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Aus der Not eine Tugend machen! Wie können Hotel-Spas mit Gästen in Kontakt bleiben und sich auf die Öffnung vorbereiten?

Lisa Marie Stangier ist Spa-Managerin im Interalpen-Hotel Tyrol. Ihr ist es ein Anliegen, den Kontakt und die Kommunikation mit den Gästen auch in dieser Zeit positiv aufrechtzuerhalten. Wie das funktioniert und welche Tipps sie hat, um den Gästen jetzt einen Hauch von Spa nach Hause zu bringen, verrät sie im Beitrag. Sie geht außerdem der Frage nach, wie auch bei strengeren Hygienemaßnahmen ein Spa-Erlebnis geschaffen werden kann. Dabei macht sie Mut und blickt zuversichtlich in die Zukunft.

Trotz neuer Hygienemaßnahmen bleibt das Spa dank der Mitarbeiter*innen ein Ort zum Wohlfühlen. Foto: Adobe Stock/Krankenimages.com

Trotz neuer Hygienemaßnahmen bleibt das Spa dank der Mitarbeiter*innen ein Ort zum Wohlfühlen. Foto: Adobe Stock/Krankenimages.com

Ein Lichtstreif am Horizont – unsere Hotels in Österreich dürfen bald wieder öffnen. Dennoch ist weiterhin ungewiss, wann wir viele unserer (Stamm-) Gäste aus den umliegenden Ländern wieder als unsere Hotelgäste begrüßen dürfen und welche Maßnahmen wir in den Spas konkret umzusetzen haben.

Fragen, mit denen wir Spa-Manager*innen uns derzeit sehr beschäftigen, sind unter anderem: Wie können wir jetzt mit unseren Spa-Gästen in Kontakt bleiben? Wie geht Spa „danach“? Und wie kommen wir dann wieder mit unseren Gästen in Kontakt – auch körperlich?

Abstand als neue Herausforderung

„Social distancing“ ist gerade das Mittel der Wahl. Social distancing ist für die Gestaltung eines genussvollen Day Spa Besuchs oder eines Wellness-Wochenendes aber eine enorm große Herausforderung. Saunaaufguss-Zeremonien, eine entspannende Massage- oder Kosmetikanwendung, eine gemeinsame Yoga-Einheit oder der Kaffee an der Poolbar – all das wird erst durch den Kontakt zu unseren Spa-Mitarbeiter*innen zum Erlebnis. Durch deren herzliche Art, einem Lächeln und ihrem Können schaffen sie es, die höfliche Distanz sehr respektvoll in Nähe umzuwandeln.

Dieser Umgang wird in nächster Zeit neuen Herausforderungen und Unsicherheiten ausgesetzt sein – von Seiten der Gäste und der Mitarbeiter*innen. Es wird beides geben: verunsicherte oder ängstliche Gäste und Mitarbeiter*innen und völlig unbeeindruckte Personen, die den Kontakt nicht scheuen oder die Verunsicherten sogar belächeln werden. Es wird all diese Grüppchen geben – in jeder Konstellation. Hier wird also gerade zu Anfang ein besonderes Fingerspitzengefühl erforderlich sein. Noch mehr Respekt, Verständnis und Rücksichtnahme müssen unseren Verhaltenskodex prägen, damit unsere Spas weiterhin die Wohlfühloasen bleiben, die sie sind. Daher ist es jetzt besonders wichtig, den Kontakt mit den Gästen (und den Mitarbeiter*innen!) aufrecht zu erhalten und alle zu informieren, wie wir unser Spa Erlebnis zukünftig gemeinsam gestalten werden. Und wie wir die Zeit bis dahin mit schönen Ideen für ein bisschen Spa@Home überbrücken können.

Spa@Home

Über Social Media Kanäle und Blogartikel lassen sich einfache Ideen für ein kleines Wohlfühlerlebnis zu unseren Gästen nach Hause transportieren. Ob selbstgemachtes Peeling mit Meersalz und Olivenöl, eine Haarkur aus Kokosnussöl, eine Bürstenmassage oder ein pflegendes Vanille-Entspannungsbad – die Ideen sind sehr leicht umzusetzen und bringen einen Hauch Spa-Feeling ins eigene Badezimmer. Darüber hinaus gibt es sehr wertvolle Techniken wie Atemübungen oder Meditation, die helfen, in emotional aufgeladenen Zeiten wie diesen, mehr Entspannung, Optimismus oder auch Antrieb zu finden. Auch Trainingstipps für kurze, knackige Homeworkouts oder einfache Yogaübungen für Jedermann und Jedefrau werden von unseren Followern dankbar umgesetzt.

