Spa Magazin

Platz für Innovationen, neue Sichtweisen und grüne Ideen! Interview mit Nele Winkler vom Haffhus

Das Thema Nachhaltigkeit ist längst auch in der Spa- und Wellnessbranche angekommen. Auch wenn es immer so scheint, als handle es sich um ein Trendthema der jüngeren Generation, wurde in vielen Betrieben von jeher auf Ressourcenschonung, Umweltbewusstsein und Achtsamkeit gesetzt – so auch im HAFFHUS. Nachhaltigkeit wird von den Hotelgästen immer öfter eingefordert. Wir haben mit Nele Winkler gesprochen. Sie gehört mit 20 Jahren zur jungen Generation  im Familienbetrieb.

Das Haffhus Hotel & Spa in Ueckermünde. Foto: Haffhus

Das Haffhus Hotel & Spa in Ueckermünde. Foto: Haffhus

Wie „grün“ ist dein eigener Lifestyle und inwieweit ist Nachhaltigkeit aktuell ein Trendthema der jungen Generation?

Nach meinem Empfinden ist Nachhaltigkeit kein Trendthema, sondern Teil des gesellschaftlichen Veränderungsprozesses, der maßgeblich die aktuellen und die kommenden Jahre prägt. Die junge Generation empfindet Umweltbewusstsein und Achtsamkeit vielmehr als Teil ihres Alltags. Das kommt bei den meisten nicht mehr aus der Mode.

Nele Winkler vom Hotel Haffhus. Foto: Fotostudio am Haff

Nele Winkler vom Hotel Haffhus. Foto: Fotostudio am Haff

Ich persönlich versuche in meinem Alltag möglichst Platz für Innovationen und neue Sichtweisen zu lassen und nehme sie auch von der Arbeit mit nach Hause. Die Trockenblumen blühen bei mir das ganze Jahr, die Trinkhalme aus Stroh sind privat und geschäftlich der Hingucker schlechthin und im Allgemeinen achte ich auf Ressourcenschonung. Auch für Saisonalität und Regionalität bin ich immer zu haben und den vom HAFFHUS zu 100% grün erzeugten Eigenstrom nehme ich mit, wenn ich vom Hof fahre. Ich bin offen für grüne Ideen und gebe auch selbst gerne Denkanstöße in meinem Umfeld.

Wo beginnt in eurem Hotel & Spa Nachhaltigkeit und wo hört sie auf?

Nachhaltigkeit begann bei uns eindeutig im Energiesektor. Schon 2001 wurde fossilen Energien der Kampf angesagt. Mittlerweile haben wir seit 2017 unsere eigene Energieinsel und versorgen uns durch Solar-, Wind- und Holzkraft selbst mit Strom und Wärme. Besser geht’s für uns kaum. Wir sind laufend dabei unser System analog und digital zu optimieren und sind diesbezüglich mittlerweile richtige Experten geworden.

Aktuell und zukünftig geht es darum, alle anderen Sektoren des Hotels mitzureißen und unsere Expertise weiter auszuweiten. Stück für Stück. Dabei soll nicht der gesamte Bestand radikal umgekrempelt werden – wir fokussieren uns darauf, proaktiv neue Ideen zu integrieren. Im Moment stehen Renovierungen der Hotelzimmer auf dem Plan, wir setzen digitale Projekte um und werden auch weitere Maßnahmen in Richtung Nachhaltigkeit im Restaurantbereich realisieren.

Wer brennt in eurem Betrieb für welche Nachhaltigkeitsthemen? Gibt es vielleicht Bereiche, die der älteren Generation mehr am Herzen liegen und jene, um die sich eher die jüngere Generation kümmert?

Die „ältere Generation“, die ich hiermit natürlich keinesfalls „alt“ nennen mag, hat bei uns den Grundstein im Energiesektor gelegt. Dies ist der mit Abstand ressourcenintensivste Bereich eines Hotelbetriebs – insbesondere, wenn man ein Spa mitbetreibt.

Meine persönliche Herzensangelegenheit ist wohl das Restaurant. Hier bin ich unter anderem direkt am Gast tätig – und das mit Herzblut! Darum bringe ich besonders im Servicebereich und in der Küche Ideen ein und rege zum Austausch an. Es ist die Summe der vielen Kleinigkeiten, die unsere Arbeit insgesamt grüner macht. Mir ist es ein Anliegen unsere Gäste durch meine eigene Begeisterung mitzureißen und mir und den Mitarbeitern gleichzeitig diverse Aufgaben zu erleichtern.

Ihr bewerbt einen klimaschonenden Aufenthalt und „smarten“ Service. Wie fließen diese Kernthemen ineinander?

