Spa MagazinFachthemen aus Spa, Wellness und Gesundheit

„Mehr Erlebnisse und weniger Dinge!“ Wie neuer Luxus und Nachhaltigkeit das Spa-Angebot verändert – Interview mit Catrin Stoppa und Tanja Klindworth

In ihrer Session beim diesjährigen SpaCamp Focus Day haben Tanja Klindworth von Spaness und Catrin Stoppa von Stoppa Touristik Consulting die Frage gestellt, welche Chancen sich für Spa-Hotels ergeben, die auf Nachhaltigkeit und den damit verbunden neuen Luxus setzen. Im Interview geben die beiden einen Einblick in die wichtigsten Erkenntnisse und teilen ihre Meinung zum zukünftigen Reiseverhalten. Außerdem unterstreichen sie die No-Goes, die es im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit in der Kommunikation gibt.

Zeit in der Natur als "neuer Luxus". Foto: Adobe Stock/GAGO IMAGES

Zeit in der Natur als „neuer Luxus“. Foto: Adobe Stock/GAGO IMAGES

Zu Beginn eurer Session beim SpaCamp Focus Day habt ihr eine kleine Umfrage präsentiert, wie Menschen heute Luxus definieren. Was sind die Ergebnisse und welche Antworten haben euch vielleicht sogar überrascht?

Nun ja, bevor wir uns eingehender mit der Frage beschäftigt haben, sind wir beim allgemeinen Verständnis des Begriffes Luxus mal eher von Gold, Kaviar und Champagner ausgegangen. Also im Kern ein Verständnis der teuren „Dinge“. Für Hotels würde das also heißen z.B. Top-Gastronomie, luxuriöse Wellnessanwendungen und eine gehobene Ausstattung mit sehr wertigen Materialen.

Die Umfrage und diverse Gespräche, so wie auch die Diskussion im Rahmen unserer Session haben jedoch sehr schnell die These eines „Neuen Luxusbegriffes“ untermauert. Weg von Dingen (materiell), hin zu Erlebnissen und Werten (immateriell). Als Beispiel das Thema Zeit für besondere Erlebnisse, Ich-Zeit bzw. Zeit mit dem Partner und der Familie. Die Teilnehmer:innen nannten auch häufiger Gesundheit, Ruhe und Natur. Auch mehr Verantwortung durch bewussteren Konsum gehört zu den neuen Werten, die sicherlich auch durch Corona noch einmal an „drive“ gewonnen haben oder den Menschen durch die Situation der letzten Monate auch einfach bewusster ins Gedächtnis gerückt sind.

Spannend war auch, dass ihr in der Diskussion unterschieden habt, zwischen immateriellem und materiellem Luxus. Wie findet der Mensch die richtige Balance? Auf was sollten wir als Konsument:innen lieber verzichten (lernen) und was darf man sich ruhig gönnen?

Im Prinzip ist Luxus alles, was ich nicht notwendigerweise brauche. Wenn man sich ab und zu etwas über den nötigen Bedarf hinaus „gönnt“, empfindet man dies als Luxus und etwas Besonderes. Ein „zu viel“ kann dann auch schnell zu etwas Normalem werden und der „besondere“ Wert verschwindet. Auch kann ein „zu viel“ an Dingen sogar wie eine Last wirken.

Für die richtige Balance sollte man den Alltag ab und zu verlassen und sich etwas gönnen. Dieses soll man dann aber bewusst wahrnehmen und entsprechend wertschätzen. Egal ob materiell oder immateriell. Trotzdem oder gerade deswegen jedoch auch in den Alltag regelmäßig kleine Zeitfenster für Ruhe, Natur, Gesundheit und Familie einplanen, wenn das für Dich persönlich Luxus ist. Also mehr Erlebnisse und weniger Dinge. Dies ist auf Dauer auch nachhaltiger und schont Ressourcen. Das veränderte Luxusverständnis beruht auch auf einer Veränderung der Werte und einem neuen Bewusstsein für nachhaltigeres Leben und weniger Verschwendung.

Auch Zeit in der Natur kann als Luxus angesehen werden. Foto: Tanja Klindworth

Auch Zeit in der Natur kann als Luxus angesehen werden. Foto: Tanja Klindworth

Wie ist eure persönliche Einschätzung zum Reise-Verhalten, wenn der Großteil geimpft ist und Corona hoffentlich seinen Schrecken verloren hat?

