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Flow Moments – auch in herausfordernden Zeiten im Fluss bleiben. Frank Weckesser im Gespräch

Flow Moments sind Momente von Leichtigkeit, in denen alles zu fließen scheint. Frank Weckesser nimmt uns im Interview mit auf seine Reise nach Australien, Neuseeland und Fidschi, bei der er immer wieder solche Moments erleben durfte. Außerdem erklärt er uns, wie wir es auch in herausfordernden Zeiten schaffen können, im Fluss zu bleiben und warum der Verstand nicht die Hauptrolle im Spiel des Lebens einnehmen sollte.

Frank Weckesser erlebte auf seiner Reise einige Flow-Momente. Foto: Weckesser

Frank Weckesser erlebte auf seiner Reise einige Flow-Momente. Foto: Weckesser

Wir haben uns kurz vor Corona in Salzburg getroffen und du hast von deiner großen Reise nach Australien, Neuseeland, Fidschi erzählt und auch Flow-Moments erlebt. Kannst du uns nochmal davon berichten?

Das war in der Tat eine Reise die ich als vollkommen im Fluss erlebte. Es haben sich einfach vier Wochen lang ständig wunderbare Situationen und Begegnungen ergeben und sehr schöne Naturmomente. Nichts war anstrengend, viele schöne Überraschungen und Schwierigkeiten lösten sich wie von selbst auf.

Zum Beispiel genoss ich gerade den Milford Sound auf Neuseelands Südinsel und die klare Luft am See in Queenstown, als der üble, giftige Rauch der Buschfeuer über Sydney, meinem nächsten Ziel, hinwegzog. Ich war nicht sicher, ob ich überhaupt rüberfliegen soll. Als ich in Sydney landete erwartete mich blauer Himmel und Sonne, und das während meines gesamten Aufenthaltes dort. Der Rauch kam zurück, als ich abfuhr. Auf dem Weg nach Byron Bay hörte ich im Auto einen Podcast darüber, wie man mit Kenntnis von Energien manifestiert. Es wurde die Analogie mit der Hebelwirkung eines großen Baukrans genannt: Wenn man also etwas Großes vor hat, nicht mit Kleinwerkzeug rangehen, sondern gleich den Kran einsetzen. Kaum war der Podcast zu Ende, fuhr ich an einem riesigen Werbeschild vorbei: „Universal Cranes“ stand darauf, ein Verleih für Kräne aller Art. Gänsehaut- Moment. Für mich eine Bestätigung, dass ich „on track“ bin.

Und solche und ähnliche Momente gab es häufig auf der Reise. Auch in Fidschi: Ich besuchte die Biasevu Falls, die wirklich viele Besucher zählen. Ich trödelte über den Tag, trank Kava Kava und als ich eigentlich viel zu spät ankam, stellte sich mir der Guide vor mit den Worten: „Es ist spät, wir müssen neun Mal den Fluss überqueren auf dem Weg, aber wir kommen schnell voran, weil Sie um diese Zeit der einzige sind, der noch hoch möchte.“ Super: Ich hatte die Falls ganz alleine für mich. Auch dieses Erlebnis wäre mir nicht geschenkt worden, wäre ich der Ratio gefolgt und im Besucher-Pulk gelandet.

Ich könnte noch viele solcher Beispiele nennen. Doch ich glaube, ihr versteht, was ich zeigen möchte: Ich ging aus dem Weg, hörte nicht auf Bedenken und wurde mit dem Flow belohnt. Wieder und wieder, vier Wochen lang. Und dann war etwas umprogrammiert in mir, denn zu Hause geht es gerade so weiter… meistens, sogar in Corona Times 😉

Wie kann man Flow Moments beschreiben? Was zeichnet ihn aus bzw. wie erkenne ich, dass ich im Flow bin?

Das hat, denke ich, etwas damit zu tun, dass du dich dem Fluss des Lebens hingibst. Es erinnert mich an den Titel eines Buches zur Gestalttherapie: „Don’t push the river“. Da ist einfach ein Fließen in Allem und ich merke, dass es damit zu tun hat, dass ich keinen Widerstand leiste und mit einer gewissen Hingabe und Gottvertrauen lebe. Der Flow ist unser natürlicher Seinszustand, wenn wir ihn nicht durch „Besserwissen“, Widerstände oder langem Zögern bzw. vorschnellem Agieren überlagern. Im Zen nennt man das WU WEI – Handeln durch Nichthandeln.

Wenn Du nichts tust, wird alles getan.

Das meint natürlich nicht, sich nur aufs Sofa zu legen und Netflix zu schauen, sondern der Intuition wieder vertrauen zu lernen, die uns den Weg des „anstrengungslosen Erzielens“ zeigt. Diese Idee steht Allem entgegen was wir gelernt haben. Man hat uns gesagt „Ohne Fleiß kein Preis“ –und so wird gerannt, gekämpft und bemüht ohne Ende. Ein riesiger Irrtum, der den Menschen weltweit Stress macht und Lebensglück verhindert.

Frank Weckesser konnte auch die Schönheit der Natur Neuseelands genießen, wie hier am Milford Sound. Foto: Weckesser

Frank Weckesser konnte auch die Schönheit der Natur Neuseelands genießen, wie hier am Milford Sound. Foto: Weckesser

Corona hat auch die Spa-Branche hart getroffen. Was können wir als Branche und als einzelner tun, um dennoch im Flow zu bleiben?

