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Betrachtung einer „ver-rückten Zeit“ – Die Wellness-Hotellerie und ihre Mitarbeiter:innen im Wandel

Die Covid-19 Pandemie hat in den letzten 1,5 Jahren in vielen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen, Gewohntes und Altbewährtes auf den Kopf gestellt und wie ein Brennglas in alle Richtungen verstärkend gewirkt. Die Unvorhersehbarkeit unserer Zeit wurde uns vor Augen geführt und hat sowohl Unternehmern als auch Mitarbeiter:innen eine sehr hohe Anpassungsfähigkeit abverlangt. Vor allem die Hotellerie war und ist stark betroffen. Wie kann die Wellnesshotellerie aus dieser Zeit lernen und zu einem begehrten Arbeitsplatz werden?

Es gilt, ansprechende Arbeitsplätze in der Hotellerie zu schaffen und auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter:innen einzugehen. Foto: Adobe Stock/Friends Stock

Es gilt, ansprechende Arbeitsplätze in der Hotellerie zu schaffen und auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter:innen einzugehen. Foto: Adobe Stock/Friends Stock

In Beziehung gehen, Digitalisierung und Wertewandel

Aus vielen Umfragen, Studien, Experteneinschätzungen und eigenen Beobachtungen aus der Praxis lässt sich sehr gut sehen, welche Bereiche aktuell am stärksten in Veränderung sind und es sind definitiv Bereiche, die schon vor Corona im beginnenden Wandel waren.

Während der Lockdownphasen konnte man vielerorts beobachten, wie sich Hoteliers ganz besonders um ihre Mitarbeiter:innen bemüht und alles daran gesetzt haben, sie im Unternehmen zu halten.

Das in Beziehung gehen und Verantwortung übernehmen, wird uns in der Zukunft auch erhalten bleiben, weil es ein wichtiger Schlüssel in der Mitarbeiterbindung ist. Die Zeit der Einzelkämpfer ist definitiv vorbei. Viele Unternehmen konnten erkennen, dass es einem selbst nur dann wirklich gut geht, wenn es auch den Menschen rund herum gut geht, wie zum Beispiel Mitarbeiter:innen, Partnern, Kund:innen.

Die Digitalisierung ist mittlerweile in allen Bereichen angekommen. Aktuell müssen wir uns keine Gedanken mehr darüber machen, ob wir die Digitalisierung im SPA nutzen wollen, sondern vielmehr, wie wir sie bestmöglich und sinnvoll einsetzen werden.

Ein Wertewandel in der Welt der Arbeit bei jüngeren Arbeitnehmer:innen lässt sich nicht mehr übersehen. Früher ging es in erster Linie um einen sicheren Arbeitsplatz und adäquate Bezahlung. Heute ist das zu wenig. Junge Menschen hinterfragen den Arbeitgeber viel stärker, sie wollen mit ihrer Arbeit auch einen Beitrag leisten. Sinnstiftende Arbeit ist besonders wichtig geworden, ebenso wie Flexibilität in Bezug auf die Arbeitszeit und den Arbeitsort. Werden diese Bedürfnisse berücksichtigt, bekommen Unternehmen überaus motivierte, loyale und leistungsbereite Mitarbeiter:innen.

Der Arbeitsmarkt hat sich von einem Arbeitgeber- zu einem Arbeitnehmermarkt entwickelt. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Unternehmen ihr Profil schärfen und sich als Arbeitgebermarke positionieren, um sich im „War for Talents“ erfolgreich schlagen zu können. Unternehmenswerte, wie Wertschätzung, Möglichkeit zur sinnstiftenden Tätigkeit, einer gelebten Wir-Kultur, Fairness und Transparenz in der Entlohnung, Nachhaltigkeit, sind keine Floskeln auf der Homepage mehr, sondern gelebte Werte.

Flache Hierarchien und flexible Arbeitszeiten sind u.a. essentiell, um Mitarbeiter:innen in der Hotellerie zu gewinnen. Foto: Adobe Stock/Robert Kneschke

Flache Hierarchien und flexible Arbeitszeiten sind u.a. essentiell, um Mitarbeiter:innen in der Hotellerie zu gewinnen. Foto: Adobe Stock/Robert Kneschke

Was macht die Wellnesshotellerie zu einem begehrten Arbeitsplatz?