Jetzt sollten wir all unsere vielfältigen Kompetenzen und Wirkungsbereiche zeigen, die wir in unseres Spas haben. Wir sind die Profis in Sachen Stressreduktion, Bewegung, Ernährung, gesundem Lifestyle, Entschleunigung, Detox und vielem mehr. Wir wissen, wie man den Körper pflegt – im Innen und Außen, im Bewussten und Unbewusstem. „Tue Gutes und sprich darüber“ ist ein altes Sprichwort, welches wir uns derzeit mehr zu Herzen nehmen sollten. Ideen geben, Tipps und Tricks verraten, motivieren Neues auszuprobieren, vorleben was gesund ist, zeigen wie es geht, gut zureden, und die Gäste online begleiten und inspirieren. Das kann vielen helfen, entspannter und kurzweiliger durch diese Zeit zu kommen.

Produkte und Co.

Eine sehr einfache Möglichkeit, gerade den Stammgästen ein wenig Service zu bieten, ist das Versenden von Kosmetik- und Pflegeprodukten. Auch wenn das Hotel oder der Day Spa eigentlich keinen Online-Shop und Produktversand betreibt, ist es in dieser Zeit eine willkommene Ausnahme. Die Möglichkeit, per Mail sein persönliches „Care Paket“ zu bestellen, lässt sich einfach per Social Media oder Newsletter an alle Gäste kommunizieren. Sie werden es dankend annehmen.

Eine ebenso schöne Idee ist eine Verlosung via Facebook oder Instagram mit einfachen Ratespielen rund um das Hotel oder den Spa. So können die Gäste z.B. eine Massage oder einen Produktgutschein für den nächsten Aufenthalt gewinnen. Und die Vorfreude auf das Wiedersehen steigt somit.

Körperliche Berührung ist unersetzbar

Nochmal zurück zum Kernthema: Wie gehen wir mit dem Thema Körperkontakt und Nähe um, wenn unsere Spas wieder öffnen? Welche erweiterten Hygienemaßnahmen erwarten unsere Gäste von uns? Welche Schutzmaßnahmen sind ohnehin Vorgabe und was darüber hinaus wünschen sich vielleicht auch unsere Mitarbeiter*innen? Sollten wir Begrüßungsrituale überdenken?

Eine gute Nachricht vorab: Die körperliche und seelische Berührung ist für uns Menschen so überlebensnotwendig wie essen, trinken und atmen. Unsere Arbeit wird durch keine Maschine dieser Welt zu ersetzen sein und früher oder später, Bedenken und Sorgen hin oder her, werden wir wieder sehr gefragt sein und wie gewohnt massieren, therapieren und behandeln. Unser menschliches Bedürfnis nach Nähe und Wohlbefinden, nach Entspannung und Ausgleich wird vermutlich stärker denn je zurückkommen. Menschen sind Rudeltiere und nicht für „Social distancing“ gemacht. Wir werden unserer Passion also ganz sicher bald wieder nachgehen können – natürlich der richtige Verhaltenskodex aller Beteiligten vorausgesetzt.

Neue Rituale & Hygiene

Es wird sich für die Therapeut*innen vielleicht erstmal ein wenig holprig anfühlen und ungewohnt sein, wenn es heißen sollte, dass während der Behandlung Masken und Handschuhe zu tragen sind. Für Kosmetiker*innen und Fußpfleger*innen ist das allerdings an der Tagesordnung und völlig normal. Wie so vieles ist also auch das eine Frage der Gewohnheit und wird der Qualität der Behandlung keinen Abbruch tun. Eine Maximalanzahl an Gästen im Schwimmbad und ein Mindestabstand in einem Saunaaufguss ist für alle Gäste im Grunde sogar Luxus pur. Man bedenke den Platz und die Großzügigkeit, die man plötzlich genießt. Und etwas mehr Abstand beim Warten an der Spa-Rezeption schadet der Privatsphäre sicherlich auch nicht. Wir werden Wohl oder Übel mit ein wenig mehr Anstandsregeln aufwarten müssen. Wenn aber alle Gäste und Mitarbeiter*innen an einem Strang ziehen, können diese Regeln nach der ersten Eingewöhnung sicherlich auch als angenehm empfunden werden.

Vielleicht kann man sogar so weit gehen und sagen, dass – bis sich die Gesamtsituation insgesamt wieder entspannt hat – der Umgang untereinander wieder einen Hauch respektvoller, höflicher und rücksichtsvoller geworden ist. Aus der Not wird die Tugend. Das würde mir für unsere so stilvolle und wertschätzende Branche, die vom würdevollen Umgang miteinander lebt, sehr gefallen.

Vielen Dank, liebe Lisa Marie Stangier, für deinen Beitrag voller kreativer Tipps und positiver Gedanken während dieser herausfordernden Zeit. Wir wünschen euch für die Wiedereröffnung und die Zukunft im Interalpen-Hotel Tyrol alles Gute!