Der Gast kann bei uns seinen Aufenthalt bereits klimaneutral genießen. Mit smarten Services – wie zum Beispiel dem Energie-Dashboard – kann auch vom Gast eingesehen werden, wann die Stromerzeugung für die Aufladung des Elektroautos optimal ist. Ein Tablet auf jedem Zimmer erlaubt es den Gästen verschiedene Informationen abzurufen. Beispielsweise kann die Saunaaktivität eingesehen und das Angebot auch gleich gebucht werden. Sämtliche Informationen über die Hotelanlage, zur betrieblichen Nachhaltigkeit, zur Umgebung sowie zu aktuellen News können jederzeit übers Tablet abgerufen werden.

Die Photovoltaik-Anlage im Haffhus. Foto: Hotel Haffhus

Die Photovoltaik-Anlage im Haffhus. Foto: Hotel Haffhus

Ihr seid einer der wenigen Betriebe, die das GreenSign Level 5 tragen dürfen! Wofür steht das Label?

Das Label GreenSign Level 5 zeichnet Hotels aus, die Nachhaltigkeitskonzepte mit bestmöglicher Intensität und durchaus mit Vorbildlichkeit leben.

Wie ist diese Zertifizierung für den Gast wahrnehmbar?

Die Wahrnehmbarkeit der Zertifizierung für den Gast ist klar zu differenzieren. Wenn der Gast grundsätzlich Interesse an Nachhaltigkeit und an Auszeichnungen hat, wird ihm durchaus auffallen, dass wir spitzenzertifiziert sind. Unserer Beobachtung nach sind solche Auszeichnungen allerdings nicht primär wichtig für unsere Gäste.

Sowohl für den Gast als auch für uns ist es am Ende wichtiger, wie der Gast unser nachhaltiges Konzept bei seinem Aufenthalt erlebt. Dieser taucht bei uns ganzheitlich in unsere Story und in die Thematik Nachhaltigkeit ein – die Wahrnehmung passiert unbewusst oder bewusst. Ein Großteil der Gäste ist am Ende des Aufenthalts begeistert vom Gesamtkonzept unserer Anlage und das ist es, was wirklich zählt.

Was dazu gehört, ist die Nutzung von smarten Gadgets wie dem Zimmer-Tablet, der Butter-, Saft-, und Marmeladenspender am Frühstücksbuffet und natürlich regionale Produkte. In unserer Gemüsepfanne ist immer saisonales Gemüse, die Bio-Getränke und Spirituosen haben keine weite Reise hinter sich, sondern werden aus dem Umkreis bezogen. Entspannung erlebt der Gast – ganz „grün“ – im nachhaltig beheizten Sole-Außenpool oder in der Sauna, die dann von ihm genutzt wird, wenn die Energiebilanz zum Saunieren optimal ist.

Nele Winkler, Nicole Winkler, Ricardo Joerges (v.l.n.r.). Foto: Haffhus, Maik Joerges

Nele Winkler, Nicole Winkler, Ricardo Joerges (v.l.n.r.). Foto: Haffhus, Maik Joerges

Seid ihr durch die GreenSign-Zertifizierung nachhaltiger geworden?

Im Zertifizierungsprozess haben wir überrascht festgestellt, wie viele nachhaltige Aspekte wir unbewusst schon lange Zeit umgesetzt und in unseren Ablauf integriert haben. Das hat uns im wahrsten Sinne des Wortes einen Energieschub gegeben und uns dazu motiviert, der Nachhaltigkeit auf diesem stabilen Fundament noch mehr Raum zu geben.

Die Zertifizierung selbst gibt jedem Betrieb, der ganz neu ins Thema einstiegen will, einen guten Leitfaden für einen „grünen“ Weg. Für Unternehmen die – wie wir – Nachhaltigkeit bereits umfassend leben und immer weiter ausbauen, ist dagegen die Messbarkeit durch eine Zertifizierung sehr wichtig. Durch die Zertifizierungsrichtlinien können wir unseren Status Quo gut klassifizieren und auf dieser Basis immer weiter optimieren. Wir sind im Bereich der Nachhaltigkeit bestimmt schon sehr weit fortgeschritten – aber natürlich geht da immer noch mehr und wir sind bereit, auch noch viele weitere Schritte in diese Richtung zu gehen.

Vielen Dank, liebe Nele für deine Zeit! Wir freuen uns sehr darüber, dass du auch beim SpaCamp Focus Meeting zum Thema „Wandel zum Wesentlichen“ am 14.3.2022 zu Gast sein wirst.