Die FH Wien mit den Studienbereichen Tourismus & Hospitality Management und Human Ressources & Organization (2021), hat ein Forschungsprojekt mit folgender Hypothesenstellung durchgeführt:

„Wir haben das Jahr 2030: Die Hotellerie ist der begehrteste Arbeitgeber. Offene Stellen werden unmittelbar nachbesetzt, die Fluktuation ist so gering wie nie zuvor.“

Es wurden fünf Schlüsselfaktoren identifiziert, die dabei besondere Beachtung brauchen und als Garant zur Erreichung dieser Ziele angesehen werden:

  1. Arbeits- und Organisationsstrukturen
    Flache Hierarchien, agile Strukturen und neue Arbeitszeitmodelle, um die Work-Life Balance zu verbessern, werden hier als maßgeblich betrachtet.
  2. Entwicklung von Nachwuchstalenten
    Persönliches Wachstum, mit interner Weiterbildungsmöglichkeit und individuellem Coaching sowie die Netzwerkarbeit innerhalb der Hotellerie Branche und auch mit externen Partnereinrichtungen und Institutionen wird als zentraler Aspekt und Wettbewerbsvorteil gesehen.
  3. Anreize und Benefits
    Gerade in der Wellnesshotellerie existieren viele Benefits bereits. Hier gilt es, diese noch besser nach außen sichtbar zu machen. Zudem sollen hier auch internationale Kontakte zur Vernetzung und Erhöhung der Attraktivität und Verbesserung der Karrieremöglichkeiten genutzt werden und Entlohnungsmodelle überlegt werden, bei denen sich Arbeiten auch tatsächlich lohnt.
  4. Verbesserung des Branchen-Images
    Hier wurde als wichtigster Faktor die Stärkung der Arbeitgeber-Attraktivität durch faire Arbeitsbedingungen und faire Entlohnung und eine Aufwertung des Berufsfeldes als wichtigster Faktor gesehen. Die Rolle der Gemeinschaft, innerhalb der Interessensvertretung und innerhalb von Netzwerken in der Hotellerie, als eine „Wir“- Attitude, statt Konkurrenzdenken ist ein weiterer wichtiger Punkt
  5. Erfolgreiche Umsetzung der Digitalisierung
    Ein gutes Change-Management ist hier von Bedeutung und ein Miteinander von Führungskräften und Mitarbeitern gleichermaßen sowie Fachwissen und persönliche Eigenschaften, wie Offenheit, Risikobereitschaft und Flexibilität.

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass der Fachkräftemangel als „DIE Mammutaufgabe“ für die Hotelbranche angesehen wird. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie vielschichtig und eng miteinander verbunden die Einfluss Faktoren sind. Deshalb wird empfohlen einen ganzheitlichen, strategischen, prozessorientierten Ansatz zu verfolgen und das so rasch wie möglich, unter dem Motto: „Agieren statt Reagieren!“

Wie führen wir künftig unsere Teams?

In den ersten Monaten des Lockdowns haben viele Spa-Manager:innen anschaulich gezeigt, wie gut sie darin sind mit ihren Teams, die oft aus sehr feinfühligen Menschen bestehen, wertschätzend zu kommunizieren, in Beziehung zu gehen und den Teamspirit aufrechtzuhalten. Emotionale Intelligenz und empathisches Verhalten waren in dieser stürmischen Zeit wichtiger denn je und in unserer Branche immer schon von großer Bedeutung. Ich kenne viele Kolleg:innen, denen es mit Kreativität und Einfallsreichtum hervorragend gelungen ist, mit Ängsten und Unsicherheiten im Team gut umzugehen und eine solide Grundlage für den Neustart zu schaffen.

Aktuell befinden wir uns in einem Wandel in Bezug auf das künftige Führungsverhalten. Ich stimme hier dem norwegischen Wirtschaftsphilosophen Anders Indset zu, der sagt, dass es zu einer Ablösung von Hierarchien und Rollendenken kommen wird und das das Miteinander eine größere Bedeutung bekommen wird. Das heißt, Mitarbeiter:innen könnten nicht mehr nach Rollen, sondern nach Kompetenzen eingestellt werden, damit sie auch Lust bekommen am Projekt mitzuwirken. Die Kontroll- und Steuerfunktion von Führungskräften wird nicht mehr gebraucht und von Technologien übernommen. Vertrauen zueinander, Beziehungen und Resonanzen werden zu neuen Grundprinzipien.

Zu wichtigen Führungs-Skills wird gehören, sich für Menschen zu interessieren, zuzuhören und neugierig zu sein, auch differente Diskussionen zuzulassen, damit daraus Neues und Weiterentwicklung entstehen kann. Die neue Führungskraft wird zum Dienstleister der Mitarbeiter:innen, um deren Potentiale bestmöglich fördern und nutzen zu können.

Wellnesshotelliere könnte eine Vorreiterrolle einnehmen

Die Wellnesshotellerie könnte in diesem Veränderungsprozess eine Vorreiterrolle einnehmen. Potentiale dafür gibt es vielerlei. Mitarbeiter:innen in der Hotellerie und auch Spa-Mitarbeiter:innen sind bereits fachlich bestens ausgebildet und mit entsprechenden Schulungsmaßnahmen, die vor allem die Persönlichkeitsentwicklung von Führungskräften und Mitarbeiter:innen noch weiter unterstützen und fördern, könnten maßgebliche Schritte zur Branchenstärkung gesetzt werden.