa Konzept“ helfen wir dabei, wenn beispielsweise ein neues Thema im Hotel etabliert werden soll. Dabei muss einiges bedacht werde. Von der Konzeption bis hin zur Umsetzung bedeutet das viel Zeitaufwand. Wir machen das auf Knopfdruck möglich. Man wählt ein Thema und bekommt ein fertiges Konzept – von der Idee über Textbausteine bis hin zu genauen Planungen, welche/-r Mitarbeiter*in sich welche Schulungssequenzen ansehen muss.

Damit kann sich der/die Spa Manager*in auf die Kernaufgabe konzentrieren – seinem Team einen Zeitplan zu geben, welche Schulungen sich welche/-r Mitarbeiter*in bis wann ansehen muss. Die Schulungen sind übrigens alle in kurze Sequenzen eingeteilt. Das Gesehene kann in den regelmäßig stattfindenden Spa-Meetings besprochen werden. Grafische Vorlagen erleichtern ebenfalls die Arbeit. Der/die Spa Manager*in gibt einen fertigen Entwurf an das Marketing weiter, das hier nur noch das Hotellogo einfügen muss. Aber auch die Werbetexte für die Rezeption, Informationen für das Zimmer, Empfehlungen für das Restaurant etc. sind vorbereitet und können auf Wunsch verwendet werden. So transportiert man das Spa-Thema im gesamten Hotel und schafft Überraschungsmomente für die Gäste.

Sonja Ruprah-Weihs & Michaela Hösch bei ihrer Session beim SpaCamp 2019. Foto: DH STUDIO Köln, Dirk Holst

Sonja Ruprah-Weihs & Michaela Hösch bei ihrer Session beim SpaCamp 2019. Foto: DH STUDIO Köln, Dirk Holst

In eurer Session habt ihr die These aufgestellt, dass Mitarbeiter*innen mehr behalten, wenn sie online anstatt in einem persönlichen Training geschult werden. Was macht euch da so sicher?

Sonja Ruprah-Weihs: Die Erfahrung. Unsere Teilnehmer*innen sind so unterschiedlich wie die Farben. Jede/-r kommt mit anderen Grundvoraussetzungen, Kenntnissen, Interessen und  Erfahrungen. Das ist die große Herausforderung jeder Schulung. Ein Masseur, der seit 30 Jahren in seinem Beruf tätig ist, kann Dinge wahrscheinlich schneller umsetzen als ein junger Masseur, der noch nicht so viel Berufserfahrung hat. So braucht jeder ein unterschiedliches Maß an Zeit, um Dinge in die Praxis umzusetzen. Manche lernen schnell und können, nachdem sie eine Anleitung erhalten haben, sofort damit durchstarten. Es gibt aber auch viele, die sich eine Schulung mehrmals ansehen müssen, bis alles sitzt. Und hier bieten wir ein Konzept, bei dem jede/-r ganz individuell die Schulungszeit bekommt, die er/sie braucht. Das garantiert ein konstantes Niveau für alle Mitarbeiter*innen zu gleichen Teilen.

Michaela Hösch: Eine persönliche Schulung hat natürlich auch viele Vorteile, aber sie kann nicht mit einem Online-Video mithalten, wenn es darum geht, Techniken oder Routinen genau zu erlernen. Ein Video drehe ich so oft, bis es genau das zeigt, was ich vermitteln will. Beim Livetraining kann der/die Trainer*in eine vermeintliche Fehlerquelle sein oder der/die Schüler*in ist gerade unaufmerksam.

Wie sehen Online-Schulungsvideos im Idealfall aus? Welche Elemente braucht ein gutes Drehbuch?

Sonja Ruprah-Weihs: Ich denke, das ist am anschaulichsten mit einem Blick hinter die Kulissen erklärt. Wenn wir ein neues Thema aufgreifen, setzen wir uns mit unseren Expertenteams zusammen und erarbeiten im ersten Schritt ein Rohkonzept. Hier gibt es meist viele offene Fragen, die einer genauen Recherche bedürfen. Stehen die Eckparameter, kommen wir zum nächsten, sehr wichtigen Schritt. Wir erstellen das Drehbuch, welches uns einen Fahrplan durch das Thema gibt.

Uns ist es immer ein Anliegen, jedes Thema so spannend wie möglich aufzubauen, denn – das sehen wir an den Absprungraten – ein langweiliges Video sieht sich niemand an. Jede/-r Betrachter*in muss seinen/ihren Nutzen im Gesehenen erkennen und wir müssen es schaffen, die wesentlichen Dinge in so kurzer Zeit wie möglich auf den Punkt zu bringen, ohne wichtige Details auszulassen. Das ist ein schmaler Grat und den gilt es zu treffen. Es ist auch schon passiert, dass wir nach den ersten Videodrehs zu einem bestimmten Thema alles verworfen haben und neu gedreht haben, weil wir mit dem Ergebnis nicht zufrieden waren. Man sieht, diese Frage ist nicht mit einem Satz zu beantworten außer vielleicht:

Ein Drehbuch braucht so viele Elemente wie nötig und so wenige Elemente wie möglich.

Michaela Hösch: Für uns ist es wichtig, dass die einzelnen Filmeinheiten relativ kurz und einfach gehalten und in sich abgeschlossen sind. Das erleichtert den Mitarbeiter*innen den Einstieg in das Thema, auch wenn nur wenig Zeit zur Verfügung steht. Intensive Wissensvermittlung und Motivation sind ganz wesentliche Eckpfeiler.

Vielen Dank, Sonja Ruprah-Weihs und Michaela Hösch, für eure Session beim SpaCamp 2019. Danke auch für das interessante Interview und den Blick „hinter die Kulissen“.