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Wie du mit Ayurveda das Immunsystem im Herbst und Winter stärken kannst – David Batra im Gespräch

Gerade jetzt in der kühleren Jahreszeit gilt es, unserem Immunsystem einen Boost zu geben. David Batra ist Ayurveda-Experte und gibt Tipps, womit sich die unterschiedlichen Ayurveda-Typen am besten gegen die typischen Erkrankungen im Herbst und Winter rüsten können. Inwiefern auch die Psyche zu stärkeren Abwehrkräfte beitragen kann und welche Angebote in Spa-Hotels umgesetzt werden, verrät der Profi ebenfalls. Ganz aktuell wollten wir auch wissen, wie die Sicht des Ayurveda auf die derzeitige Corona-Situation aussieht.

Die Winterkirsche wird im Ayurveda sehr häufig eingesetzt. Foto: Adobe Stock/simona

Die Winterkirsche wird im Ayurveda sehr häufig eingesetzt. Foto: Adobe Stock/simona

Im Ayurveda gibt es unterschiedliche Konstitutionstypen: den Vata-, den Pitta- und den Kapha-Typ. Wie verhalten sich alle Typen im Hinblick auf das Immunsystem und wo benötigen sie im Herbst und Winter besondere Unterstützung?

Der Vata dominierte Typus (schlank, feingliedrig, schnell etc.) ist besonders auf kalten Wind, Klimaanlagen, Luftzug, trockene Kälte anfällig. Die Symptome sind dann eher trockener Reizhusten bzw. verstopfte, trockene Nase. Für die Nase sind also im Herbst salzhaltige Sprays bzw. Wasser zur Befeuchtung gut und im Winter empfiehlt sich täglich 2-3 Tropfen Sesamöl in die Nase einzuführen. Generell soll der Organismus gewärmt, geölt und befeuchtet werden.

Beim Pitta dominierten Typus (mittelgroß, mittelschwer, ehrgeizig etc.) ist es sinnvoll, im Herbst eine Leber-Gallenreinigung durchzuführen, da die Leber als Pitta-Organ in jener Zeit besonders aktiv ist. Gerät das Immunsystem aus dem Lot, so ist eine Entzündungsanfälligkeit gegeben, welche sich oft im Hals äußert. Kurkuma mit Steinsalz stellt da eine gute Gurgellösung dar. Auch in Salbeitees kann man Kurkuma und Steinsalz hinzufügen. Bei verstopfter Nase ist Ghee (geklärte Butter) effektiv.

Der Kapha dominierte Typus (gemütlich, schnelle Gewichtszunahme, korpulenter Körperbau) reagiert eher empfindlicher auf Kälte und Nässe. Seine Erkältungssymptome äußern sich in Verschleimungen der Bronchien und wässrigem Schnupfen. Für ihn sind scharfe Gewürze wie z.B. langer Pfeffer, schwarzer Pfeffer und Galgant Ingwerpulver zum Würzen zur Entwässerung und Schleimlösung, als auch als Getränkeabkochung empfehlenswert.

Für alle Mischtypen empfiehlt sich als Hausmittel bei Erkältungen: ½ TL Zimt, ½ TL Ingwerpulver, 1-2 zerstoßene Kardamomsamen, 2-3 Gewürznelken in einer Tasse mit heißem Wasser kurz aufkochen und mehrmals am Tag trinken. Auch der indische Masala Chai eignet sich gut für den Winter.

Nicht nur jetzt im Herbst und Winter ist es wichtig, auf sein Immunsystem zu achten. Wie kann man auch während dem Jahr zu einem starken Immunsystem beitragen? Und was ist neben gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung noch wichtig?

Bei einer erhöhten Infektanfälligkeit spielt die psychische Verfassung laut Ayurveda auch eine Rolle. Angst, Hass und Wut können über molekulare Botenstoffe die Abwehrkraft schädigen. Da lehrt uns Yoga durch das Einüben bewusster, wertfreier Wahrnehmung und Meditation die Gedanken und Emotionen unter Kontrolle zu halten. Außerdem unterstützen Atemübungen aus dem Yoga wie z.B. die Wechselatmung (wechselweise Ein- und Ausatmung der Nasenlöcher) oder Feueratmung (schnelle Ausatmung u. passive Einatmung) den Fluss von Prana, also die Zirkulation von Sauerstoff und einer feinstofflichen Energie in unserem Organismus.