Wellnessreisen sind Luxus. In der Zeit der Pandemie hingegen hat ein Großteil der potenziellen Gäste auf viele Erlebnisse verzichten müssen. Jetzt, wo die Hotellerie wieder öffnen darf, wird die Nachfrage insbesondere nach besonderen Erlebnissen immens sein. Viele Gäste werden das Verpasste nachholen, jedoch mit einem höheren Sicherheits- und Hygieneanspruch. Daher werden aufgrund der Erfahrungen der letzten 15 Monate inländische und mit dem Auto erreichbare Ziele bevorzugt. Viele zieht es jedoch auch schon wieder ans Mittelmeer & Co. Ganz ferne Gebiete werden sicherlich noch etwas mehr Geduld aufbringen müssen, auch mit Blick auf einen nachhaltigeren Lebensstil, den sich nun viele Menschen wünschen und auch bedachter praktizieren.

Eine gesunde Mischung aus Distanz (Sicherheit/Hygiene), Nähe (Bedürfnis nach Berührung) und Wunsch sowie Bedarf nach mehr Nachhaltigkeit sollte sich auch in dem Angebot im Spa wiederfinden.

Welche Chancen ergeben sich für Spa-Hotels, die auf Nachhaltigkeit setzen und welche Spa-Angebote sind hier denkbar?

Hotels mit besonderen Konzepten, Alleinstellungsmerkmalen und einem authentischen Wohlfühlfaktor werden langfristig zu den Gewinnern der Pandemie zählen. Insbesondere, wenn der Aufenthalt auch noch Lösungen für gesundheitliche und psychische Probleme verspricht, die im Rahmen der Pandemie und/oder auch einer eigenen Covid-Erkrankung (Stichwort: Long Covid) aufgetaucht sind.

Spa- und Wellnessangebote im Freien werden in Zukunft interessanter werden. Foto: Tanja Klindworth

Spa- und Wellnessangebote im Freien werden in Zukunft interessanter werden. Foto: Tanja Klindworth

Das Thema Nachhaltigkeit wird bewusst und unbewusst eine deutlich stärkere Rolle bei der Auswahl der Urlaubsdestination und des Hotels spielen. Spa-Angebote die z.B. langfristige Effekte erzielen, welche über den Wellnessurlaub hinaus wirken, bieten eine gute Basis für den Erfolg an. Diese setzen z.B. bei Atemproblemen, Schlafstörungen etc. an. Passend dazu sollten Spa-Hotels auch vermehrt Außenräume in die Angebotsgestaltung einbeziehen. Hier bieten sich z.B. geführte Wanderungen an, Waldbaden oder auch Yoga in Naturräumen. Draußen können wir gut Abstand zueinander halten und die frische Luft tut Körper, Geist und Seele gut.

Welche Tipps könnt ihr bei der Kommunikation nach außen geben? Und gibt es No-Goes?

Catrin Stoppa und Tanja Klindworth sind Expertinnen in Sachen Kommunikation von Spa-Hotels. Foto: privat

Catrin Stoppa und Tanja Klindworth sind Expertinnen in Sachen Kommunikation von Spa-Hotels. Foto: privat

Nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ sollte ein Spa-Hotel, welches auf Nachhaltigkeit setzt, die Thematik authentisch und ehrlich in die Kommunikation und die „Story“ miteinbinden. Gerade wenn man auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist, gibt es viel zu erzählen und Meilensteine zu feiern.

Selbstverständlich sollte Greenwashing ein No-Go sein. Auch kann ein falsch kommuniziertes Bild der Nachhaltigkeit falsche Erwartungen wecken und zu Enttäuschungen bei den Gästen führen. Man sollte jedoch auch nicht den Anspruch haben, erst zu kommunizieren, wenn man ein perfektes Konzept hat, sondern die Gäste vielmehr mitnehmen auf den Schritten und bestenfalls auch einbinden (vor Ort und auf den sozialen Medien). Dabei dürfen auch ganz offen und ehrlich Herausforderungen kommuniziert werden und wie diese gelöst wurden. Das schafft Vertrauen.

Nimmt man Gäste und Mitarbeiter:innen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit mit, kommuniziert offen und feiert gemeinsam die Fortschritte, so wird man auch durch kostenfreies Marketing mehr positive Presse bzw. bessere Bewertungen durch die Gäste als Markenbotschafter belohnt.

No Go ist selbstverständlich, Maßnahmen nur halbherzig einzuführen, um positive Geschichten nach Außen zu geben. Wichtig ist, Nachhaltigkeit in die Werte und Vision des Unternehmens zu integrieren und einen langfristigen, ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen.

Vielen Dank liebe Tanja Klindworth von Spaness und Catrin Stoppa von Stoppa Touristik Consulting für eure ausführlichen Antworten und Einschätzungen. Wir sind schon gespannt, wie das Thema Nachhaltigkeit in Zukunft in den Spa-Hotels integriert wird.