Das Beste was zu tun ist, ist immer wieder zu schauen, ob die Motivation deiner Gedanken und Handlungen Angst oder Liebe ist. Wir haben eine Gesellschaft, die auf Angst aufbaut: Man muss sich schützen, man muss kämpfen, man muss dem vermeintlich Schlechten Widerstand leisten usw. Auch hier Irrtum! Die Bibel und alle großen Philosophen und Mystiker sagen es dir:

Nach Eurem Glauben soll Euch werden (Matthäus 22).

Ich bin weit von bibelfest und auch nicht wirklich religiös. Aber Recht haben sie.

Die Welt ist so wie wir glauben, dass sie ist. Sie ist eben nicht wie sie ist. Denn WIE sie ist, beurteilt unsere persönliche Interpretation der Realität. So kannst du auch Corona als zu bekämpfende Krise oder als Einladung zum Neudenken und Neu-Handeln sehen, als Chance die lang verschobene Veränderung zuzulassen. Alles beginnt im Bewusstsein. Wenn du dich der Krise aus dem bewussten Sein (was nicht das Denken ist!) näherst, schaut alles sehr interessant aus und inspiriert zu neuen Ideen und Vorgehensweisen. Du erkennst den natürlichen Ablauf von Werden – Bestehen – Vergehen einfach in Allem. Daher ist der MINDSET zunächst wichtiger als der ACTION PLAN. Ein gefestigter, reflektierter Geist in einem gesunden Körper entwickelt einen ganz anderen Handlungsplan als ein ängstliches, auf Sicherheit bedachtes, Pfründe bewahrendes, und (ver)urteilendes Denken.

Du meinst, wir müssen uns von der Sicherheit verabschieden?

Ich verrate dir noch etwas:  Ja, Sicherheit gibt es nicht in der äußeren Dualität des Lebens, aber du findest Sicherheit in deinem Inneren das mit dem Ewigen des Universums direkt verbunden ist.

Daher rate ich seit ich beim SpaCamp dabei bin, immer zuerst den inneren Prozess, das WIE anzuschauen, nicht das WAS in den Vordergrund zu stellen. Es ist nicht Denken-Handeln, damit ich habe und dann sein darf. Es ist SEIN lassen –intuitiv TUN – anstrengungslos HABEN. So läuft der Hase im Universum, auch wenn die Welt es genau andersherum durchdrücken möchte, weil man nicht an das SEIN an sich glaubt oder sich dessen gewahr ist. Doch gegen die Abläufe des Universums zu gehen ist zweckloser Widerstand. Und wohin uns das einseitige materialistische Denken in der Welt gebracht hat, kannst Du in den Nachrichten sehen.

Noch eins: Nur weil viele Menschen den schweren Weg nehmen, heißt das nicht, dass du und dein Team das auch tun müssen. SPA Success the easy way – das geht. Außer, du glaubst es nicht.

"Willkommen im Paradies" hieß es für Frank Weckesser nicht nur ein Mal während seiner Reise. Foto: Weckesser

„Willkommen im Paradies“ hieß es für Frank Weckesser nicht nur ein Mal während seiner Reise. Foto: Weckesser

Ich hab nachgezählt: du warst bereits 8 mal beim SpaCamp und hast ganze 7 Themenvorschläge eingereicht. Immer wieder geht es bei dir um Leichtigkeit im Business. Warum ist es für uns Menschen so schwer, Dinge leicht zu nehmen und Dinge einfach fließen zu lassen?

Das liegt daran, dass wir im Theaterstück des Lebens Hauptrolle und Nebenrolle vertauschen. Die Existenz hat uns das Intuitive, Seelische, Spirituelle geschenkt und führt uns durch diese Impulse auf dem Weg. Zur Umsetzung wurde der Verstand eingerichtet. Diesen braucht es in der materiellen Dualität, um etwas zu manifestieren, von dem wir inspiriert sind. Allerdings gebührt dem Verstand nicht die Hauptrolle, die wir ihm zudenken. Der Verstand ist der Diener bzw. der Partner der Seele, der Intuition oder der Existenz, wie auch immer Du es gerne nennst. Doch für die Menschheit ist der Verstand zum Boss geworden.

Wenn Du jetzt die Rollen tauschst und deiner Intuition erlaubst, der Sprache der Weisheit des Lebens die Führung zu übernehmen, kannst du den inneren Eingebungen ganz einfach folgen – eben ohne Anstrengung sondern mit Begeisterung und Liebe. Ein ganz natürlicher Prozess, der durch Zulassen abläuft, nicht durch „machen“. Das ist es was Du suchst. Aber Du suchst möglicherweise an der falschen Stelle. Die Lösung liegt nicht außerhalb von Dir, sondern die Lösung gehört zu Deiner Grundausstattung von Geburt an. Es ist das, was ich Seele nenne. Aber Namen sind immer Labels, die in die Irre führen können. Es braucht eine andere Art von Lebensorientierung, eine Umkehr des Fokus von „Außen“, vom Suchen und Streben, nach „Innen“, zum Finden dessen, was schon da ist. Und der Verstand hat nicht das Werkzeug dazu, es braucht einen anderen Zugang. Doch da gibt es Wege. Man braucht nur einen offenen Geist, der es angeht.

Vielen Dank Frank Weckesser für das Interview und deine inspirierenden Zeilen!