Es ist auch auf einen ausreichenden Vitamin D Spiegel zu achten. In Mitteleuropa beträgt der Normwert je nach Labor 30 – 50 ng/ml, wobei viele gerade in dieser Zeit einen Spiegel von 50 – 70 ng/ml empfehlen. Das heißt einerseits, sich ausreichend der Sonne auszusetzen und im Winter die zusätzliche Einnahme eines Präparates.

Neben deiner eigenen Praxis in Salzburg bist du auch in Spa-Hotels wie dem Hotel Alpenrose oder dem Hotel Gmachl tätig. Welche Ayurveda-Angebote werden hier zur Stärkung des Immunsystems konkret umgesetzt?

Bei den Paketen in der Alpenrose haben wir diesbezüglich verschiedene Workshops, derzeit auch zum Thema Covid-19, als auch eine Auswahl an ayurvedischen Menüs. Das Immunsystem ist im Ayurveda ein Teil des Lebenssaftes wie Blutplasma, Lymphe, Drüsensekrete. Die verschiedenen ayurvedischen Anwendungen öffnen die Vitalenergie, wodurch dieser Lebenssaft und damit die Immunität gestärkt werden.

Auch im Hotel Gmachl interessieren sich die Gäste vermehrt für derartige Themen und sind oft erstaunt was eine einzelne Ayurveda-Anwendung bei ihnen bewirkt. Bei jedem Gast fühle ich vor und nach der Behandlung kurz den Puls, da dieser das feinste Messinstrument im Ayurveda darstellt. Ich versuche, danach die Anwendung soweit als möglich den jeweiligen Bedürfnissen anzupassen. Nach der Anwendung bin ich oft über die intensive Wirkung erstaunt.

Darüber hinaus gibt es natürlich eine Menge frischer Früchte, Säfte, Tees und auch das Ambiente ist in beiden Hotels meiner Meinung nach einzigartig. Man spürt den Kraftplatz in beiden Häusern.

David Batra bei der Arbeit im Hotel Alpenrose in Tirol. Foto: Alpenrose

David Batra bei der Arbeit im Hotel Alpenrose in Tirol. Foto: Alpenrose

Welche Sicht hat Ayurveda auf die aktuelle Covid-19-Situation?

Ayurvedisch betrachtet bringt ein Virus die Balance der Grundenergien von Vata, Pitta und Kapha aus dem Lot. Man ist gefordert, den Organismus durch Kräuterpräparate etc. zu unterstützen, um das natürliche Gleichgewicht wiederherzustellen. Anhand von Erfahrungsberichten ayurvedischer Ärzte hat man sogar bei Personen mit Vorerkrankungen und höherem Alter mit ayurvedischen Kräutern schwere Verläufe von Covid-19 verhindern können.

Eine wissenschaftlich gut erforschte Pflanze ist Süßholz. Hier soll allerdings aufgrund der blutdrucksteigenden Wirkung die Dosis von 3 g pro Tag nicht überschritten werden. Ebenso ist die Winterkirsche, welche im Ayurveda sehr häufig eingesetzt wird, effektiv bei SARS bzw. Coronaviren. Diesbezüglich verweise ich auf einen Artikel von mir.

In alten ayurvedischen Schriften wurde auch auf Zurückhaltung enger sozialer Kontakte als Ansteckungsvermeidung hingewiesen. Perioden der Epidemien sind also demnach nie Zeiten der großen Feste und Massenansammlungen. Auch die Stärkung der Psyche durch Meditation bzw. andere Rituale ist wichtig, da solche Phasen auch eine psychische Beanspruchung mit sich bringen.

Gemäß der indischen Philosophie den Veden befinden wir uns in der jetzigen Zeitspanne in einem Phasenübergang mit tiefgreifenden Veränderungen. Wenn man diesem Denkansatz Glauben schenken möchte, haben wir allen Grund, mit Optimismus in die Zukunft zu blicken.

Vielen Dank, David Batra von Ayurveda Batra, für diesen Einblick ins Ayurveda und die Tipps, um den Herbst und Winter möglichst fit und gesund genießen zu können!